Er war ein Visionär, ein Ästhet und Fantast mit erstaunlich fortschrittlichen Ideen. Trotz seiner Regierungspflichten lebte er in seiner eigenen Traumwelt: Der menschenscheue König Ludwig II. wurde nur 41 Jahre alt, hinterließ aber vier fantastische Bauwerke in Bayern. Eine Tour durch die weltbekannten Schlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee, Linderhof und das Schachenhaus auf 1866 Metern Höhe.

Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein steht oberhalb von Hohenschwangau bei Füssen im südöstlichen bayerischen Allgäu. Es zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Schloss Linderhof

Die „Königliche Villa“ ist in der oberbayerischen Gemeinde Ettal im südlichen Bayern zu finden. Das Schloss und die Gartenanlagen mit ihren Parkburgen sind für Besucher zugänglich.

Neues Schloss Herrenchiemsee

Das auf Herrenchiemsee – der größten Insel des Chiemsees im südlichen Bayern – gelegene Schloss wurde unter dem sogenannten Märchenkönig Ludwig II. nach dem Vorbild des Schlosses von Versailles bei Paris erbaut.

Königshaus am Schachen

Das Königshaus liegt in 1866 Meter Höhe am Berg Schachen südlich von Garmisch Partenkirchen im Wettersteingebirge. Es ist nur über einen 3 bis 4  stündigen Fußmarsch zu erreichen.

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Das verrückteste Bauprojekt im 19. Jahrhundert: Schloss Neuschwanstein

Den Bauplatz für sein erstes Schloss hatte sich König Ludwig II. schon in seiner Kindheit ausgespäht: einen zerklüfteten, 200 Meter hohen Felsen am Rande der Berge bei Füssen im Allgäu. Nicht weit davon entfernt wuchs er im Schloss Hohenschwangau auf, bis er mit 18 Jahren nach dem plötzlichen Tod seines Vaters den Thron besteigen musste. Im Jahr 1869, da war Ludwig 24 Jahre alt, begann er mit dem Bau von Neuschwanstein. Von außen sollte sein neues Schloss wie eine mittelalterliche Ritterburg aussehen. Die mehr als 200 Räume plante er jedoch prunkvoll im Stil der Romanik, Gotik und byzantinischen Kunst, ausgestattet mit den neuesten technischen Errungenschaften.

Bis zu seinem Tod 1886 konnte längst nicht alles fertiggestellt werden. Doch was es zu besichtigen gibt, sprengt jede Vorstellungskraft: der sakral wirkende Thronsaal mit byzantinischen Kuppelbauten, der Sängersaal mit beeindruckenden Wandgemälden über die Parzival-Sage, eine spektakulär beleuchtete Grotte im Schloss oder sein geschnitztes Prunkbett aus Eichenholz im Schlafzimmer. Zu seiner wahr gewordenen Traumwelt, in der der König nur 172 Nächte verbrachte, gehörte auch eine hochmoderne Küche, eine Warmluftheizung und industrielle Stahlzargenfenster.

Eine Besichtigung des Schlosses ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Ohne Eintrittsgebühr hingegen ist die Marienbrücke über der Pöllatschlucht zu erreichen, von der aus ihr den besten Blick samt Fotospot auf die Fantasieburg mit ihren spitzen Türmen und weißen Mauern sowie die umgebende Berg- und Seenlandschaft habt. Die Brücke war übrigens ein Geburtstagsgeschenk von Ludwigs Vater für seine Frau, die die Berge sehr liebte.

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Das kleine Lieblingsschloss: Schloss Linderhof

Lustschlösschen im Rokoko-Stil: Im Vergleich zu anderen Bauprojekten von König Ludwig II. ist Schloss Linderhof ein kleines Gebäude, eine Art persönliches Refugium des Königs. In seinem schneeweißen Lieblingsschloss in den Ammergauer Alpen auf 1000 Metern Höhe soll der exzentrische Monarch viel Zeit verbracht haben. Hier erschuf er sich ab 1870 eine Fantasiewelt: Optische Täuschungen sowie Licht- und Spiegeleffekte lassen die goldverzierten Räume mit Wandbehängen und Gemälden, Samt und Seide, Kristallleuchtern und feinem Porzellan größer und kostbarer wirken.

In der nach französischem Vorbild designten Gartenanlage mit Brunnen und einer 22 Meter hohen Wasserfontäne befinden sich auch ein Maurischer Kiosk mit Pfauenthron, ein Marokkanisches Haus und die berühmte Venusgrotte. Ein „Sesam-öffne-dich-Felsen“ führt in die künstlich angelegte Tropfsteinhöhle mit See und Wasserfall. Ludwig II. ließ sie nach Szenen aus der Oper „Tannhäuser“ seines Freundes Richard Wagner erbauen. Auch hier war der bayerische Regent seiner Zeit voraus: Die Grotte wurde mit elektrischen Bogenlampen beleuchtet. Den dafür nötigen Strom erzeugten zwölf Dynamos in einem Maschinenhaus – eines der ersten deutschen Elektrizitätswerke.

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Die Understatement-Hütte: Königshaus am Schachen

Ein eher schlichtes Holzhaus thront mitten im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen über den Wolken: Von außen ist dem honigfarbenen Ständerbau nicht anzusehen, warum es Königshaus oder Jagdschloss am Schachen genannt wird und als eigenwilligstes Bauprojekt Ludwigs II. gilt. Die fünf Wohnräume im Untergeschoß sind mit Zirbenholz getäfelt und mit einfachen Möbeln aus Eichenholz ausgestattet. Doch eine Wendeltreppe ins Obergeschoß entführt in eine Märchenwelt aus Tausendundeiner Nacht. Ludwigs Reich aus dem Morgenland besteht aus einem Türkischen Saal mit goldverzierten Wänden, einem Springbrunnen mitten im Raum, bestickten Diwanen, Räucherpfannen und Glasfenstern mit bunten Ornamenten. An der Decke glitzern Sterne und ein riesiger goldener Kronleuchter.

In dem um 1870 erbauten Holzhaus feierte der König seine Geburts- und Namenstage, genoss die Ruhe und Einsamkeit und den Blick auf das Zugspitzmassiv. Wer die einmalige Kombination aus Orientalik und Bayern auf 1866 Metern Höhe besuchen will, sollte fit sein. Denn das Königshaus ist nur zu Fuß bei einer einer dreistündigen Wanderung oder mit dem Mountainbike zu erreichen.

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Das bayerische Versailles: Schloss Herrenchiemsee

Das letzte Bauwerk von König Ludwig II. war zugleich sein kostspieligstes: Es soll so viel wie Neuschwanstein und Linderhof zusammen verschlungen haben, obwohl es bis zu seinem Tod längst nicht vollendet war. Da der bayerische Herrscher ein großer Verehrer des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. war, wollte er diesem ein Denkmal setzen und sich selbst sein persönliches Schloss Versailles schaffen, in spektakulärer Lage mitten auf dem Chiemsee.

Dazu kaufte er die größte Insel des Chiemsees, Herrenwörth – heute: Herrenchiemsee, und begann 1878 mit dem Bau seiner prächtigsten Residenz. Den Versailler Spiegelsaal übertrumpfte er mit einer 75 Meter langen Spiegelgalerie um zwei Meter Länge, mit goldverzierten Stuckarbeiten, 17 riesigen Wandspiegeln und 33 Deckenlüstern. Das Prunktreppenhaus und das Paradeschlafzimmer machen noch heute sprachlos: Das Schlafgemach war mit einem drei auf zweieinhalb Meter großen und vergoldetem Bett mit Baldachin, edelsten Textilien und Bildhauerarbeiten das teuerste Zimmer des 19. Jahrhunderts, auf den heutigen Euro umgerechnet soll die gesamte Ausstattung rund drei Millionen gekostet haben. Technische Raffinessen baute der Märchenkönig in Herrenchiemsee natürlich auch ein, beispielsweise sein mechanisch betriebenes Tischlein deck dich – ein Speisetisch, der in die Küche abgesenkt werden und dort gedeckt werden konnte. Wie im Märchen wirkt auch die Fahrt zum Schloss: Mit dem Dampfer geht es von Prien über den Chiemsee und weiter mit einer Kutsche zum Schloss, stets die bayerischen Berge vor der Nase.

Titelbild: Wahr gewordene Vision eines Märchenschlosses – Neuschwanstein im Sonnenuntergang © denis_333 - stock.adobe.com

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