Niemand muss dem Adel abstammen, um sich hier wie am Hofe zu fühlen. Wir stellen vier von vielen fürstlichen Residenzen in Nordrhein-Westfalen vor, die zum Lustwandeln einladen.

1

Barocker Schönheitsfleck: Wasserschloss Nordkirchen

Im Norden des Nordkirchener Schlosses liegt die Venusinsel, das neobarocke Schmuckstück der Anlage. Für den Inselgarten und die Skulpturen zuständig war der berühmte französische Gärtner Gartenkünstler Achille Duchene © Foto Oliver Franke, Tourismus NRW e.V.

Was für ein Spektakel: 1719 erstrahlt über Schloss Nordkirchen das erste private Feuerwerk; so etwas hatte es bis dahin in Westfalen nicht gegeben! Klotzen statt kleckern – das war auch die Devise in den über drei Jahrzehnten, die es brauchte, diese Barockresidenz zu erstellen. Die Unesco hat sie zu einem „Gesamtkunstwerk von internationalem Rang“ erklärt.

Wer das rund 30 Kilometer südlich von Münster liegende Wasserschloss besucht, durchquert drei Tore, flankiert von Löwenskulpturen, die Wappen der einstigen Eigentümer-Familien Plettenberg und Westerholt-Lembeck halten. Die Innenräume, die ihr im Rahmen einer Führung besichtigen könnt, sind weitgehend originalgetreu erhalten: mit kostspieligen Stukkaturen, Deckengemälden, Holzschnitzereien, Büsten und Lüstern. Ein wahres Schmuckstück ist die Kapelle Mariä Himmelfahrt, in der bis heute Trauungen stattfinden. Und der Schlosspark? Ein einziger Schönheitsfleck auf 172 Hektar, mit Alleen und Achsen, Beeten, Brunnen und Buchsbaumhecken. Westfalen grüßt Versailles.

Und so kommt ihr mit Bus und Bahn zum Schloss Nordkirchen: Anreise planen.

2

Romantische Kulisse: Schloss Drachenburg

War es ein Burgfräulein, dem Baron Stephan von Sarter 1882 dieses rapunzelartige Ensemble widmete? Es bleibt ein Geheimnis, aber die märchenhafte Kulisse ist wie gemacht für einen romantischen Ausflug nach Königswinter zu Schloss Drachenburg. Schon bei der Fahrt hinauf zum bekanntesten Gipfel des Siebengebirges, dem Drachenfels, hüpft das Herz: Deutschlands älteste Zahnradbahn von 1883 chauffiert euch Richtung rosarote Wolken. An der Mittelstation heißt es aussteigen; dort thront die neogotische Anlage mit weitläufigem Park und lauschigen (Picknick-) Plätzen. Empfangen von zwei goldenen Hirschen betretet ihr das Schloss und werft auf einer zweistündigen Führung einen Blick hinter das alte Gemäuer. Vorbei an kunstvollen Wand- und Glasmalereien geht’s auf die Terrasse mit Aussicht auf den Rhein: Das dicht bewaldete Siebengebirge und selbst der Kölner Dom zeigen sich in weiter Ferne. Noch beeindruckender ist das Panorama oben auf dem Drachenfelsplateau, wo ihr euch im gläsernen Bistro für den einstündigen Spaziergang zurück ins Tal stärken könnt.

Und so kommt ihr mit der Bahn nach Königswinter: Anreise planen.

3

Prominentes Parkett: Schloss Augustusburg

Ob Nelson Mandela, Papst Johannes Paul II, Michail Gorbatschow oder Queen Elisabeth II. – sie alle waren schon zu Gast auf Schloss Augustusburg, dem Promi unter Deutschlands Prachtbauten. Rund 50 Jahre diente das in Brühl nahe Köln gelegene Weltkulturerbe als repräsentativer Ort für Staatsempfänge der jungen Bundesrepublik. Dabei bildete das Prunktreppenhaus der einstigen Sommerresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August den festlichen Rahmen – und war Laufsteg der Hautevolee. Üppig, verschwenderisch und elegant wie die Konstruktion des Barock- und Rokokomeisters Balthasar Neumann kommt die Parkanlage mit ihren Fontänebecken, Spiegelweihern, Lindenalleen und Heckenquartieren daher. Gartenstars wie Dominique Girard und später Peter Joseph Lenné legten hier Hand an. Nach einem kurzen Spaziergang erreicht ihr das am Rande eines abgeschiedenen Wäldchens gelegene Schloss Falkenlust, von Kurfürst Clemens August für seine Falkenjagd errichtet. Sehenswert sind dort die aufwändig ausgestatteten Kabinette, die bereits 1763 der junge Mozart bewunderte. Hier könnt ihr euch das Schloss Augustusburg in einem 360°-Rundgang anschauen.

Und so kommt ihr mit der Bahn nach Brühl: Anreise planen.

4

Urbanes Juwel: Schloss Benrath

Schloss Benrath wurde 1770 von Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach als Jagd- und Lustschloss erbaut, doch offenbar hatte der Mann seine Kräfte überschätzt: Angeblich war er nur einmal im Schloss – etwa 12 Kilometer vom Zentrum Düsseldorfs entfernt – zu Besuch. Der Schlosspark ist laut WDR der beliebteste Park des gesamten Bundeslandes © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH

Obwohl nur 15 Autominuten von Düsseldorfs Zentrum entfernt, liegen Welten zwischen der City und Schloss Benrath: dort der Trubel von Kö & Co., da nichts als Ruhe, Weite und Wasser. Schwäne ziehen mit aristokratischer Haltung ihre Bahnen im See, in dem sich die pastellrote Fassade der 1775 im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz errichteten Anlage spiegelt. Eine Oase, mit ausgedehntem Waldpark, der fast bis zu den Ufern des nahegelegenen Rheins führt. Hinter dem ebenso harmonischen wie raffiniert konzipierten Schloss-Ensembles mit Kavaliersgebäuden, Gärten und Alleen, Weihern und Kanälen steckt Baumeister Nicolas de Pigage. Er ordnete jedem Raum im Inneren eine Grünfläche in der Außenanlage zu. So bezieht sich der englische Garten mit seltenen Bäumen auf den Privatbereich des Kurfürsten; das französische Arrangement mit Wasserspielen und Blumenrabatten wird vom Interieur der Zimmer seiner Gattin aufgegriffen. Heute befindet sich im Ostflügel das „Museum für Europäische Gartenkunst“, im Westflügel das „Museum für Naturkunde“.

Und so kommt ihr mit der Bahn zum Schloss Benrath: Anreise planen.

Titelbild: Das barocke Wasserschloss Nordkirchen im Münsterland wird auch „Das Westfälische Versailles“ genannt. Allerdings hat's kein parfümierter Sonnenkönig begründet, sondern der brave Gerhard III von Morrien, und zwar schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts © Oliver Franke, Tourismus NRW e.V

Weitere Artikel aus Nordrhein-Westfalen