Nordrhein-Westfalen ist nicht nur in seinen urbanen Zentren höchst lebendig. Auch auf dem Land gibt es jede Menge zu entdecken. Inmitten grüner Landschaften, zwischen Flüssen, Streuobstwiesen und Fachwerkstädtchen, sitzen die herrlichsten Kultur-Ziele. Und viele davon sind echte Geheimtipps: Wasserschlösser und Klöster, Museen für mittelalterliche und zeitgenössische Kunst, römische Ausgrabungen und westfälische Handwerkskunst. Ihr müsst nur noch losfahren!

Typisch Nordrhein-Westfalen: Da radelt man tiefenentspannt auf dem EmsRadweg durchs grüne Münsterland, folgt dem heiteren Mäandern des Flusses durch Wiesen und Wälder... und schon spitzt wieder ein Schloss hinter den Bäumen hervor! Kloster Bentlage ist es diesmal, ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Konvent am Stadtrand von Rheine, der später zu einem Adelssitz umgebaut wurde. Mit Sprossenfenstern und grün lackierten Läden sitzt es einladend unter seinem steilen Dach. Was also tun? Klarer Fall: vom Sattel schwingen, Rad abstellen und gucken gehen.

Und zu gucken gibt es viel im Kloster Bentlage, das heute als kulturelle Begegnungsstätte fungiert. Nicht nur ein liebevoll ausgestattetes Museum über die Kreuzherren, die das Kloster einst begründeten, kann man hier besuchen. Sondern auch reichlich zeitgenössische Kunst: Im LWL-Museum für Kunst und Kultur hängen Werke von Otto Modersohn, dem Begründer der Künstlerkolonie von Worpswede, neben expressionistischen Werken von August Macke und Arbeiten von Christian Rohlfs und Emil Schumacher. Vor lauter Gucken verfliegt die Zeit wie nichts. Moment mal: Wollten wir nicht eigentlich eine Radtour machen?

Kloster Bentlage in Rheine © Tourismus NRW e.V.
Am lin­ken Ufer der Ems, in­mit­ten ei­nes Land­schafts­schutz­ge­bie­tes liegt das Kloster Bentlage, eine der best­er­hal­te­nen mit­tel­al­ter­li­chen Klos­ter­an­la­gen West­fa­lens © Tourismus NRW e.V.

Reichlich romantische Wasserburgen

Aber so ist das eben in Nordrhein-Westfalen: Wer die urbanen Zentren verlässt, wird in ländlichen Regionen mit den schönsten Entdeckungen in Sachen Kunst und Kultur belohnt. Eine Radtour, eine Wanderung oder eine Landpartie mit dem Auto entwickelt sich so schnell zur Schatzsuche in einem Land voller Überraschungen. Moderne Kunstmuseen und uralte Klöster, barocke Parkanlagen und Burgen – alles gibt es, und stets verlockend eingebettet in landschaftliche Schönheit.

Nehmen wir nur die typischen Münsterländer Wasserburgen. Nicht nur Romantiker schmelzen dahin, wenn in der grünen Parkanlage bei Havixbeck Burg Hülshoff auftaucht, 600 Jahre lang Stammsitz der Adelsfamilie Droste zu Hülshoff. Die elegant gegliederten Renaissance-Fassaden spiegeln sich im Wasser, als wäre die Zeit irgendwann im 19. Jahrhundert stehengeblieben.  „Du Vaterhaus mit deinen Thürmen, vom stillen Weiher eingewiegt“, hatte Annette von Droste-Hülshoff gedichtet, die große Poetin, die im Schloss aufgewachsen und der dort ein eigenes Museum gewidmet ist. Auch ein „Center for Literature“ entsteht in dem historischen Gemäuer gerade. Und hier schließt sich der Kreis: Denn Jörg Albrecht, der das Zentrum aufbaut, ist selbst ein junger Schriftsteller…

Eine echte Entdeckung ist die bei Isselburg gelegene Wasserburg. Hier gibt es nicht nur die sehr ansehnliche fürstliche Kunstsammlung mit über 700 Gemälden zu besichtigen, auch der an den Schlosspark anschließende Landschaftspark mit den Namen „Anholter Schweiz“ birgt Überraschungen: Er wurde im 19. Jahrhundert mit alpinen Fels- und Steingärten angelegt. Highlight ist ein Gewässer in Form des Vierwaldstätter Sees. Schweizer Holzchalet natürlich inbegriffen!

Beuys, Kräuter und viele Hortensien

Oft ist es die Kombination aus altem Gemäuer und moderner oder zeitgenössischer Kunst, die bei einer Landpartie durch Nordrhein-Westfalen ins Auge sticht. Das gilt auch für die Urlaubsregion Niederrhein, wo über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche Parks und Schlösser entstanden sind. Die ungekrönte Königin aller historischer Gemäuer ist natürlich Schloss Moyland in Bedburg-Hau. Die neogotische Wasserburg sitzt mit ihren vier wuchtigen, zinnengekrönten Türmen wie ein echtes Märchenschloss inmitten der historischen Gartenanlagen. Über 500 alte Hortensienarten säumen mit ihren bunten Blütenbällen Wege und Alleen, und im großen Kräutergarten duftet es nach Küchenkräutern, Heil- und Arzneipflanzen aus aller Welt. Dazwischen sitzen auffallende, moderne Kunstskulpturen und weisen gedanklich schon den Weg zum Innenleben des Schlosses. Denn das ist alles andere als alt und traditionell.

Denn auf Schloss Moyland dreht sich alles um Joseph Beuys, den 1986 verstorbenen niederrheinischen Ausnahmekünstler und Kunsttheoretiker. Das Schlossmuseum verfügt über die weltweit größte Sammlung von Beuys-Werken – fast 6.000 seiner Papierarbeiten, Skulpturen und Objekte wurden hier zusammengetragen und werden in wechselnden Ausstellungen gezeigt. Angeschlossen an das Museum ist das Joseph Beuys Archiv, eine internationale Forschungseinrichtung, die Teil der Kunstakademie Düsseldorf ist. Das sorgt für ein spannendes Publikum im Schloss. Doch niemand muss Kunsthistoriker sein, um sich von der besonderen Atmosphäre anstecken zu lassen, die aus der Verbindung von altem Gemäuer und quicklebendiger Kunstforschung entsteht. Joseph Beuys wäre 2021 übrigens hundert Jahre alt geworden – Anlass genug, um ihn im ganzen Rheinland mit zahlreichen Sonderausstellungen zu feiern.

Bedburg-Hau Museum Schloss Moyland © Tourismus NRW e.V.
Seit sei­ner Re­stau­rie­rung in den 1990er-Jah­ren ist das neu­go­ti­sche Was­ser­schloss Moyland in Bedburg-Hau ein be­deu­ten­des Mu­se­um für mo­der­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst © Tourismus NRW e.V.

Kurhaus Kleve: Von der Romantik zur “Düsseldorfer Schule”

Eines seiner Ateliers hatte Joseph Beuys übrigens im alten Kurhaus von Kleve. Das kann man heute besuchen, denn es gehört zum Museum Kurhaus von Kleve, das sich durch seine außergewöhnliche Sammlung niederrheinischer Kunst auszeichnet. Sie reicht vom Spätmittelalter über den Barock bis hin zur Romantik, die vor allem in den Arbeiten des Künstlerkreises rund um den niederländischen Maler B.C. Koekkoek präsent ist, der in Kleve lebte. Spannend auch der Nachlass des rheinischen Bildhauers Edwald Mataré, dessen Schüler Beuys war. Und wer Fotografie liebt, kann sich auf großartige Werke von Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth und anderen Künstlern der legendären „Düsseldorfer Schule“ freuen.

Kleve Museum Kurhaus © Tourismus NRW e.V.
Das Museum Kurhaus und alle anderen Villen rund um den Park sind im klassizistischen Stil gehalten © Tourismus NRW e.V.

In Zusammenarbeit mit Tourismus NRW e.V.

Gründe für einen Urlaub in Nordrhein-Westfalen gibt es jede Menge – die lebendigen Städte, die alten Schlösser und Burgen und die einzigartige Natur sind nur ein paar davon.

 

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