Vom prachtvollen Naumburger Dom bis hin zum verzauberten Gartenreich Dessau-Wörlitz: Sechsmal hat die UNESCO in Sachsen-Anhalt den begehrten Titel „Welterbe“ vergeben, mit dem Objekte von einmaliger historischer Bedeutung geehrt werden und die Besucher aus aller Welt anziehen. Aber auch sonst haben 7000 Jahre Geschichte vor Ort unzählige Spuren hinterlassen. Manche aus ganz alter und manche aus jüngerer Zeit, einige mehr und andere weniger berühmt, aber alle absolut sehenswert – hier fünf ganz besondere Tipps für Kultur-Reisende.

Halle (Saale)

Die mit knapp 240.000 Einwohnern größte Stadt des Bundeslandes liegt im Süden von Sachsen-Anhalt am Nordwestrand der Leipziger Tieflandsbucht. Halle rühmt sich einer Vielzahl von bedeutenden kulturellen und musealen Einrichtungen.

Wittenberg

Die Lutherstadt liegt an der Elbe zwischen Dessau-Roßlau im Westen, dem Fläming im Norden, der Dübener Heide im Süden und dem Elbe-Elster-Land im Osten, knapp 100 Kilometer südwestlich von Berlin. Sie zählt gut 45.000 Einwohner.

Wernigerode

Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt an der Nordostflanke des Harzes, etwa 12 km ostnordöstlich des Brockens. Der gut 32.000 Einwohner zählende Ort wird nach Hermann Löns auch als „Die bunte Stadt am Harz“ bezeichnet.

Dessau-Roßlau

Die beiderseits der Elbe gelegene Stadt ist mit ihren 80.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Sachsen-Anhalt. Historisch war Dessau die Hauptstadt und Residenz des Fürsten- und späteren Herzogtums Anhalt-Dessau.

Diesdorf

Der 2300-Einwohner-Ort liegt in der westlichen Altmark, etwa 25 km südwestlich von Salzwedel. In der Nähe von Diesdorf befinden sich einige sehenswerte Großsteingräber.

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Audiowalk in Halle (Saale): Auf den Spuren von Lyonel Feininger

Gut zuhören – der Audioguide verrät euch viel Wissenswertes über das Wirken von Lyonel Feininger
 in Halle (Saale)
Gut zuhören – der Audioguide verrät euch viel Wissenswertes über das Wirken von Lyonel Feininger in Halle (Saale) © Jan Laurig

Wer das Audiogerät samt Karte parat und den Kopfhörer aufgesetzt hat, biegt direkt hinter der Tourist-Info am Marktplatz der schönen Stadt Halle links ein in die Gasse „Kühler Brunnen“, und der Audio-Rundgang kann beginnen. Kundig wird man nun durch Sträßchen und über Plätze zu all den Orten geführt, die der berühmte Bauhaus-Meister Lyonel Feininger (1871–1956) bei seinem Aufenthalt in Halle gemalt hat. Zwischen 1929 und ’31 schuf der Künstler im Auftrag des Bürgermeisters ingesamt elf Werke von verschiedenen Ansichten der Saalestadt, die er zuvor mit Skizzenbuch und Fotoapparat erkundet hatte – Bilder von großer Schönheit.

Vom Audioguide geleitet, erfährt man viel über den Maler und dessen Leben und Schaffen in Halle und lernt dabei Feiningers Perspektiven kennen. Stationen sind etwa die Marienkirche am Markt, der romantische Platz am Trödel, der mächtige Rote Turm mit seinem berühmten Glockenspiel und die mittelalterliche Bölbergasse. Am Ziel der Runde thront dann die alte erzbischöfliche Moritzburg, in deren Torturm der Meister einst sein Atelier hatte. Heute residiert hier das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt – drei von Feiningers Halle-Bildern sind dort zu bewundern.

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Lutherstadt Wittenberg: Asisi-Panorama „Luther 1517“

Der Beginn der Reformation – das 360°-Panorama von Yadegar Asisi erweckt diese Epoche wieder zum Leben
Der Beginn der Reformation – das 360°-Panorama von Yadegar Asisi erweckt diese Epoche wieder zum Leben © WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg, Uwe Weigel, 2020

In der Lutherstraße 42, nur ein paar wenige Fußminuten von Wittenbergs berühmter Schlosskirche entfernt, steht ein großer orangefarbener Rundbau. Der Zugang ist kostenpflichtig, aber der Eintrittspreis lohnt. Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2017 wurde hier eine meisterliche Installation eröffnet, die an den Beginn der Reformation erinnert – vor 500 Jahren hatte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483–1546) seine 95 Thesen ans Portal der Wittenberger Schlosskirche geschlagen und damit Deutschland, Europa und die Welt verändert. Dieses Ereignis wird hier aufs Eindrucksvollste sinnlich erfahrbar gemacht.

Der 1955 in Wien geborene Künstler Yadegar Asisi, Sohn persischer Eltern, ließ mit seinem 15-köpfigen Team in sechsjähriger Arbeit die aus dem 19. Jahrhundert stammende Tradition der Riesenrundbilder wieder auferstehen. Sein 15 mal 75 Meter großes, an den Wänden der Rotunde zu bewunderndes Werk zeigt 30 Jahre im Leben Luthers. Von einem zweistöckigen Turm in der Mitte des Bauwerks lassen sich die fein ausgearbeiteten Szenen des einstigen Geschehens bewundern, untermalt von Klängen des Komponisten und Pianisten Eric Babak – so wird der Besucher eindrucksvoll ins ausgehende Mittelalter versetzt.

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Schloss Wernigerode: Oper und Walpurgisfest

Wahrzeichen von Wernigerode – das gleichnamige Schloss
Wahrzeichen von Wernigerode – das gleichnamige Schloss © WTG, J. Friedrich

Gaukler und Zauberkünstler tummeln sich im Schlosshof zwischen Hexen und Teufeln, nebenan wird Bogenschießen geübt. Das ganze ist untermalt durch Klänge von Gruppen wie „Ohrenpeyn“, die auf mittelalterlichen Instrumenten wie Dudelsack, Schalmei und Trommel historischen Musikgenuss bieten. Walpurgisfeste haben im Harz eine große Tradition, die auf Schloss Wernigerode, rund 80 Kilometer südwestlich von Magdeburg gelegen, seit langem mit Hingabe gefeiert wird. Feiner geht es zu bei den Wernigeröder SchloßFestspielen – die Openair-Opernnächte auf dem historischen Hof sind weit über die Grenzen des Harzkreises hinaus beliebt.

Als mittelalterliche Höhenburg wurde die Anlage Anfang des 12. Jahrhunderts über Wernigerode errichtet, im Lauf des 16. Jahrhunderts zu einer Renaissancefestung, später zum romantischen Residenzschloss umgebaut und erhielt schließlich ab 1862 ihre heutige Form. Seit 1999 ist das Schloss als national wertvolles Kulturdenkmal anerkannt sowie Bestandteil des sachsen-anhaltischen Landesprojekts Gartenträume®. Und zeigt dabei erfrischend wenig Ehrfurcht vor so viel Ehre – so bringen alljährlich coole Bands bei der Rocknacht die Fans im Schlosshof zum Toben.

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Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau-Roßlau: Zu Besuch bei „Tante Ju“

Im Technikmuseum Hugo Junkers dreht sich alles um die Konstruktionen des Luftfahrtpioniers
Im Technikmuseum Hugo Junkers dreht sich alles um die Konstruktionen des Luftfahrtpioniers © Stadtmarketinggesellschaft Dessau-Roßlau mbH, Foto Sebastian Kaps

Wer die unnachahmliche, silberne Silhouette am Himmel sieht und das sonore Dröhnen der drei gewaltigen, je 550 PS starken Sternmotoren hört, ist hingerissen. Die Junkers Ju 52, im Volksmund liebevoll „Tante Ju“ genannt, hat Flugzeuggeschichte geschrieben. Gebaut wurde sie zwischen 1932 und 1952 in den Junkerswerken in Dessau, womit der Firmengründer, Ingenieur und Technikvisionär Hugo Junkers die industrielle Entwicklung Dessaus und des Freistaats Anhalt maßgeblich prägte. Insgesamt sind hier mehr als 4800 solcher Maschinen mit der markanten silbernen Haut aus Alu-Wellblech entstanden. Die maximal 290 km/h schnelle Tante Ju konnte bis zu 17 Passagiere befördern, galt als extrem zuverlässig und wurde weltweit im Liniendienst sowie für militärische Zwecke genutzt.

Heute existieren noch einige flugfähige Ju 52, andere sind in Sammlungen wie dem Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau-Roßlau ausgestellt. Neben dem aufwändig restaurierten Original werden hier andere spannende Exponate gezeigt, etwa das einzige noch erhaltene Ganzmetall-Versuchshaus von Prof. Junkers – seine Metallmöbel zeugen von der fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Bauhaus Dessau. Nahe der Museumshalle befinden sich zudem weitere Junkers-Bauten wie ein Windkanal oder Teile der Start- und Landebahn des ehemaligen Werkflugplatzes.

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Freilichtmuseum Diesdorf: Landleben reloaded

Freilichtmuseum Diesdorf – seit 1911 vermittelt eines der ältesten Museumsdörfer Deutschlands die Kultur und Lebensweise der Menschen in der Altmark
Freilichtmuseum Diesdorf – seit 1911 vermittelt eines der ältesten Museumsdörfer Deutschlands die Kultur und Lebensweise der Menschen in der Altmark © Freilichtmuseum Diesdorf

Willkommen zu einer Zeitreise in das Landleben früherer Generationen. Eines der ältesten Museumsdörfer Deutschlands hat echt viel Kultur in die Altmark, rund 120 Kilometer nordwestlich von Magdeburg, gebracht. Als einziges volkskundliches Freilichtmuseum Sachsen-Anhalts und ältestes seiner Art in Deutschland verzaubert es seit 1911 große und kleine Besucher. Zu besichtigen sind mehr als 20 Gebäude aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, darunter Dorfschmiede, Backhaus, Speichergebäude, Taubenturm und Bockwindmühle. Vom Aussterben bedrohte historische Nutz- und Zierpflanzen sowie Obstgehölze der Altmark werden in Bauerngärten und auf Streuobstwiesen erhalten.

Zudem werden bei Museumsfesten wie dem Handwerkertag am Pfingstmontag, dem Diesdorfer Volkstanzfest im September oder dem altmärkischen Erntefest im Oktober alte Traditionen zelebriert. Ein Naturspielplatz und das gemütliche Café mit Museumsladen laden zur Pause ein. Übrigens: Das Freilichtmuseum wird auch gerne für bunte Kindergeburtstage genutzt – und man kann hier sogar in einem echt kulturvollen, romantischen Ambiente heiraten!

Titelbild: Blick auf das Händel-Denkmal und die Hausmannstürme der Marienkirche – nur zwei der zahlreichen kulturellen Highlights in Halle (Saale) © FSEID - stock.adobe.com

In Zusammenarbeit mit IMG - Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt

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