Dürfen wir vorstellen?

Wie konnte man vor fast 4000 Jahren wissen, wann ein Schaltjahr sein würde? Wie eine Mondfinsternis vorhersagen? Unmöglich? Von wegen: Beginnen wir diese Geschichte mit einem sensationellen Fund aus Sachsen-Anhalt, der 3700 bis 4100 Jahre alt ist. Denn der erzählt, wie das damals ging. Die Himmelsscheibe von Nebra wurde kurz vor der Jahrtausendwende vor gut 20 Jahren illegal ausgegraben und einige Zeit später von der Basler Polizei sichergestellt. Heute ist das wertvolle Stück, mit seiner Darstellung von Sternen und Planeten die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene, im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu bestaunen. Mithilfe der Darstellungen auf der Scheibe, die eine Grabbeigabe war, ließen sich tatsächlich astronomische Phänomene vorhersagen. Am Fundort kann man das Museum Arche Nebra besuchen, das alles ganz genau erklärt. Und es gibt den Himmelsscheibenradweg rund um diesen Schatz und seine geheimnisvolle Geschichte. Seit Mitte 2013 gehört die Himmelsscheibe zum UNESCO-Dokumentenerbe ›Memory of the World‹.

Willkommen in Sachsen-Anhalt – der Heimat von Martin Luther und der Region, in der es die größte Dichte an UNESCO-Welterbestätten gibt. Neben der Himmelsscheibe von Nebra gehören die natürlich hier allesamt schon mal zum Pflichtprogramm: Der an der Straße der Romanik gelegene Naumburger Dom, die Altstadt von Quedlinburg, das Bauhaus in Dessau, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg. Dabei liegen Weltkultur und Naturschönheiten immer dicht beieinander und lassen sich gut gemeinsam entdecken – ganz egal, ob man gemütlich-romantisch als Paar unterwegs ist, Familienferien macht oder sportlich auf dem Rad Sachsen-Anhalt kennenlernen möchte. Besondere Höhepunkte für Kulturmenschen mit Sinn für Naturschauspiele sind dann zum Beispiel diese: den Sonnenaufgang an der Elbe erleben, wenn die Sonnenstrahlen langsam am Magdeburger Dom emporklettern. Auf Deutschlands längstem Reitwegenetz die Altmark und die Heimat Bismarcks entdecken. Oder an der leise plätschernden Saale sitzen und über den Fluss hinweg den eindrucksvollen Naumburger Dom betrachten.

Einige der touristischen Regionen teilt sich das Land mit seinen Nachbarn: Sachsen-Anhalt hat ein schönes Stück vom Harz samt dem Brocken-Gipfel (1141 Meter) sowie einen Teil der Saale-Unstrut-Region, aus der viele qualitätsvolle deutsche Weine kommen. Aber auch die Landeshauptstadt Magdeburg mit ihrem Dom und dem Hundertwasserbau „Die grüne Zitadelle von Magdeburg“ sollte Station einer Rundreise durch das ostdeutsche Bundesland sein. Vor allem der Harz ist eine reizvolle, vielfältige Urlaubsregion für Wanderer, Erholungssuchende, Familien, Radler. Geprägt ist die Mittelgebirgslandschaft von rauschenden Flussläufen, dichten Wäldern mit verwitterten Granitblöcken und tief eingeschnittenen Tälern. Wernigerode am Harz ist ein guter Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Harz. Für Erlebnisse, die garantiert für einen mittelgroßen Adrenalinschub sorgen, gibt’s Harzdrenalin. Dort kann man von der Segway-Tour bis zum 75 Meter tiefen Pendelsprung so einiges ausprobieren …

Was ist sonst noch wichtig? In Sachsen-Anhalt tragen der Harzer-Hexenstieg, der Karstwanderweg im Südharz und die Heide-Biber-Tour in der Dübener Heide das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ – aber es gibt auch sonst sehr viele schöne Wandermöglichkeiten. Auf der Saale und der Unstrut kann man wildromantische Kanutouren unternehmen, in Balgstädt sogar Paragliding machen. Und auf dem Geiseltalsee, Deutschlands größtem künstlichen See, gibt es gute Bedingungen für Segler. In diesem Jahr feiert das Bundesland in 50 seiner schönsten und bedeutendsten Parks die „Gartenträume-Saison 2020“. Und weil der Start des Events verschoben werden musste, wird es bis ins Jahr 2021 verlängert.

Kurz und knackig

Sachsen-Anhalt ist mit etwa 20.454 Quadratkilometern und rund 2,21 Millionen Einwohnern ein mittelgroßes Bundesland. Die beiden größten Städte sind die Landeshauptstadt Magdeburg und Halle an der Saale. Besonders schön erlebt man das Land auf 40.000 Kilometern ländlichen Radwegen abseits bekannter touristischer Pfade. Auch der Elberadweg, einer der beliebtesten Radwege Deutschlands, verläuft ein gutes Stück durch das Bundesland. Ein wichtiger Besuchermagnet ist das Europa-Rosarium Sangerhausen – mit 8500 Arten der größte Rosengarten der Welt. Sachsen-Anhalt hat zwei Biosphärenreservate, einen Nationalpark und sechs Naturparks. Mindestens 300 Jahre lang war das Ringheiligtum in Pömmelte, das als das deutsche Stonehenge gilt, eine Kultstätte. Skurril: Im Garten des Winckelmann-Museums in Stendal steht das größte Trojanische Pferd der Welt. Es ist 15 Meter hoch, 13 Meter lang und 5 Meter breit. Bis zu 30 Besucher passen hinein, genau wie in der griechischen Sage. Und noch etwas Besonderes hat das Bundesland: den Sachsenspiegel. Er entstand zwischen 1220 und 1235 und ist die älteste deutsche Gesetzessammlung.

Herr Ober!

Aus Freyburg an der Unstrut kommt der berühmte Rotkäppchen-Sekt. Ziemlich einmalig ist auch der Milbenkäse, der mithilfe der Käsemilbe reift – zirka 50.000 dieser Winzlinge krabbeln in einer Packung Würchwitzer Milbenkäse umher, sind aber glücklicherweise mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Helmut Pöschel und Christian Schmelzer haben in Würchwitz diese eigenwillige Käse-Tradition vor dem Vergessen bewahrt und stellen die feinen hochpreisigen Käsespezialitäten her. Am besten, man probiert – ohne sich das ganze vorher unterm Mikroskop angeguckt zu haben. Noch mehr Superlative gefällig? Die Halloren Schokoladenfabrik in Halle ist die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands. Und das kleine Weinanbaugebiet Saale-Unstrut liegt am 51. Breitengrad und ist das nördlichste in Europa. Kulinarische Spitzenprodukte sind außerdem Steaks vom Harzer Roten Höhenvieh, Salzwedeler Baumkuchen oder der Dry Gin „Old Paul“ mit frischer Wacholdernote und intensiven Zitrustönen aus Diesdorf in der Altmark.

Dialekt

Sachsen-Anhalt gehört zum niederdeutschen und zum mitteldeutschen Sprachraum. Die meisten Menschen sprechen ein eingefärbtes Hochdeutsch, das im Norden Einflüsse aus Brandenburg aufweist. Im Süden Richtung Halle wird stärker Dialekt gesprochen – er klingt für Nicht-Eingeweihte wie eine Mischung aus Thüringisch und Sächsisch. Einfache Regel: ein G für ein K sprechen und ein O statt A – für Kartoffeln sagt man also Gortoffeln. Hier ein paar Wörter:

Na meiner – hallo, auch bei Leuten, die man nicht kennt
Schnazjer – Spatz, allgemein für Vögel
Räächn – Regen
Kopp – Kopf
Voreljesank in Machdeburch – Vogelgesang in Magdeburg
rüwwer – herüber
nüwwer – hinüber
Heeme – (zu) Hause
kwackln – quatschen
bezickeln – sich anstrengen
Schnongs – Bonbon
Bärschde – Bürste

Titelbild: Mit der Himmelsscheibe von Nebra konnte man schon vor rund 4000 Jahren astronomische Phänomene vorhersagen – eine Sensation © Juraj Lipták / Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt