Mehr als ein Dutzend Radwege führen durch Thüringen. Sie durchqueren imposante Landschaften, schlängeln sich entlang von Flüssen und verbinden kulturell vielfältige Städte. Hier stellen wir euch fünf Radwege in Thüringen vor.

1

Von Schloss zu Schloss – der Saaleradweg

Mal fahrt ihr unter märchenhaften Schlössern vorbei, mal müsst ihr bei Anstiegen kräftig in die Pedale treten: Auf rund 400 Kilometern begleitet der Saaleradweg den Fluss von seiner Quelle im Fichtelgebirge bis zur Mündung in die Elbe. Insgesamt sind fast 3.700 Höhenmeter zu bewältigen. Etwa die Hälfte des Weges (180 Kilometer) führt durch Thüringen.

Los geht es in Sparnberg nahe der ehemals innerdeutschen Grenze am Fuße des Thüringer Schiefergebirges. Auf den folgenden 100 Kilometern passiert ihr eine waldreiche und ursprüngliche Landschaft. Kurze, aber anspruchsvolle Steigungen und Abfahrten wechseln sich entlang der Flussschleifen ab. In Saalburg empfiehlt sich eine Rundfahrt über den Bleilochstausee, Deutschlands größte Talsperre. Am romantischen Schloss Burgk fahrt ihr steil zur Saale hinab. Der Weg führt vorbei an zahlreichen Fachwerkhäusern, bietet weite Blicke über Hochflächen und durchquert die fjordähnliche Landschaft des Hohenwarte-Stausees. Nach den Anstrengungen im Mittelgebirge lohnt sich in Saalfeld der Besuch in den farbenreichsten Schaugrotten der Welt.

Vorbei an der „Königin des Saaletals“

Ohne größere Anstiege erreicht ihr Rudolstadt mit seiner Altstadt und dem Residenzschloss Heidecksburg. Im Flößereimuseum Uhlstädt entdeckt ihr, wie jahrhundertelang aus Fichtenholz schwimmfähige Flöße gefertigt wurden. Nahe der Porzellanstadt Kahla thront die „Königin des Saaletals“ genannte mittelalterliche Leuchtenburg aus dem 13. Jahrhundert. Von hier sind es noch circa 20 Kilometer bis in die Universitätsstadt Jena, bekannt für das Zeiss-Planetarium. Gleich drei Schlösser erheben sich auf den Muschelkalkfelsen bei Dornburg. In einem davon residierte Goethe während eines Sommers. Durch die Weinberge der Region Saale-Unstrut führt der Saaleradweg nun bis zur Landesgrenze bei Kaatschen-Weichau. Hier habt ihr direkten Anschluss an den Ilmtal-Radweg.

Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Sparnberg: Anreise planen.

2

Natur, Kultur und Geschichte – der Ilmtal-Radweg

Der Ilmtal-Radweg verbindet auf 123 Kilometern den Thüringer Wald mit dem Saale-Unstrut-Gebiet. Der familienfreundliche Radweg (überwiegend auf Asphaltstraßen, knapp 700 Höhenmeter insgesamt) zählt zu den beliebtesten Touren in Deutschland und wurde vom ADFC mit vier Sternen ausgezeichnet.

Vom Startpunkt in Allzunah geht es bergab über den Kurort Stützerbach mit seinem Goethemuseum in die 16 Kilometer entfernte Universitätsstadt Ilmenau. Hier widmet sich das GoetheStadtMuseum dem Leben des berühmten Dichters. Den besten Blick über Ilmenau habt ihr vom Aussichtsturm auf dem 861 Meter hohen Hausberg Kickelhahn, etwa eine Wanderstunde von der Stadt entfernt.

Nun folgt ihr der Ilm durch die abwechslungsreiche Landschaft des Naturraums Mittleres Ilmtal und des Weimarer Landes. Bei Langewiesen unterquert ihr die Ilmtal-Brücke, auf der die ICE-Trasse Richtung Nürnberg verläuft, mit 1.681 Metern die längste Brücke Thüringens. In Stadtilm trefft ihr auf den nächsten Superlativ des Freistaats: den größten Marktplatz, eines von „sieben Wundern“ in der malerischen Kleinstadt. Danach radelt ihr gemütlich auf Kranichfeld mit seinen zwei Burgen und den Kurort Bad Berka zu.

Weimar: Von Goethe bis Bauhaus

Weimar zählt mit den elf UNESCO-Welterbestätten „Klassisches Weimar“ und dem Bauhaus-Welterbe zu den kulturellen Höhepunkten am Ilmtal-Radweg. Hier stehen unter anderem die Wohnhäuser der Dichter Goethe, Schiller und Herder. Geruhsam flaniert es sich über die prächtigen Alleen rund um das Schloss Belvedere.

Im Anschluss an den Besuch im Wielandgut in Oßmannstedt lohnt sich der kurze Umweg in die Glockenstadt Apolda. Plant hier auch Zeit für das Kunsthaus ein, in dem regelmäßig moderne Kunst – von Marc Chagall bis Pop-Art – zu sehen ist. Kurz vor dem Ziel noch einmal relaxen, das geht hervorragend in der Toskana Therme in Bad Sulza. Am wenige Kilometer entfernten Endpunkt in Kaatschen-Weichau habt ihr direkten Anschluss an den Saaleradweg.

Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Allzunah: Anreise planen.

3

Durch verträumte Landschaften – der Unstrutradweg

Flach und bequem, voller weiter Panoramen über Felder und kleine Ortschaften: Das ist der Unstrutradweg. Auf 152 Kilometern folgt er dem Fluss von seiner Quelle im Eichsfeld bei Kefferhausen bis zur Landesgrenze bei Wiehe. Da es auf dem Unstrutradweg keinerlei steile Anstiege gibt, eignet er sich hervorragend für Touren mit der Familie.

Die erste reizvolle Fernsicht habt ihr nach wenigen Radminuten am Eisenbahnviadukt über das Reisersche Tal hinter Dingelstädt. Etwas Zeit zum Verweilen solltet ihr in der alten Reichsstadt Mühlhausen einplanen, um euch Stadtmauer, mittelalterliche Kirchen und Museen in Ruhe anzuschauen. Der Reformator Thomas Müntzer predigte zur Zeit Luthers in der Marienkirche, Johann Sebastian Bach war zeitweise Organist an der Divi-Blasii-Kirche. Nach rund 20 Kilometern erreicht ihr Bad Langensalza. Mit zehn Gärten gilt sie als die blühendste Stadt Europas. Die Altstadt kommt zudem mit farbenfrohen Fachwerkfassaden und einem eindrucksvollen Rathaus mit eigenem Glockenspiel daher.

Zum Schluss durch die Thüringer Pforte

Weiter geht es durch die verträumte Landschaft und Stille des Naturschutzgebiets Unstruttal bis Großvargula. Nach einem kurzen gemeinsamen Stück auf dem Gera-Radweg passiert die Route das Kloster St. Wigberti in Werningshausen, in dem Radfahrer auch übernachten können. Sömmerda hat eine Stadtmauer, ein Renaissance-Rathaus, die spätgotische Stadtkirche St. Bonifatius und das Historisch-Technische Museum, das dem Erfinder des Zündnadelgewehrs, Nicolaus von Dreyse, gewidmet ist.

Die abschließende Etappe führt durch die Thüringer Pforte, den eindrucksvollen Durchbruch der Unstrut bei Sachsenburg. Von hier ist es nicht mehr weit nach Heldrungen mit seiner mächtigen Wasserburg. Auf der Unstrutbrücke vor Artern könnt ihr die Stadt prima von oben anschauen. Bis nach Roßleben mit einem sehenswerten ehemaligen Kloster und zum Schlusspunkt bei Wiehe sind es nur noch ein paar Kilometer.

Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Kefferhausen: Anreise planen.

4

Imposante Natur und malerische Dörfer – der Harzrundweg

Der Harzrundweg führt auf insgesamt 310 Kilometern um das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. 37 Kilometer davon verlaufen durch den Naturpark Südharz in Thüringen. Auf der Tour durch den Norden des Freistaats müsst ihr mehrere anspruchsvolle Anstiege bewältigen. 600 Höhenmeter liegen zwischen dem Start in Stempeda und dem Ziel in Ellrich.

Das erste Etappenziel ist der heilklimatische Kurort Neustadt. Die 1.000-Einwohner-Stadt liegt unterhalb einer der ältesten Burgruinen im Harz. Das mehr als drei Meter hohe Standbild von Ritter Roland am Ratskeller zählt zu den letzten fünf erhaltenen Roland-Figuren aus Holz in Europa. In Niedersachswerfen empfiehlt sich der sieben Kilometer lange Abstecher in Richtung Süden zur Traditionsbrennerei in Nordhausen.

Auf den Spuren der Bergleute in Schaustollen

Zurück auf dem Harzrundweg geht es weiter nach Ilfeld. In einem Bergtal gelegen, besuchte schon Goethe bei seiner ersten Harzreise den Erholungsort mit seinen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern. In den Besucherbergwerken „Rabensteiner Stollen“ und „Lange Wand“ erfahrt ihr mehr über das Leben der Bergleute, die hier einst Steinkohle und Kupferschiefer abbauten. Vor allem geologisch interessierte Radfahrer sollten kurz hinter Appenrode an der Karsthöhle Kelle halten. Das Naturdenkmal gilt als anschauliches Beispiel für den langsamen Verfall einer Gipskarsthöhle. Schlusspunkt des thüringischen Harzrundweges ist die Kleinstadt Ellrich.

Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Stempeda: Anreise planen.

5

Von Fürsten und Künstlern – der Elster-Radweg

Der 54 Kilometer lange Abschnitt des Elster-Radwegs in Thüringen beginnt in Greiz. Die Park- und Schlossstadt zeichnet sich durch ihren Gegensatz zwischen prächtiger Architektur und der ruhigen Natur des Elstertals aus. Über der Altstadt befindet sich das im Kern mittelalterliche Obere Schloss, direkt am Ufer der Weißen Elster das klassizistische Untere Schloss. Geruhsam flanieren könnt ihr um das Sommerpalais im Greizer Park.

Mit ein paar steileren Anstiegen im Vogtland hinter Greiz überwindet ihr den Großteil der insgesamt rund 500 Höhenmeter. Danach schlängelt sich der Radweg bis zur Landesgrenze bei Crossen überwiegend flach entlang des Flusses. Ein paar Kilometer vor Gera liegt direkt am Weg Wünschendorf mit dem Kloster Mildenfurth und dem Märchenwald.

Auf ein Schwarzbier nach Bad Köstritz

In der Hochschulstadt Gera wandern die Naturinteressierten durch das Museum für Naturkunde und im Anschluss daran durch seinen „Höhler“ genannten Keller: In dem unterirdischen Labyrinth aus Tunneln und Gängen wurde einst Bier gelagert, heute sind hier Mineralien zu sehen. Die Architekturbegeisterten steuern Rathaus und Stadtapotheke, beides mit Renaissance-Elementen, und das vom belgischen Architekten Henry van de Velde entworfene Haus Schulenburg an. Im Geburtshaus von Otto Dix werden dauerhaft wichtige Werke des Malers gezeigt.

Vorbei unter einigen Hügeln folgt der Elster-Radweg dem Fluss bis nach Bad Köstritz. Bekannt ist die 3.500-Einwohner-Stadt für ihre lange Tradition des Schwarzbierbrauens und der ersten Züchtung von Dahlien in Deutschland. Auch der frühbarocke Komponist Heinrich Schütz, ein Vorgänger Bachs, wurde in Bad Köstritz geboren. Nach den Elsterauen erreicht der Radweg seinen thüringischen Endpunkt Crossen.

Und so kommt ihr nach Greiz: Anreise planen.

Titelbild: Auf den Radwegen in Thüringen trifft Natur auf Kultur, wie hier unweit der Dornburger Schlösser © CMR/Joachim Negwer