Aus den Dünen ragt ein UFO-förmiger Turmbau empor, an der Strandpromenade nebenan leuchten weiße Prachtbauten im Zuckerbäckerstil. Schöne Stadtkerne sind durch prunkvolle Handelshäuser und monumentale Backsteinkirchen geprägt, an der Ostseeküste kuschelt man sich ein unter Reet und in der Mecklenburgischen Schweiz wird man zum Schlossherren auf Zeit. Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern – zu einer Reise auf den Spuren der Baukunst zwischen Ostsee und Seenplatte.

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Schlösser und Herrenhäuser

Auf einer Insel mitten im Herzen von Schwerin steht ein wahrhaftiges Märchenschloss: In seiner heutigen Form ab 1843 errichtet, ist es mit seinen goldenen Türmen und Türmchen das Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Dabei ist Schloss Schwerin nur eins von vielen herrschaftlichen Anwesen in Mecklenburg-Vorpommern. Schloss Bothmer nahe bei Klütz mit seinen blühenden Parkanlagen, das Jagdschloss Granitz in lichter Höhe über den grünen Wäldern der Insel Rügen, romantische Gutshöfe im Peenetal, prunkvolle Bauten in Güstrow und Ludwigslust oder Schloss Mirow in der Mecklenburgischen Seenplatte, all das sind weitere Highlights unter den rund 2.000 Schlössern und Herrenhäusern des Bundeslands. Egal ob im Stil von Barock, Klassizismus oder Renaissance, ob einsam im Grünen oder inmitten der Städte gelegen, sie alle lohnen ein Besuch. Nicht weniger als 300 dieser Anlagen dienen auch als Museum, Restaurant oder Veranstaltungsort. Und wer sich dann gar nicht wieder losreißen kann, darf in etlichen Anwesen auch übernachten.

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Welterbe und Backsteingotik

Ihre Wände bestehen aus gebrannten Lehmziegeln, sind meist leuchtend rot und man findet sie auf Schritt und Tritt in Mecklenburg-Vorpommern. Trutzige Handelskontore, elegante Bürgerhäuser, mächtige Kirchen, Burgen und Schlösser, sie alle sind imposante Zeugnisse der Backsteingotik. Die mittelalterlichen Bauwerke standen einst für Reichtum und Macht von Kirche, Adel und Hanse. So prägt das Rathaus mit prächtiger Fassade und sieben behelmten Türmen den historischen Kern von Stralsund, die Altstadt von Wismar repräsentiert die Blütezeit der Hanse im 14. Jahrhundert – kein Wunder, dass beide Altstädte zum UNESCO-Welterbe zählen. Hunderte weitere solcher Orte werden durch verschiedene Routen der Backsteingotik verbunden – die weiteste reicht hinaus bis nach Russland und Dänemark. 

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Bäderarchitektur und Seebrücken

Sie stehen in den schönen Badeorten der Ostseeküste, heißen Strandhaus Belvedere, Villa Meeresgold oder Pension am Klünderberg, haben meist schneeweiße Fassaden voller Balkone, Erker und Türmchen und sehen aus wie vom Zuckerbäcker gemacht. Die Häuser und Hotels im Stil der Bäderarchitektur wurden meist zwischen 1800 und 1920 gebaut. Auf den Inseln Rügen und Usedom, aber auch anderswo in Mecklenburg-Vorpommern prägen sie das Bild der Ferienorte und Strandpromenaden, Werke mutiger Architekten, die der Nachwelt prachtvolle Villen hinterließen. Die 17 großen Seebrücken des Bundeslands stehen dem übrigens in Nichts nach, sind oft mit fantasievollen Aufbauten geschmückt – die längste ragt in Heringsdorf 500 Meter weit in die Ostsee.

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Reetdachhäuser & Darßer Türen

Der Kunstkaten in Ahrenshoop ist eine der ältesten Galerien in Norddeutschland, leuchtend Blau gestrichen und in traditioneller Bauweise erbaut. Man findet sie ohne Ende in Mecklenburg-Vorpommern: Große und kleine Anwesen mit einem Reetdach, das das Haus quasi wie eine wärmende Mütze schützt. Die Schilfrohr-Eindeckung zählt zu den ältesten Dachkonstruktionen der Welt, ist teuer in Herstellung und Erhaltung, sorgt aber für ein hervorragendes Raumklima und ist zudem unglaublich gemütlich. Reetdachhäuser auf dem Darß werden dabei oft von sogenannten Darßer Türen geschmückt, hölzerne Eingänge, deren bunte Bemalung der Legende nach vor Feuer und Zauberei schützt – und Seeleuten eine glückliche Heimkehr sichern soll. 

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Mutige Müther-Bauten

Sie haben schwungvolle, filigrane Formen, sehen mal aus wie ein Taucherhelm, mal wie ein Teepott oder wie eine Flosse vom Walfischschwanz, bilden ein Stück DDR-Architekturgeschichte ab und ihr Erbauer stammt von der Insel Rügen. Die utopisch wirkenden „Hyperschalen“ des Binzer Landbaumeisters Ulrich Müther (1934–2007) sind so ganz anders als die dort dominierende Bäderarchitektur. Rund 55 Gebäude wurden auf diese Art im In- und Ausland errichtet. 19 davon standen und stehen auf Rügen, weitere finden sich unter anderem in Schwerin, Rostock und in Warnemünde. Am bekanntesten ist sein 1981 erbauter Rettungsturm in Binz am Strandzugang 6 – das UFO-förmige Werk wurde jüngst saniert, und heute kann man dort heiraten.

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Titelbild: Zu den markantesten Bauten in Mecklenburg-Vorpommern gehört das klassizistische Schloss Ludwigslust © TMV/Allrich