Wer braucht schon Afrika, wenn er auch in Nordrhein-Westfalen auf große Safari gehen kann? Zwischen Industriekultur, legendären Fußball-Arenen, Ballungsräumen und UNESCO-Welterbestätten zeigt sich NRW immer wieder von seiner überraschend wilden Seite. Platz für Wildlife ist reichlich vorhanden, schließlich besteht mehr als die Hälfte der Landesfläche aus Wäldern und Wiesen, Gewässern, Feldern und Schutzgebieten. Und wer weiß, wo er suchen muss, der hat gute Chancen, die Stars des nordrhein-westfälischen Wildlifes in ihrem natürlichen Habitat zu erleben. Wir präsentieren: Die Big Five von NRW.

 Flamingos im Zwillbrocker Venn

Was für ein Kompliment! Eine Kolonie exotischer Rosa- und Chileflamingos hat das Zwillbrocker Venn im Münsterland zu seiner Brutstätte erkoren und damit die nördlichste Flamingo-Brutkolonie Europas begründet. Ist ja auch wirklich stimmungsvoll, dieses aus einem Hochmoor hervorgegangene Feuchtgebiet an der Grenze zu den Niederlanden, das mit seinen Seen und Wasserarmen längst zum Natur- und Vogelschutzgebiet erklärt wurde. Auch Lachmöwen halten sich das ganze Jahr über gern hier auf. Die Flamingos dagegen logieren nur von März bis Juli, manchmal bis in den September hinein, im Venn: rosarot und grazil balancieren sie auf einem Bein im Wasser. Ein toller Anblick! Zur Heideblüte zwischen Juli und September hübscht sich der Venn farblich passend auf und lässt sich von einem hinreißenden, lila-rosa Blütenteppich schmücken.

Wisente bei Bad Berleburg

Eigentlich gab es sie schon gar nicht mehr: Wisente, die größten Landsäugetiere Europas, galten als praktisch ausgestorben. Doch dann wurde eine Herde dieser Wildtiere im Rahmen eines Artenschutzprogramms im Rothaargebirge in Siegen-Wittgenstein angesiedelt: Die wuchtigen, braunfelligen und bis zu einer Tonne schwer werdenden Rinder grasen dort ungestört in unberührten Naturlandschaften. Leicht sind sie nicht zu finden, daher empfiehlt sich ein Besuch in der „Wisent-Wildnis“ bei Bad Berleburg. Dort lebte eine weitere Herde in einem geschlossenen, aber naturbelassenen Areal und nie allzu weit entfernt vom 3 Kilometer langen Wanderpfad, auf dem sich die Besucher in aller Sicherheit den „Königen des Waldes“ nähern können.

Wildpferde im Westmünsterland

Pferde sind ein großartiger Anblick. Wildpferde in freier Wildbahn noch viel mehr! Denn eigentlich sind die klugen, gelassenen Tiere in Europa längst verschwunden. Nur im Naturpark Hohe Mark, einem der größten Naturparke Nordrhein-Westfalens, galoppiert noch eine letzte, 400 Kopf starke Wildpferdherde durch das weitläufige Moor-, Heide- und Waldgebiet. Es ist seit vielen Jahrhunderten ihr angestammtes Zuhause. Noch heute sind die Tiere in dem 400 Hektar großen Reservat weitestgehend sich selbst überlassen. Nur einmal im Jahr greift der Mensch ein, dann aber ziemlich aufsehenerregend: Beim Merfelder Wildpferdefang im Mai werden die einjährigen Hengste mit bloßen Händen eingefangen und aus der Herde herausgenommen, um Territorialzwistigkeiten zwischen den Tieren zu vermeiden. Was nebenbei eine ziemlich coole Show für die Besucher ergibt...

Wildgänse am Niederrhein

Ein kuscheliger Flecken Erde ist die Auenlandschaft Bislicher Insel für die Arktischen Blassgänse, die hier jeden Winter der beißenden Kälte ihrer sibirischen Heimat entfliehen. Wenn die Vögel nach ihrem 6.000-Kilometer-Flug Ende Oktober über dem Naturschutzgebiet bei Xanten zur Landung ansetzen, erwartet sie dort mildes Klima, sichere Schlafplätze in ehemaligen Kiesgruben oder in den alten Rheinarmen und ein üppiges Buffet aus Grünpflanzen, an dem sie sich fast rund um die Uhr sattfressen. Schließlich gilt es Kräfte zu sammeln für den Rückflug Ende Februar. An die 25.000 Gänse checken jeden Herbst auf der Bislicher Insel ein und erfreuen Besucher mit prächtigen Flugformationen oder großem Geschnatter. Fernglas nicht vergessen!

Störche im Großen Torfmoor

Wo zieht Familie Storch ihren Nachwuchs groß? Beliebt bei nordrhein-westfälischen Vertretern der rotbeinigen Klappervögel ist die Umgebung des Großen Torfmoors zwischen Wiehengebirge und Mittellandkanal. Weil hier die Landwirtschaft nur sehr sanft betrieben wird, können die Storcheneltern aus den Feuchtwiesen genügend Frösche und andere Leckerbissen zur Fütterung des Nachwuchses herauspicken. Besucher können von Aussichtstürmen aus den Blick über die naturbelassene Feuchtlandschaft mit ihren Tümpeln und Heideflächen genießen und, tja... hoffen, dass der Storch kommt.

Titelbild: © Biologische Station Zwillbrock