Wie wir wissen, kann der Schwabe alles – außer Hochdeutsch und Langeweile. Hier kommen unsere Höhepunkte aus einer spannenden Stadt zwischen Spätzle, Sportwagen und Schlossromantik:

Schlossplatz

Wilhelma

Porsche Museum

Mercedes-Benz Museum

Weissenhofsiedlung

Stuttgarter Wasen

Kunstmuseum Stuttgart

Markthalle

Schloss Solitude

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Schlossplatz

Nicht so häufig, dass so ein Schlossplatz fast wichtiger ist als das Schloss selbst. In Stuttgart ist das der Fall. Seine zentrale Lage in der Fußgängerzone und seine romantisch-weitläufige Ausstrahlung machen den Stuttgarter Schlossplatz zu einem Treffpunkt von Spaziergängern, chillenden Studenten oder akrobatisch ambitionierten Künstlern, die hier ständig in Bewegung bleiben. Natürlich lebt der Schlossplatz auch von seinem Rahmen: Das alte und das neue Schloss, das Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz und die imposante Jubiläumssäule von 1841 zu Ehren von Wilhelm I. sind die ehrwürdigen Kulissen des Platzes, der allerdings auch schon mal für weltlich-politische Zwecke genutzt wird: Fast alle großen Demonstrationen gegen das Stuttgart 21-Projekt endeten auf Stuttgarts populärstem Platz. 

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Wilhelma

Nimmt man die nackten Besucherzahlen als Beweis, dann ist der Stuttgarter Zoo, die Wilhelma, nach dem Berliner Zoo der beliebteste Tierpark in Deutschland. Insgesamt leben etwa 11.000 Tiere und 1.200 Tierarten in dem zwischen 1842 und 1853 zum Teil als maurischer Garten angelegten Zoo im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Die Besonderheit der Wilhelma: Das fast 30 Hektar große Gelände ist nicht nur Tierschau, sondern auch ein Botanischer Garten mit 160 Baumarten und einer Vielzahl an Pflanzen, beispielsweise Orchideen, Fuchsien, Kamelien und Azaleen. Wie es sich für einen Zoo gehört, der jährlich anderthalb Millionen Menschen anzieht, ist auch das gastronomische Angebot beachtlich: Das Amazonica bietet Exotisches vom Lavagrill genauso wie schwäbische Spezialitäten. 

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Porsche- und Mercedes-Museum

Stuttgart ist eine Autostadt mit gleich zwei ganz großen Namen: Mercedes Benz und Porsche lassen in Stuttgart ihre edlen Kutschen fertigen und beeinflussen auf diese Weise das soziale und ästhetische Leben der schwäbischen Talkessel-Metropole spürbar. Kein Wunder, dass sich jede der beiden Weltfirmen ein eigenes Museum gönnt: Porsche hat seines in Zuffenhausen 2009 eröffnet und zeigt dort annähernd 100 seiner schnittigen Karossen, zudem gibt es ein interaktives Konzept, damit der Besucher die brüllenden Sportwagen auch einmal in Bewegung erleben und hören kann. Das Mercedes-Benz-Museum wiederum ist schon allein von außen ein Hingucker. Das imposante Gebäude des Museums stammt aus dem niederländischen Architekturbüro Ben van Berkel. Drinnen befinden sich mehr als 160 Fahrzeuge auf neun Ebenen – eine Menge Mercedes‘ auf kleinem Fleck. Das Mercedes-Benz-Museum ist mit Abstand das meistbesuchte Museum in Stuttgart.

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Weissenhofsiedlung

So stellte man sich 1927 die Zukunft des Wohnens vor: Die Weissenhofsiedlung war ein innovatives Bauprojekt, das auch heute noch begeistert © CMR/Gregor Lengler

Auch Spott muss man sich verdienen: Als 1927 in Stuttgart-Killesberg 17 europäische Architekten und Künstler die hypermoderne Weissenhofsiedlung erbauten – im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ – wurde das Ergebnis vom Volksmund entweder als „Vorstadt Jerusalems“ oder „Schwäbisch Marokko“ bezeichnet. Nach dem Krieg sind von den einst 21 Gebäuden nur noch 11 erhalten geblieben. Die stehen heute unter Denkmalschutz und sind Ziel zahlreicher Besucher, die das unter Leitung von Mies van der Rohe entstandene Ensemble bewundern. Im Herbst 2006 entstand im Le Corbusier Haus – dem einzig öffentlich zugänglichen Haus der Siedlung – das Weissenhofmuseum, das mit dem benachbarten Haus von Le Corbusier zum UNESCO Welterbe geadelt wurde.

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Stuttgarter Wasen

Der Cannstatter Wasen ist seit 1818 ein großes Volksfest im Herbst – und war ursprünglich einmal ein landwirtschaftliches geprägtes Fest. Das hat sich, nun: verändert. Aufgrund der vielen Fahrgeschäfte in Bad Cannstatt erzählt man in Stuttgart heute gern, dass es sich bei dem „Wasen“ um das größte Schaustellerfest Europas handle. Und 3,5 Millionen Besucher 2019 sind ja auch beachtlich. Das Münchner Oktoberfest allerdings, nur zur Einordnung, empfing 2019 über sechs Millionen Besucher. Ansonsten kann man aber getrost davon ausgehen, dass man auch in Stuttgart auf seine Kosten und auf einen gescheiten Feier-Rausch kommt, falls man derartige Vergnügungen schätzt. 2021 startet der Cannstatter Wasen am 24. September und endet am 10. Oktober. Wer es lieber eine Spur gesetzter mag: Man kann in Bad Cannstatt auch außerhalb der Wasen-Zeit eine Weintour buchen. 

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Kunststadt Stuttgart

Allein der kubische Gebäude-Würfel ist einen Blick wert: Der Neubau des Kunstmuseums Stuttgart von 2005 am Schlossplatz war nicht unumstritten. Doch das gilt ja häufiger für Gebäude im öffentlichen Raum, die sich nicht auf den ersten Blick und sofort in die Umgebung einpassen: Im Kunstmuseum selbst sind rund 20.000 Exponate zum Beispiel von Dieter Roth oder Markus Lüpertz zu sehen, zudem die wohl größte Otto-Dix-Sammlung der Welt. Abgerundet wird das erfolgreiche Konzept des Hauses von der feinen Küche im „Cube“-Glashaus mit Blick über Stuttgart. Ebenso modern und meisterhaft gegen den Mainstream gebürstet gibt sich der Erweiterungsbau der Staatsgalerie des Architekten James Stirling, der zu den Glanzstücken der Postmoderne in Deutschland gehört. Zu sehen im Museum: Malerei und Skulpturen seit der Zeit des Hochmittelalters. 

Mehr Infos zu Kunst in Stuttgart gibt es hier.

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Markthalle

Besser essen im „Schöner Wohnen“-Ambiente heißt das Motto für die Markthalle in Stuttgart. Wer Zeit für einen kleinen Ausflug ins Paradies der schwäbischen und internationalen Leckereien hat, dürfte hier glücklich werden: Das helle Jugendstilgebäude – Baujahr 1914 - im Zentrum Stuttgarts allein ist schon einen Besuch und ein Foto wert. In der Halle warten dann 33 Händler an ihren Ständen mit regionalen und internationalen, oft Bio-Spezialitäten auf die geneigte Kundschaft. Natürlich kann man auch gleich vor Ort speisen: Ob Italiener (Empore), schwäbische Traditionsküche (Marktstüble) oder Tapas Bar – hungrig muss hier niemand heim. Dass die Markthalle sich selbst als schönste Markthalle Deutschlands feiert, sei ihr verziehen. Wir kennen nicht alle, ahnen aber: Viel Konkurrenz hat dieser weiße Riese wirklich nicht. 

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Schloss Solitude

Schloss Solitude im Sonnenaufgang_Stuttgart
Ursprünglich war der Bau eines einfachen Jagdsitzes geplant – letztendlich wurde ein prunkvolles Lustschloss erschaffen © AdobeStock/ Thomas

Schon tagsüber zeigt sich der Rokoko-Prunkbau von seiner prächtigsten Seite – allein die geschwungene Außentreppe erzeugt das Gefühl von Luxus und Macht. Tatsächlich gilt das Jagd- und Landschloss als eines der beliebtesten Ausflugsziele in Stuttgart, was u. a. auf die einzigartigen Wandgemälde oder Säle wie den Marmorsaal, das Rote Kabinett und das Palmenzimmer zurückzuführen ist. Eine Führung empfiehlt sich, um die vielfältigen Reize im Inneren dieses Palastes – knapp 10 Kilometer außerhalb des Zentrums – zu verarbeiten. Andere Motive stecken hinter der beliebten Nachtführung auf Schloss Solitude. Im Rahmen einer knapp 90-minütigen Führung wird ein besonderes Erlebnis zwischen Grusel, Romantik, Tragik und Humor versprochen. Einzige Lichtquelle: Taschenlampen. Na wenn da nicht Hui Buh, das Schlossgespenst auftaucht … 

Mehr Infos zu Schloss Solitude gibt es hier.

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Bohnenviertel

Als Dorf im Dorf wird das Bohnenviertel mit liebevollem Spott zuweilen bezeichnet. Es wurde im 15. Jahrhundert als erstes Wohnquartier außerhalb der Stuttgarter Stadtmauern erbaut und – daher der Name – hauptsächlich von armen Leuten bewohnt, die vor ihren Häusern Bohnen anbauten. Heute gilt das Bohnenviertel als Mischung aus gehobener Wohnlage und Anziehungspunkt eines alternativen Publikums, das die zahlreichen Trödelläden, Kneipen und Restaurants mit Leben füllt. Markantester Punkt des Bohnenviertels dürfte der Schellenturm sein, der letzte von der Stadtmauer erhaltene Turm. Ein Glück – heute befindet sich darin ein vorzügliches Lokal mit schwäbischer Küche auf hohem Niveau. Weitere gastronomische Anlaufpunkte: Zur Kiste, die älteste Weinstube der Stadt mit Kachelofen und Ahnengalerie. Oder Der Zauberlehrling, ein Boutiquehotel mit feiner Küche (ein Guide Michelin Stern) und einer eigenen Kochschule. 

Titelbild: Mittelpunkt Schlossplatz: Von hier aus sind das Neue Schloss, das Kunstmuseum, die Markthallen und das Bohnenviertel schnell erreicht © SMG/ Werner Dieterich

Geschrieben von Harald Braun

Der Reise- und Kulturjournalist Harald Braun, gebürtiger Rheinländer, lebt in Schleswig-Holstein auf dem Land, flüchtet im Winter regelmäßig nach Australien, mag den FC St. Pauli, Südtirol und immer häufiger auch ausgewählte Ecken in Deutschland, die er neuerdings entdeckt – wie den Hafenkran „Greif“ vor der Elbphilharmonie, in dem man vorzüglich übernachten kann.

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