Dürfen wir vorstellen?

Die Rheinland-Pfälzer würden das niemals laut sagen, aber natürlich wissen sie, dass sie in einem sehr schönen Bundesland zuhause sind. Aber ja! Um das nachvollziehen zu können, genügen schon ein paar Stunden hier. Auf einem Wanderweg hoch über Ahr und Mosel zum Beispiel. Oder auf einem der historischen Marktplätze, in Trier oder Mainz. Hinter alten Mauern im Speyerer Dom, im Kloster Maria Laach oder auf dem Hambacher Schloss, einer Wiege der deutschen Demokratie. Auch auf dem Wasser kann Rheinland-Pfalz einen ganz leicht bezirzen: Wer mit einem Ausflugsschiff von Mainz aus den Rhein hinunter fährt, sieht innerhalb weniger Stunden mehr Burgen als sonst in einem halben Leben, und Fachwerkorte, und steile Weinberge, und vielleicht ja sogar die Loreley, die angeblich ja noch immer dort oben auf ihrem Felsen hoch über dem Fluss sitzt und sich sich das blonde Haar kämmt.

Der zweite Namensteil von Rheinland-Pfalz ist ebenfalls eine bezaubernde Urlaubsregion. Man nennt die Pfalz ja gelegentlich auch die Toskana Deutschlands. Und tatsächlich kann es passieren, dass man nach einem wunderbarem Essen abends im Hof eines Weinguts sitzt, und vor einem violetten Abendhimmel staffeln sich die sanften Hügel Richtung Horizont, und es sieht dann ein bisschen so aus wie in Italien – und es duftet auch so. Nun grenzt die Pfalz aber zuallererst einmal an Frankreich, und von dort haben sich schon vor Jahrhunderten eine Art Gemütsruhe und ein gewisses Laissez-faire über die Grenze ins Gengut gemogelt. Man lässt sich hier so schnell nicht aus der Ruhe bringen. Man genießt lieber. Das Essen. Den Wein.

Überall, wirklich überall ist das Bundesland dabei bodentief von Hochkultur durchdrungen. Unter dem Motto “Schatzkammer Rheinland-Pfalz – Auf den Spuren gekrönter Häupter” erfährt der Reisende von alten Legenden und Sagen, von Kaisern und Königen aus längst vergangener Zeit. Kann in trutzigen Burgen und verzauberten Schlössern auf Zeitreise gehen. Und lernt dabei schnell, dass dieses Land nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den mystischsten Region der Republik zählt.

Dazu kommt stets eine tief verwurzelte und manchmal kaum zu bändigende Lebensfreude. Es wird viel und beinah ständig gefeiert in Rheinland-Pfalz. Nicht bloß bei der weltberühmten Fastnacht in Mainz, sondern das ganze Jahr über, auf hunderten Jahrmärkten und Festivals und Weinfesten. Der Bad Dürkheimer Wurstmarkt ist – trotz seines irreführenden Namens – sogar das größte Weinfest der Welt. Aber das würden die Rheinland-Pfälzer niemals laut sagen. Was wir in diesem Jahr feiern können, findet ihr aktuell immer hier: www.gastlandschaften.de

Kurz & Knackig

Mit seinen knapp 20.000 Quadratkilometer Fläche liegt Rheinland-Pfalz beim Ländergrößenvergleich irgendwo in der Mitte: fünf Bundesländer sind größer, die anderen kleiner. 4,1 Millionen Einwohner leben vor allem in kleineren Städten, Orten und Dörfern: Außer der Landeshauptstadt Mainz (ca. 220.000 Einwohner), Ludwigshafen (ca. 170.000), Koblenz (ca. 115.000) und Trier (ca. 110.000) gibt es keine größeren Städte. Die berühmteste Vergangenheit hat Trier, das im 4. Jahrhundert Regierungssitz des Römischen Reiches war – von Augusta Treverorum aus herrschten mehrere Kaiser über weite Teile der damals bekannten Welt. Die Römer waren es dann auch, die den Weinbau ins Land gebracht haben. Heute werden auf 64.000 Hektar Anbaufläche vor allem Weißweine angebaut. Rund 10.000 Weinbaubetriebe im Land produzieren jährlich mehr als fünf Millionen Hektoliter Wein. Über 90 Prozent aller aus Deutschland exportierten Weine kommen aus Rheinland-Pfalz.

Außerdem gibt es sehr viel Natur. Die weiten Ebenen des Westerwalds, die rauen Landschaften der Eifel und die sanft geschwungenen Hügelketten des Hunsrücks sind beliebte Erholungsgebiete der Rheinland-Pfälzer und attraktive Urlaubsregionen für alle anderen. In keinem anderen Bundesland gibt es so viel Wald (42 Prozent der Landesfläche), was Rheinland-Pfalz zu einem beliebten Ziel für Wanderer und Mountainbiker macht. Der Pfälzerwald ist sogar eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Und wahrscheinlich das einzige, in dem es über hundert bewirtschaftete Wanderhütten gibt.

Und sonst so? Der Speyerer Dom, die römischen Baudenkmäler in Trier (mit dem Dom und der Liebfrauenkirche), das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz sowie die Reste des römischen Limes gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit. Bei Besuchern besonders beliebt ist die 85 Kilometer lange Deutsche Weinstraße.

Herr Ober!

In Rheinland-Pfalz war man schon immer innovativ an Herd und Backofen: Von hier stammt nicht nur der legendäre Saumagen, sondern auch der mindestens ebenso berühmte Toast Hawaii. Den hat der Westerwälder Clemens Wilmenrod erfunden, Deutschlands erster Fernsehkoch. Auch dubiose Klassiker wie das Arabische Reiterfleisch und die Gefüllte Erdbeere stammen aus seiner Küche, berühmt aber wurde er mit seiner schnell zubereiteten Toastbrot-Käse-Schinken-Ananas-Kombination. Es ist in Rheinland-Pfalz übrigens nicht ungewöhnlich, mit Südfrüchten zu kochen. In den südlichen Regionen des Landes werden Zitronen, Kiwis und Melonen angebaut und haben schon früh von dort ihren Weg in die junge, pfiffige Landesküche gefunden.

Traditionell dominiert natürlich wie fast überall in Deutschland die Kartoffel, die gerne zu Klößen verarbeitet wird, zu Herzdriggerte zum Beispiel oder zu Hoorige Knepp. Besonders beliebt sind die Kleeß aus dem Hunsrück. Vor allem in der Pfalz wird auch viel mit Esskastanien gekocht; die heißen hier Keschde und werden als Beilage serviert oder als süßer Kastanienpudding zum Dessert. Im Frühherbst wartet alles auf den jungen Wein, den Federweißer (der tatsächlich so heißt, mit einem r am Ende), zu dem Zwiebelkuchen gegessen wird. International bekannt ist besagter Saumagen (gesprochen: Saumaache), bei dem Schweinefleisch, Brät und Kartoffel in einem Schweinemagen gegart werden, gewürzt mit Majoran, Thymian, Pfeffer, Piment und Lorbeer. Als der Pfälzer Helmut Kohl Bundeskanzler war, hat er Reagan, Thatcher, Gorbatschow und alle anderen immer gern zum Saumagenessen nach Deidesheim geschleppt. Angeblich gibt es nirgendwo besseren.

Und dann ist da noch der Döppekooche, für den Kartoffeln, Zwiebeln, Eier, Dörrfleischwürfel und Gewürze gemischt und in einem Bräter im Ofen gebacken werden. Früher war der Döppekooche das St.-Martins-Essen der armen Leute, die sich keine Gans leisten konnten. Gegessen wird er bis heute vor allem in den nördlichen Landesteilen, wo er von Ort zu Ort und Dorf zu Dorf unterschiedlich genannt wird: Debbekooche (in Koblenz), Debbedotz (in Lahnstein), Kulles (in Boppard-Holzfeld), Schorreles (im Hunsrück), Dutsch, Datschert oder Datschi (im Westerwald) – ach, man könnte ein Wörterbuch über den Döppekooche schreiben. Erbelskoche! Puttes! Flennes! Uhles! Kesselskooche! Säfeknelles!

Übrigens, damit da kein falscher Eindruck entsteht: Rheinland-Pfalz kann natürlich auch Haute Cuisine. Jede Menge Spitzen- und Sterneköche sorgen für Hochgenuss. So hat der Gourmet-Führer Gault & Millau jüngst das Purs in Andernach zum Aufsteiger des Jahres in der deutschen Gastronomie gekürt. Das Waldhotel Sonnora in Dreis (Kreis Bernkastel-Wittlich) wird mit drei, vier weitere Häuser des Bundeslands sind mit zwei Michelin-Sternen geehrt.

Und dass rheinland-pfälzische Winzer neben Quantität – immerhin befinden sich sechs der zehn deutschen Weinregionen in Rheinland-Pfalz – auch erstklassige Qualität produzieren, kann man in den schönen Weingütern und Vinotheken erleben. Schon die Architektur der Anlagen machen den Besuch zum Erlebnis. Aber auch ihre Einbettung in die Landschaft – man denke etwa an die steilen Weinhänge, die sich entlang von Rhein und Mosel durch die Täler ziehen – machen den Besuch zum Erlebnis. Hier lassen sich hiesige Spitzenweine auf angenehmste Weise probieren – und natürlich auch als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Sprache

Man ahnt das mittlerweile vielleicht schon: Wahrscheinlich gibt es kein Bundesland, in dem so komplett unterschiedliche Dialekte gesprochen werden wie in Rheinland-Pfalz. Wenn man einen Westerwälder (Wäller) und einen Pfälzer (Pälzer) an einen Tisch setzen und auffordern würde, sich in ihrem Dialekt zu unterhalten, müsste man einen Dolmetscher anfordern.

Der Dialekt des Nordens ist Mittelfränkisch, das sich für den Laien wie Kölsch anhört. An der Mosel, am Mittelrhein, hinüber zur Sieg und in Teilen des Westerwaldes ist es Moselfränkisch. Im Süden von Rheinland-Pfalz wird mehr Pfälzisch als Hochdeutsch gesprochen, dazu zählt auch Rheinhessisch. Das kennt man auch im übrigen Deutschland, aus „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“.

Ein paar Grundregeln: In der Pfalz wird der oder die gerne durch ein genderneutrales wo ersetzt: „Du bisch de äänzisch wo Zeit fa misch hat“ heißt soviel wie: Du bist der/die einzige, die Zeit für mich hat. Eine Unterscheidung zwischen weichen und harten Konsonanten findet in der Regel nicht statt: p wird zu b und b wird zu p, g wird zu k und k zu g, und d und t werden selbstverständlich ebenfalls vereinheitlicht. Eine Aussage wie „Isch hab en Änser in Madde“ zeigt auch den eher lockeren Umgang mit ch und sch, Kirchen und Kirschen sind in Rheinland-Pfalz sprachlich ein- und dasselbe. Irgendwo in der Landesmitte verläuft die mystische dat-wat-Linie; jenseits dieser wird aus jedem das ein dat und aus jedem was ein wat (dass darüber hinaus jedes es zu einem et wird, hat nicht mehr in den Namen gepasst…) Und als ob das alles nicht schon kompliziert genug wäre, hat auch die französische Besatzungszeit in einigen Regionen sprachlich Spuren hinterlassen. Dort heißen die Gehwege Trottwar (Trottoir), die Bettdecken Plümmoh (Plumeau) und breite Straßen Schosseeh (Chaussée).

Na dann: Adschee! (Adieu!) – und bis bald in Rheinland-Pfalz.

Titelbild: Weitsicht über die Moselschleife bei Cochem © Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Dominik Ketz