Vor knapp 200 Jahren demonstrierten hier oben fast 30.000 Menschen tagelang für mehr Freiheit und Volkssouveränität. Das Schloss hat bis heute eine besondere Ausstrahlung – und es beherbergt eine spannende Ausstellung über das Hambacher Fest und die frühe Demokratiebewegung in Deutschland.

Natürlich hängt hier eine der Originalfahnen hinter Glas, und selbstverständlich werden die alten Plakate gezeigt und die Trommeln und die historischen Dokumente – das beliebteste Exponat der Ausstellung aber ist erst wenige Jahre alt. In einem großen Glaskasten laufen über 400 Playmobilfiguren zu einer Ruine hoch oben auf einem Berg. Der Marsch hinauf zum Hambacher Schloss als augenzwinkernde Spielzeug-Installation: Ein bisschen Mut braucht es schon, ein historisches Ereignis mit Hilfe von Figuren darzustellen, die man sonst eher aus dem Kinderzimmer kennt. Erstaunlicherweise (oder: erwartungsgemäß) stehen aber nicht bloß kleine Ausstellungsbesucher vor dem Glaskasten. Erwachsene bleiben meist noch länger.

Schwarz-Rot-Gold als Farbe der Demokratie

Es gibt nicht viele Orte in Deutschland, an denen man den Geist von Freiheit und Demokratie so sehr spüren kann wie im Hambacher Schloss, zweihundert Meter über dem Rebenmeer der Pfalz. Um die wahren Absichten zu verschleiern wurde jener historische 27. Mai 1832 von den Machern als buntes, gut gelauntes Volksfest geplant und den Behörden vorab gemeldet. Bereits um acht Uhr morgens hatte sich der Zug bei Glockengeläut und Böllerschüssen auf dem Neustadter Markplatz formiert. Anschließend zogen Bürgergarden, Musikkapellen, Redner und Abordnungen diverser deutscher Kleinstaaten fahnenschwenkend und singend hinauf zum Schloss. Fast 30.000 demonstrierten anschließend tagelang gegen die Repressionen der bayerischen Verwaltung. Prangerten Ungleichheit an. Verlangten Pressefreiheit. Forderten Einheit und Demokratie.

Beim Besuch der Ausstellung lassen sich die Ereignisse jener turbulenten Tage aus der Sicht verschiedener fiktiver Protagonisten erleben (von denen jeder andere, eigene Erwartungen und Wünsche hatte). Man kann sich die Ansprachen von damals anhören und sich vom rhetorischen Elan mitreißen lassen, kann Landkarten puzzlen, Konkarden basteln und die Ereignisse des 27. Mai 1832 in ihren geschichtlichen Kontext einordnen. Viele Gründe für die revolutionäre, liberale Stimmung von damals sind bekannt. Aber wer weiß schon, dass die Lebensmittelpreise in den Jahren vor dem Fest auf dem Hambacher Schloss um ein Drittel gestiegen waren? Dass die Menschen illegal im Pfälzerwald Holz schlagen mussten, um im Winter nicht zu erfrieren? Und dass wegeneines solchen „Holzfrevels“ fast ein Fünftel aller Pfälzer von den bayerischen Behörden angezeigt wurde? Auch die Weinbauern rund um Neustadt protestierten damals gegen ihre wirtschaftliche Situation. Als sich der Festzug hinauf zum Schloss bewegte, warteten auch die Winzer am Wegesrand. Mit Fahnen, auf denen „Die Weinbauern müssen trauern!“ stand. Die Hauptfahne des Hambacher Festes wurde später zum Symbol für die Demokratie in Deutschland – und ist die Vorlage für die heutige Fahne der Bundesrepublik.

Hinauf, hinauf zum Schloss!

Wer heute das Hambacher Schloss besucht, entdeckt eine spannende Ausstellung rund um einen der wichtigsten Ursprungs- und Symbolorte der deutschen Demokratie. Das ist aber nicht der einzige Grund für einen Besuch des Hambacher Schlosses: Der tolle Wein ist  auch immer ein unschlagbares Argument , denn schließlich wacht das Hambacher Schloss auf seinem Bergrücken über eines der berühmtesten Weinanbaugebiete der Welt. Und im schlosseigenen Restaurant „1832“ kann man nicht bloß vorzüglich essen, sondern auch eine Auswahl der besten Pfälzer Weine trinken. Die Aussicht, die man dabei auf das wogende Rebenmeer hat, ist die gleiche wie an jenem 27. Mai vor beinahe zweihundert Jahren. Was für ein Gefühl!

In Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Für einen Urlaub in Rheinland-Pfalz gibt es viele gute Gründe. Einige davon sind die etlichen Schlösser und Burgen, tolle Weinberge an Mosel und Rhein und historische Städte wie Trier und Mainz.

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