Wo sich der Wald lichtet und die Sicht nach oben hin freigibt, tut sich ein gewaltiger Anblick auf. Nachts zeigt sich im Land ein gewaltiges Sternenzelt – wer das einmal gesehen hat, wird es wohl nie wieder vergessen. Doch auch auf dem Boden gibt es in ganz Mecklenburg-Vorpommern viel Spannendes und Schönes zu sehen, vor allem bei Dämmerung oder Dunkelheit – hier einige Beispiele.

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Blick zum Mann im Mond

Der Himmel über Mecklenburg-Vorpommern ist über dem Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide in der Mecklenburgischen Seenplatte weitgehend frei von Lichtverschmutzung, es gibt also kein künstliches Licht, das den Blick auf die Sterne stört. So können Naturfreunde ungehindert über das gewaltige Sternenzelt staunen, das sich funkelnd am Firmament aufspannt. Mit bloßem Auge kann man die Milchstraße oder die Krater des Mondes bewundern, was so in Deutschland kaum anderswo möglich ist.

Darum arbeitet der Naturpark derzeit an einer Zertifizierung als Sternenpark (ein speziell ausgewiesenes Gebiet mit einer natürlichen Nachtlandschaft und sternreichem Himmel). Genau wie das Mecklenburger ParkLand rund 60 Kilometer nordöstlich – dort entsteht unter anderem ein Astrolehrpfad mit sechs thematischen Himmels- und Naturbeobachtungsstationen.

So kommt ihr mit Bahn und Bus zum Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide: Anreise planen.

Das Himmelszelt über Mecklenburg-Vorpommern glitzert und funkelt, dass es nur so eine Pracht ist © Montage: TMV/Kirchgessner, Evelin Kartheuser, Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide
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Auf Fledermaus-Jagd

Heute Nacht sind nicht nur die Tiere des Waldes aktiv. Eine kleine Gruppe mutiger Menschen ist seit Einbruch der Dämmerung unterwegs, streift durch das dunkle Dickicht des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. Dabei gilt die Neugier der Naturfreunde geflügelten Wesen der Nacht, um die sich zahllose Mythen weben. Fledermauswanderungen sind schwer beliebt, es gibt sie im Bundesland auch an anderen Orten, etwa als „Bat Night“ in Hohenwoos bei Ludwigslust oder bei der Internationalen Fledermausnacht im Naturerbe Zentrum Rügen.

Die Microchiroptera (Fledermäuse) gelten im Volksmund als gefährliche Blutsauger, wurden im Mittelalter gejagt. Allerdings nähren sich nur die Vampirfledermäuse ausschließlich vom Blut anderer Lebewesen, und die kommen hier in Norddeutschland ganz sicher nicht vor. Wohl aber die 17 anderen Arten (von insgesamt etwa 1.000), die im Naturpark leben und sich überaus nützlich machen. Sie schützen die Flora vor Schädlingen und vertilgen Berge von Mücken, wofür die Gruppe der Fledermausjäger heute Nacht überaus dankbar ist.

So kommt ihr mit Bahn und Bus zum Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide: Anreise planen.

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Besuch im Bärenwald

Sogar Bären lassen sich in Mecklenburg-Vorpommern in einem natürlichen Lebensumfeld bewundern, wenn auch im Rahmen eines Projekts. Als Westeuropas größtes Bärenschutzzentrum liegt der Bärenwald Müritz im Herzen der Seenplatte. Dort finden die mächtigen Raubtiere, die aus prekären Situationen gerettet wurden, einen artgerechten Lebensraum. Für Besucher sind die Tiere am besten in der Abenddämmerung zu sehen – zauberhafte Momente, wenn die Tiere baden, toben oder ausspannen.

So kommt ihr mit Bahn und Bus zum Bärenpark Müritz: Anreise planen.

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Tanz der Kraniche

Die Tierwelt Mecklenburg-Vorpommerns ist wahrlich vielfältig, nicht nur Fledermäuse und Bären locken Naturfreunde zu ungewöhnlichen Zeiten ins Grüne. So ist es ein unvergessliches Schauspiel, wenn die Kraniche zweimal im Jahr auf der weiten Reise vom und in den Süden für einige Zeit Rast machen in den flachen Bodden- und Seengewässern des Bundeslands – einmalig der Anblick der eleganten Vögel, wenn sie abends vor dem rot leuchtenden Sonnenuntergang zu ihren Schlafplätzen in den stehtiefen Bodden- und Seengewässern fliegen.

So kommt ihr mit Bahn und Bus an die Boddengewässer: Anreise planen.

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Hirschbrunft im Darßwald

Bei einer geführten Exkursion durch den verwunschenen Darßwald am nördlichsten Zipfel von Fischland-Darß-Zingst kann man speziell bei Dämmerung Hirsche in freier Wildbahn sehen. Ein besonderes Schauspiel ist dabei im Herbst die Rotwildbrunft, die vom lautstarken Röhren der Hirsche begleitet wird. Besonders zur Dämmerung werden die mächtigen Rothirsche aktiv und werben um die Gunst der Weibchen. Ziel der Exkursion ist die Dünenlandschaft bei der Aussichtsplattform am Darßer Ort – von dort aus hat man einen großartigen Blick auf die einzigartige Naturlandschaft der Kernzone. Und: Neben der Tier- wird auch die vielfältige Pflanzenwelt in diesem Gebiet erklärt. Geleitet wird die Führung durch einen erfahrenen Nationalpark-Ranger.

So kommt ihr mit Bahn und Bus an die Dünenlandschaft: Anreise planen.

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Im Mondschein unterwegs

Auch sonst gibt’s in Mecklenburg-Vorpommern jede Menge weitere Attraktionen bei Dunkelheit. Geführte Mondscheinwanderungen zum Jagdschloss Granitz etwa, das im Wald hoch über dem Badeort Binz auf Rügen liegt. Jeden Donnerstag „Neustrelitz bei Nacht“, einen 90-minütigen Rundgang durch die beleuchtete Residenzstadt. Die lange Nacht der Kunst im August im Künstlerdorf Ahrenshoop. Und noch vieles mehr.

Aber wo ist es am schönsten, wenn die Nacht endet und die Sonne über den Horizont blinzelt? Viele meinen, dass man diesen magischen Moment am besten auf Rügen erlebt, und zwar im Nationalpark Jasmund im nordöstlichen Teil der Insel. Dort geht man zur Morgendämmerung mit der Taschenlampe durch den Wald zum Nationalpark-Zentrum Königsstuhl – und genießt von der berühmten, 118 Meter hohen Kreideklippe den traumhaftesten Sonnenaufgang über der Ostsee.

So kommt ihr mit der Bahn zum Nationalpark Jasmund: Anreise planen.

Zum Jagdschloss Granitz auf Rügen gibt es geführte Mondscheinwanderungen © Mirko Boy/ruegenfotos.de

Titelbild: Nachts kann man in Mecklenburg-Vorpommern bis zur Milchstraße sehen – einfach so, mit bloßem Auge © TMV/Gänsicke