Ein Fischereischiff, mit dem man sofort in See stechen könnte, ein Kinobesuch wie in den 1950ern und Kunstwerke, die die Realität auf den Kopf stellen möchten – manchmal sind Museumsbesuche so spannend wie das Leben selbst. In Bremen und Bremerhaven gibt es viele solche Museumserfahrungen, 10 davon stellen wir hier vor:

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Kunst gucken in der Bremer Kunsthalle

Da haben Bremer Bürger ganz schön was auf die Beine gestellt: Die Kunsthalle – 1823 von Bewohnern der Stadt gegründet – ist nicht nur der älteste Kunstverein Deutschlands, sondern auch eines der bedeutendsten Kunstmuseen in ganz Europa. Wer der Kunsthalle unweit des Bremer Marktplatzes einen Besuch abstattet, hat sie alle im Blick: die großen Meister der europäischen Kunstgeschichte (zumindest die der letzten 700 Jahre, was kunstgeschichtlich ja eine ganze Menge ist). Und irgendwie schafft die Kunsthalle es auch noch, dass Werke von Dürer, Picasso & Co getoppt werden: Das Herzstück der Sammlung ist das Kupferstichkabinett, das so viele Werke umfasst (über  220.000!), dass es europaweit zu den bedeutendsten graphischen Sammlungen zählt. Unser Tipp: Statte der Kunsthalle jederzeit online einen Besuch ab. Über Google Art & Culture sind Ausstellungsstücke schon seit 2013 virtuell zugänglich. Und auch digitale Führungen und Workshop (auch für Kinder) können gebucht werden. Deinen Besuch in der Kunsthalle planst du hier.

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Volkskunde im Freilichtmuseum in Bremerhaven

Geest, Marsch und Moor prägen die Landschaft des Elbe-Weser-Dreiecks. Und damit auch das Leben der Menschen vor Ort, wie das Freilichtmuseum im Gesundheitspark Speckenbüttel unter Beweis stellt. Untergebracht ist es im Geesthof, einem im 17. Jahrhundert erbauten niederdeutschen Hallenhaus. Wer vor der offenen Feuerstelle oder in den Dözen, das sind Schlaf- und Wohnräume, steht, kann sich vorstellen, wie das bäuerliche Leben der vergangenen Jahrhunderte ausgesehen haben muss. Zu dem Gebäude-Ensemble des Museums gehören außerdem: eine Scheune und ein Schafstall, in denen sich landwirtschaftliche Geräte befinden, und eine Moorkate, ein Backhaus mit Lehmbackofen. Volkskundlich geht es auch im Marschenhaus zu, einem wiedererrichteten Hof aus dem frühen 18. Jahrhundert, in dem heute viele Handwerks- und Wirtschaftsgeräte vom Leben der Bauern in der Region erzählen. Am Eingang des Parks befindet sich eine nachgebaute Mühle nach holländischem Vorbild. Das Besondere: Dieser Mühlentyp war schon zur Zeit der Kreuzzüge, also vor mehr als 8 000 Jahren, im Einsatz, erst im Mittelmeerraum, dann im Norden Europas. Übrigens: Im Park und in vielen der Räumlichkeiten finden ganzjährig Veranstaltungen statt. Alle Infos gibt's hier.

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Den eigenen Horizont erweitern in der Weserburg in Bremen

Die Weserburg, Bremens Museum für zeitgenössische Kunst, befindet sich in vier ehemaligen Speichergebäuden am Stadtwerder Bremens
Die Weserburg, Bremens Museum für zeitgenössische Kunst, befindet sich in vier ehemaligen Speichergebäuden am Stadtwerder Bremens © Weserburg/Justyna Lubecka

Kunst, vor allem seit der Moderne, will doch vor allem eins: Grenzen ausloten und sie überschreiten, alte Gedankenmuster aussortieren und neue Perspektiven aufzeigen. Wer der Weserburg, dem Museum für moderne Kunst in Bremen, einen Besuch abstattet, muss sich also darauf einstellen, mit frischen Blickwinkeln versehen die Heimreise anzutreten. Und dass das Medium die Nachricht ist, wissen Künstler:innen der Gegenwart natürlich auch: Deswegen kann man Werke in der Weserbug nicht nur sehen, sondern eben auch hören und sogar riechen. Das Museum stellt beispielsweise das große olfaktorische Werk Imperium von Luca Vitone aus, das den „Geruch der Macht“ trägt. Ob er wohl so ähnlich riecht wie der Duft aus Das Parfüm? Unser Tipp: mit der Museums-Aktion „Kunst Takeaway“ ein Werk ausleihen und sozusagen in den eigenen vier Wänden ausstellen. Von zu Hause aus Kunst konsumieren kannst du auch über den Museums-Podcast, der über alle gängigen Streaming-Portale zu dir kommt. Oder doch lieber bei einem (digitalen) Kunst-Workshop mitmachen. Deinen (digitalen) Besuch planst du hier.

4

Kinobesuch im Historischen Museum in Bremerhaven

Im Historische Museum in Bremerhaven kann man erfahren, wie Schifffahrt und Handel das Leben der Bevölkerung in Bremerhaven und Umgebung über Jahrhunderte hinweg beeinflusst hat
Im Historische Museum in Bremerhaven kann man erfahren, wie Schifffahrt und Handel das Leben der Bevölkerung in Bremerhaven und Umgebung über Jahrhunderte hinweg beeinflusst hat © Mailin Knoke

Wie aus dem Bremer Hafen Bremerhaven wurde, eine Bremer Insel im hannoverschen Staatsgebiet? Und wie Bremerhaven sich während der Weimarer Republik, einer Weltwirtschaftskrise und in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verändert hat? Mit seinen vielen Dauerausstellungen über Zeitgeschichtliches in Bremerhaven und der Region ist auch dieses Haus ein Tor in die Vergangenheit. Und gemeint ist das jetzt ganz buchstäblich. Denn auf einmal steht man in und vor Ausstellungsstücken, die Vergangenes vergegenwärtigen: einem Luftschutzkeller, einer Notküche, einer Ladenpassage. Und etwas später sitzen die Besucher in den Rängen des „Lichtspielhauses“, dem Museumskino im Stil der 50er. Deinen Besuch planst du hier.

5

Mit der ganzen Familie nach Bremen ins Focke-Museum

Im Focke Museum erinnert die Borgward Isabella, ein Modell aus den 1950ern, an die Automobilindustrie Bremens © Fockemuseum/Sternebeck

Warum ein kleines, rotes Stoffbändchen, eine Stecknadel, Möbel oder Porzellan als Exponate in einem Museum ausgestellt werden? Weil Alltagsgegenstände wie diese etwas über die Art und Weise aussagen, wie Menschen zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort gelebt und die Welt um sich herum wahrgenommen haben. Das Stoffbändchen stammt aus den Revolutionsjahren 1918/1919, als Arbeiter es verwendeten, um sich als Revolutionäre kenntlich zu machen. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, das aus fünf Gebäuden und einem Schaumagazin besteht, zeichnet mit einem ganzen Sammelsurium solcher Exponate das Alltagsleben der Bremer Bauern, Arbeiter und des im 19. Jahrhundert aufstrebenden Bürgertums nach. Und auch Bremen selbst, eine Stadt mit einer beeindruckenden Handels- und Wirtschaftsgeschichte, steht im Fokus. Zurückgeschaut wird bis ins Mittelalter. Das Focke Museum eignet sich übrigens hervorragend für die ganze Familie: Viele Ausstellungsstücke, wie die alte Mühle, laden zum Mitmachen und Anfassen ein. Und sogar ein eigenes Kindermuseum ist im Landesmuseum untergebracht, zu entdecken gibt es Spielzeug aus den letzten 700 Jahren. Zum Museum geht's hier entlang.

6

Museumsbesuch in der Böttcherstraße in Bremen

Mitten in der verwinkelten, als „Gesamtkunstwerk“ konzipierten Böttcherstraße in Bremen befinden sich gleich zwei Museen von Weltrang, die schon wegen ihrer Architektur beeindrucken. Wer Haus Nummer 6 betritt, ein barockes Patrizierhaus und das älteste Haus in der Straße, findet sich in den Räumlichkeiten des wohlhabenden Bürgertums der vergangenen Jahrhunderte wieder. Wandtapeten aus dem Hochbarock, aufwändig geschnitzte Holztruhen aus dem 17. Jahrhundert, schwere Eichenschränke, eine repräsentative Diele – was man im Ludwig Roselius Museum live und und Farbe ansehen darf, kennt man sonst eigentlich nur aus Kostümdramen. Und dann hängt da auch noch hochrangige Kunst! Zum Beispiel die des bekannten Malers Lucas Cranach (gemeint ist der Ältere), der mit seinem weltberühmten Martin Luther Bildnis den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance ebnete – und damit einen Meilenstein in der europäischen Kunstgeschichte erschuf. Für weitere Hingucker in der Böttcherstraße sorgt das Paula-Modersohn-Becker-Museum, das einzige Museum, das sich ganz der berühmten Künstlerin und Wegbereiterin der Moderne widmet. Liebhaber dieser Strömung dürften sich zudem darüber freuen, dass auch das Museumsgebäude aus Backstein als ein Hauptwerk der expressionistischen Architektur geadelt wurde.  Alle Infos zu den Museen erhältst du hier.

7

Auf dem Museumsschiff GERA in Bremerhaven

Offiziell ist die FMS GERA, das Museumsschiff, Teil des Historischen Museums. Aufgrund seiner Besonderheit sei es hier einzeln erwähnt. Das Fischereimotorschiff ist nämlich das einzige schwimmende Hochseefischerei-Museum in ganz Deutschland. Wer sich an Bord begibt, hat das Gefühl, dass es gleich losgehen könnte. Denn die GERA ist quasi einsatzfertig eingerichtet: Wer sich die Küchenausstattung in der Kombüse oder die Klamotten in den Kajüten ansieht, bekommt einen lebendigen Eindruck von Leben und Arbeit auf Hoher See. Und wenn das Vorstellungsvermögen nicht ganz reichen sollte, helfen die vielen Fotos und Filme ganz bestimmt auf die Sprünge. Übrigens ist die GERA, ein 1959/60 erbauter Seitentrawler (das Schleppnetz befand sich am seitlichen Schanzenkleid) eine der letzten ihrer Art: Kurz danach wurde der weltweit eingesetzte und traditionsreiche Schiff-Typ nämlich durch moderne Hecktrawler abgelöst. Zum Museum geht's hier.

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Naturalistische Kunst im Overbeck-Museum in Bremen

Im Kunstmuseum in Vegesack dreht sich alles um das Künstlerehepaar Fritz Overbeck und Hermine Overbeck-Rothe, die bekannten Vertreter:innen der naturalistischen Landschaftsmalerei © Ingo Wagner

Der eine ist gebürtiger Bremer, die andere ist für die Kunst (und für ihn) in die Künstlerkolonie Worpswede im Bremer Norden gezogen. Er war schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten deutschen Landschafts-Künstler des 19. Jahrhunderts, sie war seine Schülerin und wurde erst nach ihrem frühen Tod für ihre Kunst bekannt. Die Rede ist vom Künstlerehepaar Fritz Overbeck und Hermine Overbeck-Rohte, die Protagonisten des Kunstmuseums in Vegesack (gegründet hat das kleine Museum übrigens die Enkelin der beiden). Abend im Moor, Fähre Frieda (laut Museumsleitern die heimliche Mona Lisa aus der Sammlung), Vorfrühling – viele der Bilder, meist sind es Ölgemälde, zeugen von der Verbundenheit zu Worpswede, dem schönen Dorf im Teufelsmoor, und zum Leben auf dem Land. Aber auch von ihren vielen Reisen, an die deutsche Nordsee etwa, oder in die Schweiz, wo sich ihnen eine andere Welt eröffnet hat. Das Museum hält übrigens viele Angebote für Kinder und Jugendliche parat. Alle Infos findest du hier.

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Im Deutschen Schifffahrtsmuseum große Fragen stellen

Die Kogge, ein 600 Jahre altes Wrack, ist das Herzstück des Deutschen Schifffahrtsmuseums
Die Kogge, ein 600 Jahre altes Wrack, ist das Herzstück des Deutschen Schifffahrtsmuseums © DMS/Niels Hollmeier

Dem eigenen Menschsein kann man irgendwie nie ganz entfliehen. Auch nicht in einem Museum, in dem sich eigentlich alles um Schiffe, Wasser und Meer dreht. Denn der Mensch hat die Schiffstechnologie erfunden und sich mit der Schifffahrt neue Räume erschlossen und erobert. Die Ausstellungen des Deutschen Schifffahrtsmuseums widmen sich denn also auch den ganz großen Menscheitsfragen – Migration, Globalisierung, Eroberungen – die heute ebenso aktuell sind wie im Mittelalter, als vom Wasser aus die große Vermessung der Welt begann. Das Herzstück des Museums ist die Kogge: ein Wrack, das vor 600 Jahren in See gestochen ist und gemeinhin als das am besten erhaltene Handelsschiff aus dem Mittelalter gilt. Zum Museum gelangst du hier.

10

Auf Tauchstation mit dem U-Boot Wilhelm Bauer

Zugegeben, Platzangst sollte man nicht haben, wenn man das technische Museum im U-Boot Wilhelm Bauer betritt. Jedenfalls kann man sich die Enge während eines Einsatzes gut vorstellen: Mit 54 Personen war das U-Boot besetzt, das in der Breite nicht mal 8 Meter misst. Schläuche, Rohre, eiserne Drehtüren, Schaltzentralen – irgendwie sieht das Innere von U-Booten aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Vom Stapel gelaufen ist die Wilhelm Bauer kurz vor Kriegsende in Hamburg, zum Kriegseinsatz kam sie nicht. Wohl aber diente sie später der Bundesmarine als Erprobungsboot. Trotzdem erzählt die Ausstellung von den Schrecken des U-Boot-Kriegs, der von den Deutschen im Mai 1943 verloren wurde. Das heutige Museums-Boot mit der Typnummer ex U 2540 ist übrigens ein Denkmal in der Technikgeschichte: U-Boote dieses Bautyps konnten, anders als Vorläufer-Modelle, auch unter Wasser schnell fahren und auch die gesamte Einsatzstrecke komplett unter Wasser verbringen. Zu besichtigen ist die Wilhelm Bauer zwischen März und November. Alle Infos findest du hier.

Titelbild: Eine Besucherin vor dem Gemälde Liegende Mutter mit Kind von Paula Modersohn-Becker © freiraumfotografie / Museen Böttcherstraße

In Zusammenarbeit mit WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

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