Das preisgekrönte Ozeaneum, spektakulär eingebettet in die Hafen-Skyline von Stralsund, nimmt seine jährlich mehr als 500 000 Besucher mit auf eine abenteuerliche Reise in die verborgenen Tiefen der Nord- und Ostsee.

Ozeaneum

Ein hoch emotionaler Moment kommt für uns gleich am Anfang unseres Besuchs: Das riesige Herz des Finnwals, ausgestellt am Beginn des Rundgangs, rührt uns alle schwer an. Wir stellen uns vor, wie es schlägt, pumpt und arbeitet in der Brust seines mächtigen Besitzers, irgendwo in den Tiefen eines Weltmeeres – und wie winzig klein wirkt im Vergleich das direkt daneben platzierte Menschenherz. Später, in der Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“, werden wir in einer Multimedia-Show Buckelwale und ihre betörenden Gesänge hören, mit denen sie sich über viele Kilometer im Wasser verständigen können. Und wir bestaunen originalgroße Nachbildungen der Meeresgiganten, darunter ein 26 Meter langer Blauwal. Spätestens in dieser letzten Ausstellung haben die Riesen der Meere unser Herz erobert.

Riesen der Meere im Ozeaneum in Stralsund
Riesen der Meere: 20 Meter hoch und sanft in blaues Licht getaucht, bietet die große Halle mit einer aufwändigen Multimedia-Show modernste Wissensvermittlung über die größten Bewohner unseres Planeten © TMV/Kirchgessner

Unterwasserreise durch Nord- und Ostsee

So viel Spannendes und Schönes haben wir entdeckt an diesem abwechslungsreichen Tag in den außergewöhnlichen Räumen und Etagen des Ozeaneums – aber womöglich ist das die größte Leistung, die ein Besuch hier mit sich bringt: das gestärkte Verständnis für Vielfalt, Kostbarkeit und Fragilität des Lebens im Meer; und wie wichtig es ist, sich für den Erhalt dieses unglaublichen Arten-Schatzes einzusetzen. Dem Wesen nach ist das Museum als Unterwasserreise durch die nördlichen Meere angelegt. Der Rundgang ist so gestaltet, dass die Besucher zunächst den Lebensraum Ostsee kennenlernen – von Boddengewässern über Seegraswiesen bis hin zur Kreideküste. Ähnlich sind auch die Schau-Räume für die Nordsee angelegt, beginnend mit dem Wattenmeer über ein außergewöhnliches Tunnelaquarium für die Insel Helgoland und schottische Küstenhöhlen bis zum offenen Atlantik. Auch auf absonderlich geformte Wesen der Tiefsee dürfen wir einen Blick werfen – aus jener fernen Welt, von der wir noch immer sehr wenig wissen und noch weniger verstehen.

Das größte Aquarium des OZEANEUMs fasst 2,6 Millionen Liter Wasser. © TMV/Kirchgessner
Das größte Aquarium des OZEANEUMs fasst 2,6 Millionen Liter Wasser. © TMV/Kirchgessner

Und das sind nur einige Highlights von ungezählten weiteren in diesem auch ästhetisch einzigartigen Bauwerk. Mit seinen vier weiß geschliffenen Gebäudeteilen aus Schiffsstahl, die in ihrer jeweils ganz individuellen Form an vom Wasser umspülte Steine erinnern, ist es ein absoluter Hingucker in der malerischen Hafenkulisse Stralsunds. Einen würdigeren Bau für die Auszeichnung „Europas Museum des Jahres“ kann man sich nach dem Besuch denn auch kaum vorstellen. 2010 gab es diese Anerkennung für diesen zwei Jahre zuvor von Bundeskanzlerin Merkel eröffneten Prachtbau.

Vor dem Ozeaneum in Stralsund
Spektakulärer Anblick: Schon die einzigartige Außenfassade des Ozeaneums direkt an der Stralsunder Hafenpromenade macht Lust auf den Gang ins Innere © TMV/Kirchgessner

Ein Museum, vier Standorte

Ja, Stralsund kann zu recht stolz sein auf das Deutsche Meeresmuseum, das sich auf vier Standorte in der Stadt und Region verteilt. Da gibt es ebenfalls direkt in Stralsund hinter Klostermauern das Meeresmuseum mit dem Schwerpunkt tropische Meere. Es befindet sich seit 1951 in der Stralsunder Altstadt und wird 2021 für Umbau- und Modernisierungsarbeiten geschlossen. Dann das Nautineum auf der kleinen Insel Dänholm vor den Toren der Stadt mit zahlreichen Originalexponaten zu Fischerei und Meeresforschung. Im Natureum am Darßer Ort werden Ostseeaquarien mit Ausstellungen zum Lebensraum Darßer Ort, der Ostseeküste und den Tieren der Region verbunden. Auf dem Museumsgelände steht auch der Leuchtturm, der Aufstieg seiner 126 Stufen lohnt sich und bietet am Ziel einen schönen Blick über die Ostsee und den Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“. Und eben als neuesten und größten Standort sowie Glanzstück dieser Museums-Perlenkette das Ozeaneum – mit jährlich über einer halben Million Besucher.

Schiffswrack im Ozeaneum in Stralsund
Dunkle Versuchung: Das elf Meter lange Modell eines Schiffswracks schenkt den tierischen Bewohnern dieses Aquariums jede Menge versteckter Ecken, Winkel und Gänge zum überraschenden Ein- und Auftauchen © Christian Howe/Deutsches Meeresmuseum

Bereits der Eintritt ins Foyer, bei dem die riesigen Skelette von Finn- und Pottwal nicht zu übersehen sind, markiert eindrucksvoll den Übergang in andere Welten. Dass für den Nachwuchs dabei ein eigener Audioguide im Angebot ist (mit Jaques, dem Taucher), erhöht den Wissensspaß ungemein. Den Kindern machen vor allem die imposante Pinguin-Anlage auf der Dachterrasse mit Blick über die Stralsunder Altstadt und die über 50 Aquarien gute Laune. Das größte Becken mit einer über 50 Quadratmeter großen Panoramascheibe vermittelt den Eindruck, als tauche man wirklich selbst ein ins wilde, unbekannte Meerwasser: Rochen und Haie lassen sich blicken, schillernde Fischschwärme schwimmen nah an uns vorbei.

Humboldtpinguin auf der Dachterrasse des Ozeaneumk in Stralsund
Neben den Humboldt-Pinguinen erwartet die Gäste ein besonderer Ausblick über die Stralsunder Altstadt © TMV/Kirchgessner

Geschafft und glücklich verlassen wir nach langen und gleichzeitig doch viel zu kurzen Stunden das Ozeaneum. Wie hat uns doch Dr. Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, zum Abschied der Audioguide-Tour mit auf den Weg gegeben: „Nicht alles hier ist an einem Tag zu erkunden, kommen Sie gerne wieder!“ Eine Bitte, der wir unbedingt Folge leisten werden.

Titelbild: Das Tunnelaquarium „Helgoland“ im OZEANEUM Stralsund fasst 200 000 Liter Wasser © TMV/Krauss

Weitere Artikel aus Mecklenburg-Vorpommern