Wie wollen wir in Zukunft leben? Warum schenkt Musik uns Kraft? Darf Kunst provozieren? Und was können wir aus der Geschichte lernen? Kultur bringt uns auf neue Gedanken, weckt unsere kreative Energie. Mit ihr können wir jederzeit in fremde Welten reisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Bachhaus Eisenach – let the music play
2. Bauhaus-Museum Weimar – die Welt neu denken
3. Leuchtenburg – wünsch dir was
4. Kunsthaus Apolda – ganz modern
5. Panorama Museum Frankenhausen – Weltentheater
6. Alte Synagoge Erfurt – Geschichte und Geschichten erleben
7. Gedenkstätte Point Alpha – Geschichtsunterricht am Grünen Band
8. Mühlhäuser Museen – ein spannender Rahmen
9. Elisabethenburg in Meiningen – sich in fremde Welten träumen
Im Bachhaus in Eisenach, dem größten Bachmuseum der Welt, kann man versuchen, dem Menschen Johann Sebastian Bach und seiner einzigartigen Musik auf die Spur zu kommen: Man wandelt durch Wohnräume, die zwar nicht die originalen, diesen aber wohl ähnlich sind. Kann handschriftliche Notizen studieren und vor allem auch Bach hören – in einem begehbaren Musikstück mit 180-Grad-Leinwand oder in sogenannten Bubble Chairs mit Kopfhörern. „Bach hat die besten Kompositionstechniken seiner Zeit genommen und sich zu einem Meister darin entwickelt“, sagt Jörg Hansen, der Direktor des Museums. Und: „Man wird mit Bach einfach nicht fertig.“ Ein Besuch im Bachhaus regt dazu an, einmal wieder die wertvolle Kraft großer Musik zu spüren.
Und so kommt ihr mit der Bahn nach Eisenach: Anreise planen.



Wie möchten wir leben, wohnen, Gemeinschaft gestalten? Solche Fragen stellten sich die Lernenden am Staatlichen Bauhaus in Weimar, das 1919 gegründet wurde. Diesen Fragen kann man als Besucher auch gut im neu erbauten, schon architektonisch spektakulären Bauhaus-Museum Weimar nachgehen. Der 2019 eröffnete Bau von Stararchitektin Heike Hanada ist von außen ein schlichter Kubus, von innen aber überraschend luftig und offen. So soll den Besucherinnen und Besuchern ein intuitives Entdecken der Ausstellung erleichtert, werden. In ihrem Mittelpunkt steht die weltweit älteste Sammlung von Arbeiten des Bauhauses, die Walter Gropius noch selbst anlegte. Spannend ist die zentrale These der neu konzipierten Ausstellung: Dass das Bauhaus weniger ein Architektur- oder Designstil war als vielmehr eine Kunstschule, die wichtige gesellschaftliche Veränderungen initiierte.
Weitere Informationen findet ihr hier: Klassiker: Die UNESCO Welterbestätten in Weimar
Und so kommt ihr mit der Bahn nach Weimar: Anreise planen.

Künstler aus der ganzen Welt haben auf der Leuchtenburg bei Seitenroda und unweit der Porzellanstadt Kahla sieben Erlebniswelten rund ums Porzellan entstehen lassen: Die interaktive Ausstellung „Porzellanwelten“ widmet sich dem „Weißen Gold“ in all seinen Facetten – seiner Geschichte, seinem Material und seiner Faszination. Und immer wieder gibt es auch Neues zu entdecken, damit die Schau lebendig und überraschend bleibt. Deshalb urteilt die internationale Jury des Europäischen Museumsrates: „Eine der außergewöhnlichsten und modernsten Ausstellungen!“ Weitere Höhepunkte: die mit acht Metern Höhe weltweit größte Vase ist auf der Leuchtenburg zu bestaunen, eine einzigartige Porzellankirche besichtigen oder auf dem Steg der Wünsche ein Stück Porzellan samt persönlichem Wunsch in den Abgrund werfen. Scherben bringen ja bekanntlich Glück, also lieber gleich was Großes wünschen …
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Das Kunsthaus Apolda zeigt wechselnde Ausstellungen mit Werken von internationalem Rang – von klassischer Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst. Ob Roy Lichtenstein, Marc Chagall oder Salvador Dalí: Das vom Verein ‚Apolda Avantgarde' betriebene Haus stellt seit über 30 Jahren hochkarätige, viel beachtete Ausstellungen auf die Beine. Was gerade zu sehen ist, lässt sich auf kunsthausapolda.de nachlesen. Das Kunsthaus Apolda wird vom Verein „Apolda Avantgarde“ betrieben und stellt seit vielen Jahren hochkarätige, viel beachtete Ausstellungen auf die Beine.
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Noch im Auftrag der DDR malte der Künstler Werner Tübke in den 1980er-Jahren für das Panorama Museum in Bad Frankenhausen ein 123 Meter langes Monumentalgemälde mit dem Titel „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Was der Leipziger Künstler an jenem Ort schuf, an dem 1525 eine große Bauernkriegsschlacht tobte, ist jedoch keine sozialistische Interpretation der Geschehnisse. Es entstand vielmehr ein Meisterwerk über die Grundthemen der Menschheit – über Geschichte und Glaube, über Leid, Lust, Liebe, Gut und Böse. Im Mittelpunkt steht bei Tübke Thomas Müntzer unter einem leuchtenden Regenbogen. Die Bundschuh-Flagge hält er gesenkt. Das runde, riesige Gemälde ist ein opulenter Bilderreigen voller Anspielungen und Zitate. Der Leipziger Kunstprofessor an der Hochschule für Grafik und Buchdruck integrierte das Gedenken an die Toten des Bauernkriegs in ein Weltentheater voller Anspielungen und Kunstzitate. Es macht Spaß, gerade jetzt dieses Kunstwerk zu entschlüsseln und darüber nachzudenken, ob Geschichte eine bedrückende Wiederkehr des Gleichen ist – oder eben doch nicht!?
Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Bad Frankenhausen: Anreise planen.



Seit über 900 Jahren gehört jüdisches Leben zu Thüringen – und nirgendwo lässt sich das eindrucksvoller erleben als in der Alten Synagoge in Erfurt, einem der bedeutendsten Museen der Landeshauptstadt. Das Gebäude ist die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Mitteleuropas, mit Bauspuren, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Seit 2023 trägt das Ensemble aus Alter Synagoge, mittelalterlicher Mikwe und Steinernem Haus den Titel UNESCO-Weltkulturerbe – eine längst verdiente Auszeichnung für ein außergewöhnliches Zeugnis jüdischer Geschichte mitten in Europa.
Herzstück der Dauerausstellung ist der sogenannte Erfurter Schatz, der 1998 zufällig bei Bauarbeiten in der Stadt entdeckt wurde: Über 3.000 Silbermünzen, silberne Barren und mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst – darunter ein einzigartiger jüdischer Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert, der zu den kostbarsten Objekten seiner Art weltweit zählt. Die Alte Synagoge erzählt aber nicht nur durch ihre Exponate: Das Gebäude selbst ist ein Museum, das seine eigene wechselvolle Baugeschichte sichtbar macht. Ergänzt wird die Dauerausstellung regelmäßig durch Sonderausstellungen rund um jüdische Kultur, Geschichte und das Erfurter Welterbe. Weitere Infos zur jüdischen Kultur und Geschichte in Thüringen gibt es hier.

An einem authentischen Ort der Geschichte macht die Gedenkstätte Point Alpha den Kalten Krieg und die deutsche Teilung erlebbar. Point Alpha war einer von vier US-Beobachtungsstützpunkten an der hessischen innerdeutschen Grenze zwischen Geisa in Thüringen und Rasdorf in Hessen. Der Standort ist leicht erhöht – das war damals gut, nicht nur wegen der Fernsicht, sondern auch zum Abhören des Funkverkehrs. Heute umfasst der Komplex nicht nur den amerikanischen Stützpunkt, sondern auch einen Streifen der originalen DDR-Grenzanlagen und das „Haus auf der Grenze“ mit einer Dauerausstellung. Teile des ehemaligen Kolonnenweges sind heute der Wanderweg „Point-Alpha-Weg“ und Standort der Kunstinstallation „Weg der Hoffnung“ mit vierzehn monumentalen Skulpturen.
Und so kommt ihr mit Bus und Bahn zum Point Alpha in Geisa: Anreise planen.




Schwerpunktmäßig widmen sich die fünf Mühlhäuser Museen mit ihren verschiedenen Standorten der Geschichte Mühlhausen und der Region sowie Thomas Müntzer, dem Reformator und Bauernkriegsführer, der hier gewirkt hat. Besonders eindrucksvoll: das Museum St. Marien mit der Müntzergedenkstätte. In der Hauptkirche der Oberstadt, die nach dem Erfurter Dom die zweitgrößte Hallenkirche Thüringens ist, wird mittelalterliche Kunst ausgestellt – es wird dort aber auch an den wichtigen Sohn der Stadt erinnert. Weitere Museen sind das Kulturhistorische Museum, das Bauernkriegsmuseum in der Kornmarktkirche, die Historische Wehranlage und das Museum Allerheiligenkirche. Das Besondere? Drei der Museen sind in Kirchen untergebracht, man kann also nicht nur die Kulturschätze studieren, sondern auch die alten, sakralen Bauten auf sich wirken lassen. Und das Thema Bauernkrieg ist ja durchaus auch aktuell, denn es konfrontiert uns nicht zuletzt mit der Frage: Wie kann man Wünsche nach Veränderung auf friedlichere Weise durchsetzen, als den Menschen das damals gelang?
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Wer sich in die Welt des großen Theaters träumen möchte, findet in der Elisabethenburg in Meiningen eine besondere Anlaufstelle. Mit der dortigen Ausstellung „Zauberwelt der Kulisse“ werden dort jährlich aufwendige Bühnenbilder der legendären Theatertruppe „Die Meininger“ gezeigt, die unter dem Theaterherzog Georg II. Ende des 19. Jahrhunderts durch Europa tourte und den Ruf Meiningens als Theaterstadt begründete. Derzeit ist dort das Bühnenbild „Antike Säulenhalle“ von 1910/11 aus William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ zu sehen. Dazu gibt es ein eindrucksvolles Szenenlichtprogramm mit eingesprochenen Textpassagen zum Bühnenbild. Es ist dort also alles fast so schön wie im „echten“ Theater.
Und so kommt ihr mit Bus und Bahn nach Meiningen: Anreise planen.

Titelbild: Thüringen hat viele authentische Kulturstätten – wie zum Beispiel das Bachhaus in Eisenach © Ingo Bracke/Bachhaus Eisenach GmbH
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