Nach dem Willen von Kirche und Kaiser sollte Martin Luther 1521 seine Lehren auf dem Reichstag zu Worms widerrufen. Er weigerte sich und verwies auf Bibel, Verstand und Gewissen. Ein Ereignis, das die Welt veränderte und 500 Jahre später Anlass für das große Reformationsjubiläum ist.

Nur wenige Schritte vom belebten Wormser Marktplatz entfernt, in direkter Nachbarschaft zum Dom, befindet sich der wunderschöne Heylshof-Park. Ein romantischer Landschaftsgarten mit altem Baumbestand, Putten und Wasserspielen. Doch wo heute friedliches Flair herrscht, wurde Martin Luther einst als vogelfrei erklärt. Hier befand sich nämlich im Mittelalter der Bischofshof. Jenes Gebäude, in dem der Augustinermönch am 18. April 1521 im Rahmen des Reichstages zu Worms mutig seinen Standpunkt vertrat und den Widerruf seiner Lehren verweigerte – eine dramatische Szene, die als  „Wormser Edikt“ in die Geschichte einging. 

Hier stehe ich

Kurz zur Erinnerung: Martin Luther protestierte gegen viele Anweisungen des Papstes. Vor allem die Ablassbriefe, die es Christen ermöglichten, sich von Sünden freizukaufen, wollte er abschaffen. Seine Gedanken formulierte der Theologe aus Wittenberg 1517 in 95 Thesen, die sich in Windeseile verbreiteten. Fünf Jahre später dann die Aufforderung von Kirche und Kaiser, sich von den als ketzerisch verurteilten Schriften öffentlich zu distanzieren. Es kam bekanntermaßen anders: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Mit diesen viel zitierten Worten soll Martin Luther laut Überlieferung seine Rede, in der er sich auf Bibel, Verstand und Gewissen berief, beendet haben. Fakt ist, fortan nahm die Reformation ihren Lauf.

Ein historisches Ereignis, das sich in 2021 zum 500. Mal jährt – Anlass für ein großes Jubiläumsprogramm. Und so widmet Worms jenem Mann zahlreiche Veranstaltungen, der in dieser Stadt trotz Todesgefahr entschlossen für seine Ideale eintrat. Etwa die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“, in der es zum einen um Bedeutung und Mythos des Wormser Auftritts geht, zum anderen allgemein um das Thema „Gewissensfreiheit“.  Vorgestellt werden Persönlichkeiten mit Mut und Zivilcourage, darunter die junge Sophie Scholl, Nelson Mandela oder Georg Büchner  (3.07. – 30.12.2021, museum-andreasstift.de). 

Ein weiterer Höhepunkt: die Uraufführung „Luther“ am Originalschauplatz vor dem Wormser Dom. Erstmals steht bei den Sommerfestspielen nicht die Geschichte der Nibelungen im Zentrum, sondern der Reformator. Geschrieben hat das Stück einer der profiliertesten deutschsprachigen Dramatiker: der Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss. (17.07. – 1.08.2021, nibelungenfestspiele.de).  Mehr Infos dazu hört ihr im Podcast mit Nico Hofmann, dem Intendanten der Nibelungen-Festspiele.

Zurück zum Heylshof-Park – er ist mit dem Schlossplatz einer von fünf Schauplätzen des „Luther-Rundgangs“ in der Innenstadt. Inmitten der grünen Oase steht die Bronzeskulptur „Die Großen Schuhe Luthers“. Die sind tatsächlich ein paar Nummern größer, sodass jeder hineinschlüpfen kann – als Symbol der Standhaftigkeit. Von hier verläuft außerdem ein Bildungs- und Erlebnisparcours, auf dem man von Mai bis Oktober entlang mehrerer künstlerisch gestalteter Stationen Martin Luthers zehntägigem Aufenthalt in Worms nachspüren kann. Und natürlich gehört zum Besuch in der rheinland-pfälzischen Stadt auch ein Selfie vor dem Lutherdenkmal, eines der weltweit größten Reformationsmonumente. In der Mitte steht Luther auf einem hohen Sockel und legt in Anspielung auf den Wormser Reichstag eine Faust auf die Bibel. 

Made in Mainz

Ein Jahr nach Martin Luthers Widerrufsverweigerung in Worms ging das von ihm ins Deutsche übersetzte Neue Testament in Druck und wurde massenhaft verbreitet. Möglich machte das Johannes Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern. Diese technische Innovation made in Mainz revolutionierte 1450 die Buchproduktion – und legte den Grundstein dafür, dass 75 Jahre später jeder – vom Adligen bis zum Bauern – Zugang zur Bibel hatte. Damit die Menschen auch wirklich verstanden, was sie da lasen, erlaubte sich Luther ein wenig kreative Freiheit und benutzte eine sehr bildhafte Sprache: nach dem Motto „dem Volke aufs Maul schauen“. Übrigens, in der Luther-Bibliothek in Worms, in der mehr als 650 Druckschriften aus der Reformationszeit untergebracht sind, befindet sich auch eine Pergamentbibel von 1541 – mit einem handschriftlichen Eintrag des Reformators! 

In Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Für einen Urlaub in Rheinland-Pfalz gibt es viele gute Gründe. Einige davon sind die etlichen Schlösser und Burgen, tolle Weinberge an Mosel und Rhein und historische Städte wie Trier und Mainz.

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