Wein, Käse und Äpfel – dass die Hessen Genießer sind, ist bekannt. Besondere Genussmomente erlebt ihr auf einer kulinarischen Rundreise durch die ländlichen Regionen rund um die Finanzmetropole Frankfurt. Dutzende alte Apfel- und eine äußerst seltene Rebsorten werden hier angebaut – und aus Traditionsrezepten wird Stoff für neue Küchen-Klassiker gewoben. Drei Regionen und ihre kulinarischen Erlebnisse:

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Bergstraße-Odenwald

Das kleinste Weinanbaugebiet Deutschlands ist zugleich das größte: Nirgendwo sonst wird so viel Roter Riesling angebaut. Der Rote Riesling wurde schon im Mittelalter angebaut, dann geriet die Reb-Sorte lange in Vergessenheit – seit einiger Zeit macht man sich an der Hessischen Bergstraße um den Erhalt der Sorte verdient. Auf über 15 Hektar reifen die Trauben mittlerweile. Das ist immer noch eine geringe Größe, doch die historische Rebsorte ist wieder schwer im Kommen. Noch aber darf sich die Bergstra­ße als weltweit größtes Anbaugebiet für Roten Riesling bezeichnen.

Aus gleich mehreren Gründen ist der Rote Riesling ein ganz besonderer Wein. Das wichtigste sei gleich verraten – es handelt sich um Weißwein, allein die Schale der Trauben hat eine rötliche Färbung. Die Sorteneigenschaften sind dem weißen Riesling sehr ähnlich. Beim Anbau aber bietet der Rote einige handfeste Vorteile: Dank der roten Farbgrundstoffe trotzen die Trauben der Hitze besser als die weißen. Kein unwichtiges Argument in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Mehr über die Wein-Kultur in der Region erfahrt ihr auf dem sieben Kilometer langen Erlebnispfad „Wein und Stein“ in Heppenheim: An 70 Stationen wird Wissenswertes rund um das Zusammenspiel von Natur, Erdgeschichte, Kultur und regionaler Identität erläutert. Und am Ende des Rundwegs bietet sich der Abstecher ins Viniversum an – in der multimedialen Vinothek könnt ihr die Weine der Bergsträßer Winzergenossenschaft verkosten, euch mit Fachliteratur eindecken oder an einer Kellerführung teilnehmen.

Hier im Video erzählt der Winzer Hanno Rothweil, was den Roten Riesling so besonders macht:


Als ein regionales Kulturgut gilt die Apfelvielfalt des Odenwaldes – auf Streuobstwiesen gedeihen hier mehrere hundert Sorten, darunter manche, die anderswo längst in Vergessenheit geraten ist. Damit das im Odenwald nicht passiert, ziehen hier Obstbauern und Naturschützer, Privatleute, Landwirte und Gastronomen an einem Strang. Mit ihrem Engagement und guten Ideen erhalten sie exotisch klingende Apfelsorten wie Zuccalmaglios Renette, Goldparmäne oder Karmijn de Sonnaville – und mit der Apfelvielfalt auch den Artenreichtum in der Region. Streuobstwiesen, die übrigens nicht etwa so heißen, weil hier die Äpfel so verstreut herum liegen, sondern weil die Bäume verstreut stehen, sind übrigens kein Zufallsprodukt. Sie müssen gepflegt werden, schon zu hohes Gras lässt die Artenvielfalt abnehmen. Rund 250 ehrenamtliche Streuobstretter kümmern sich mittlerweile um den Erhalt der Streuobstwiesen. Die Streuobstwiesen sind besonders wichtig für den Artenreichtum – und das kann man hier auch sehen und hören. Ein Summen liegt in der Luft, Bienen und Hummeln schweben von Blüte zu Blüte. Geerntet werden die Früchte erst, wenn sie wirklich reif sind; das ist erst dann soweit, wenn sie sich durch Schütteln vom Baum lösen. In den Supermarkt würden es die meisten der Äpfel hier wohl nicht schaffen, zu klein und zu schrumpelig sind viele Exemplare. Doch wie so oft, gilt auch hier: Vom Äußeren darf man sich nicht täuschen lassen. Ein Biss in so einen Apfel ist eine echte Geschmacks-Offenbarung: wunderbar süß und mild-säuerlich zugleich schmecken sie. Aus ihnen werden Obstbrände und Apfelweine, Säfte und Schaumweine hergestellt. Doch auch in der regionalen Küche haben sie eine wichtige Rolle. Besonders die Restaurants der Kooperation „Odenwald-Gasthaus“ setzen auf die hohe Qualität des hiesigen Kernobsts: Beim Apfel-Sauerkraut und der Apfel-Zwiebel-Vinaigrette etwa kommt es zum Einsatz.

Alles aus Apfel – hier im Video erzählt der Brenner Johannes Gehrig mehr zur Apfel-Tradition im Odenwald: 

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Frankfurt-Rhein-Main: Grüner wird’s nicht

Wer die Region rund um Frankfurt bereist, lernt auch eine ganz besondere kulinarische Welt kennen: Deftiges gibt es reichlich, aber auch allerlei Süßes wird serviert. Und um ein kulinarisches Trio kommt ihr hier bestimmt nicht herum: Die Grüne Soße, der Handkäs mit Musik und der Apfelwein sind die typisch hessischen Spezialitäten, die ihr unbedingt probiert haben solltet. Aus Borretsch und Kerbel, Kresse und Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch besteht die Grüne Soße. Mal werden die sieben Kräuter fein gehackt, andere Köche lassen sie lieber gröber, doch die Bestandteile sind immer die gleichen. Serviert wird die Soße zu Rindfleisch oder zu Pellkartoffeln und Eiern.

Der zweite kulinarische Klassiker der Region ist der Handkäs mit Musik. Ursprünglich von Hand geformt, ist der Handkäs auch heute noch etwa so groß wie eine Handfläche. Begleitet wird ein echter Handkäs stets von reichlich Musik, bestehend aus Zwiebeln, Essig-Öl-Marinade und Kümmel. Heute gibt’s den Klassiker übrigens auch in trendigen Varianten – etwa als Handkäs-Carpaccio. Gewissermaßen als Joker fungiert die Nummer drei im Bunde der Gaumenfreuden: Der Apfelwein. Denn der passt ganz wunderbar zu den beiden erstgenannten. Hergestellt wird der Wein aus Äpfeln, die im Regionalpark reifen. Der Regionalpark ist ein grüner Gürtel rund um Frankfurt und besteht aus Kulturlandschaften und Wäldern, aus Gärten und Parks – und aus Monumenten der Industriekultur wie etwa der Grube Messel. In dem stillgelegten Ölschiefer-Tagebau wurden spektakuläre Fossilien-Funde gemacht – und die Industriebrache 1995 wurde als erste deutsche Stätte überhaupt zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt.

Im Video erzählt die Köchin Annette Kreiling, warum die Frankfurter Grüne Soße so besonders ist – und gibt auch gleich noch ein paar Tipps für den Frankfurt-Trip: 

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Rheingau: Genuss-Erlebnisse in der Rotweinzone

Im Rheingau sind Wein, Genuss und Kultur oft direkt miteinander verbunden. So hat der Weinbau in den Klöstern der Region eine lange Tradition. Seit jeher werden im Rheingau Spitzenweine erzeugt, insbesondere die roten Weine genießen ein hohes Ansehen. Dabei ist die Winzerei im Rheingau kein leichtes Unterfangen: An den steilen Hängen müssen die Trauben oft von Hand gelesen werden. Dabei gehen hier Tradition und Innovation Hand in Hand, führen Jungwinzer ihre Familienweingüter mit neuen Ideen in die Zukunft. Und auch eine ganz besondere Geschichte spielt hier im Rheingau: Weil ein reitender Bote die Erlaubnis des Fürstabts zur Lese viel zu spät überbrachte, hatten die Trauben schon zu faulen begonnen. Geernet und gekeltert wurden sie trotzdem, der Wein schmeckte hervorragend – die Spätlese war erfunden.

Erleben könnt ihr die sagenhaft guten Weine und die Kultur-Highlights des Rheingaus etwa beim Wandern auf dem dem Rheinsteig. Der Weitwanderweg führt hier vorbei an vielen Klöstern und Sehenswürdigkeiten, immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke auf den Rhein. So gehen Kultur- und Naturgenuss im Rheingau gut zusammen.

Im Video erzählt der Wanderführer Wolfgang Blum, was ihm am Rheingau als Wander-Revier so gut gefällt:

Titelbild: In Südhessen liegen Kulturerlebnis und kulinarischer Genuss dicht beieinander © Herbst Woodworks

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