Von unterirdischen Solequellen bis hoch hinauf auf den Gipfel des Predigtstuhls: Die Kleinstadt Bad Reichenhall liegt in den Berchtesgadener Alpen am südöstlichsten Zipfel Bayerns und überrascht mit einem eigenen Philharmonie-Orchester, der ältesten im Original erhaltenen Großkabinenseilbahn der Welt, dem schönsten Modehaus der Republik und vielen kostenlosen Wellness-Möglichkeiten.

Bad Reichenhall

Die 18.000-Einwohner-Stadt liegt im Reichenhaller Becken an der Saalach. Ihre Geschichte ist eng mit der Gewinnung von Salz aus Sole verknüpft ist. Hausberge sind der Predigtstuhl und der Hochstaufen.

Samstagmorgen: Nostalgie und Frühstück am Berg

Der Predigtstuhl ist Bad Reichenhalls Hausberg und mit seinen 1584 Metern dem Himmel ganz schön nah. Die drei- bis vierstündige und anspruchsvolle Bergtour auf den Gipfel erspart ihr euch, indem ihr mit der ältesten, im Original erhaltenen Großkabinenseilbahn der Welt hinaufschwebt - mit der „Grande Dame“. Die 1928 erbaute Predigtstuhlbahn mit ihren roten „Salonwagen“ in Pavillonform ist eine Nostalgiebahn wie aus dem Bilderbuch. Sie steht weltweit als einzige Seilbahn unter Denkmalschutz.

Bei ihrer Inbetriebnahme übertraf sie alle bis dahin gebauten Seilbahnen an Eleganz, Geschwindigkeit und Kühnheit und galt als vollkommene Seilschwebebahn. Ihre gesamte Antriebs- und Maschinenanlage funktioniert seit 1928 rein mechanisch und bis heute einwandfrei. Alles befindet sich noch im Originalzustand. Mit einer Geschwindigkeit von 18 Kilometern pro Stunde bringt sie euch in achteinhalb Minuten über teilweise 75-prozentige Steigung hinauf auf den Predigtstuhl. Schon während der Fahrt habt ihr einen spektakulären Ausblick auf die schroffen Felsen des Predigtstuhls und die Chiemgauer Berge. Oben angekommen wartet ein Frühstück in ganz besonderem Ambiente auf euch: Das Bergrestaurant wurde zeitgleich mit der Seilbahn erbaut und verströmt den Charme der goldenen 1920er-Jahre. Auf der Sonnenterrasse wie auch auf den Wanderwegen hinauf zum Gipfel habt ihr einen fantastischen Fernblick bis weit hinein in die österreichischen Alpen.

Samstagmittag: Shoppen im schönsten Modehaus der Republik

Nach so viel Natur ist es Zeit für einen Stadtbummel: Beim Flanieren durch den historischen Stadtkern trefft ihr automatisch auf die zwei Kilometer lange Fußgängerzone. Hier liegt das Kaufhaus „Juhasz“, das zum schönsten Modehaus Deutschlands und einem der Top 5 der Welt gekürt wurde (Öffnungszeiten am Samstag von 9.30 bis 17 Uhr). Allein die Innengestaltung ist ein Hingucker – die Innenräume haben Sichtbetondecken, eichenholzvertäfelte Wände und einen Design-Estrich mit eingeätzten Mustern. Zur stilvollen Shopping-Atmosphäre trägt auch die Einbindung der alten Stadtmauer von Bad Reichenhall in die moderne Architektur des Modehauses bei.

Samstagnachmittag: Ab in die Alpensole!

Schwere Beine nach dem Shoppingausflug? Ja, jetzt kommt Entspannung! Diese heißt in Bad Reichenhall Rupertus Therme – nach dem Schutzpatron des Salzbergbaus, dem heiligen Rupert von Salzburg – und hat täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Das örtliche Heilmittel, die Alpensole, wird direkt aus den Solequellen unter der Stadt ins Thermalbad gepumpt und auf die Aktiv-, die Liegebecken und die Dampfbäder verteilt. Die natürliche Alpensole pflegt die Haut, lockert Muskeln und Gelenke und stärkt das Immunsystem. Die 32 bis 40 Grad warmen Innen- und Außenpools sind auf die Bereiche „Therme & Wellness“ sowie „Sport & Familie“ verteilt und bieten traumhafte Ausblicke auf die Berge. Im integrierten Laist-Salz-Zentrum könnt ihr auch Behandlungen mit Laist, dem mineralhaltigen Alpensole-Schlick, ausprobieren. Das Naturheilmittel soll straffen, entwässern und die Mikrozirkulation der Haut anregen. Laist hilft auch bei Hautirritationen und stärkt die Abwehrkräfte.

Entspannung pur – ein Besuch in der Rupertustherme Bad Reichenhall © C. Strom - stock.adobe.com

Samstagabend: Konzert der Philharmoniker

Bad Reichenhall hat 19.000 Einwohner – und ein eigenes Philharmonie-Orchester mit 40 Profimusikern. Die Tradition des einzigen philharmonischen Kurorchesters Deutschlands reicht 150 Jahre zurück. Ihr hohes spielerisches Niveau zieht Künstler aus der ganzen Welt an. Seit Dezember 2020 leitet der junge US-amerikanische Dirigent und Pianist Daniel Spaw, der international große Anerkennung genießt, das Orchester. Kurkonzerte finden in den Sommermonaten in der Konzertrotunde und im Pavillon im Königlichen Kurgarten statt.

Reizvoller Spielort des Philharmonie-Orchesters Bad Reichenhall – die Konzertrotunde im Kurgarten © alexpolo - stock.adobe.com

Sonntagmorgen: Staunen in der Alten Saline

Auf den Spuren des weißen Goldes: Die Alte Reichenhaller Saline ist eine der ältesten bestehenden Binnensalinen Europas, das wichtigste historische Gebäude im Ort und dazu ein Industriedenkmal. Sie ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Hier bekommt ihr über- und unterirdisch einen faszinierenden Einblick in die jahrtausendalte Salzgeschichte der Gegend. Führungen dauern 45 Minuten und führen über einen 400 Meter langen Weg mit 200 Treppenstufen durch das weit verzweigte unterirdische Stollensystem. Dort herrscht ganzjährig eine konstante Temperatur von zwölf Grad. Sehenswert unter Tage sind die Salzgrotte und die Karl-Theodor-Pumpe. Wollt ihr mehr übers Salz wissen? Dann seht euch das angeschlossene Salzmuseum und den Salzshop an, wo ihr tolle Mitbringsel erwerben könnt.

Sonntag(nach-)mittag: Fußmassage und Gradierhaus

In der Alten Saline findet ihr auch ein liebevoll gestaltetes Restaurant, das Salin. Seine Sonnenterrasse gilt als die schönste der Stadt. Das Ambiente verbindet Moderne mit Historie, und auch die Küche lässt scheinbar gegensätzliche Pole wie salzig und süß oder exotisch und vertraut miteinander verschmelzen. So viel Genuss ruft fast schon nach dem nächsten Wohlgefühl. Dieses entdeckt ihr bei einem kleinen Spaziergang gegenüber dem Königlichen Kurgarten. Im Ortenaupark gibt es nämlich kostenlose Fußmassagen – und zwar auf dem Barfußpfad. Zieht eure Schuhe und Strümpfe aus und nehmt bewusst das Auftreten auf Stein, Holz oder Rindenmulch wahr.

Auch für eure Lunge wartet im Kurpark ein Gesundheitsprogramm: das Gradierhaus. Das 1912 im Königlichen Kurgarten erbaute Gebäude gilt als das weltgrößte Alpensole-Freiluft-Inhalatorium. In dem 160 Meter langen, überdachten Bau sind rund 100.000 Reisigbündel bis zu einer Höhe von 13 Metern aufgeschichtet. Über sie rieseln täglich rund 400.000 Liter Alpensole, die an den Zweigen der Schwarzdornbündel zerstäuben und ein winziges, lungengängiges Aerosol produzieren, das bis in die tiefsten Atemwege vordringt. Die eingeatmete Alpensole-Luft reinigt eure Atemwege, wirkt entzündungshemmend und befeuchtet die Bronchien. Dadurch schwellen die Atem-Schleimhäute ab, regenerieren sich und die Durchblutung wird angeregt. Die beste Inhalationswirkung erzielt ihr, indem ihr eine halbe Stunde an der vom Wind abgewandte Seite – dort, wo die Alpensole nicht rieselt – langsam und ruhig durch die Nase atmend entlang spaziert. Das Gradierwerk ist im Winter geschlossen, von 1. April bis 31. Oktober geöffnet.

Sonntagabend: Jackpot knacken und tanzen in der Spielbank

Krönender Abschluss des Kurztrips: Wenn ihr ein paar feine Klamotten dabei habt und mindestens 21 Jahre alt seid, dann versucht doch euer Glück in der Spielbank. In dem architektonisch außergewöhnlichen Gebäude werden nicht nur Roulette, Black Jack oder Poker angeboten, sondern auf der Eventbühne „Cultino“ auch Kabarett und im Club „Oceans“ einmal im Monat Club Nights mit DJs. Die Geschichte der Spielbank geht bis in die Mitte der 1950er-Jahre zurück, als Bad Reichenhall als Badeort und wegen seiner traumhaften Lage in den Berchtesgadener Alpen immer beliebter wurde.

In den Abendstunden könnt ihr in der Bad Reichenhaller Spielbank eurer Glück versuchen © Studio Romantic - stock.adobe.com

Titelbild: Stadt des weißen Goldes – Bad Reichenhalls Geschichte ist auch die Geschichte jahrhundertelangen Salzabbaus © Sina Ettmer - stock.adobe.com

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