Weltoffen, rustikal und herzlich: Das Image von Hamburg wird vom Hafen, der Alster und ein bisschen auch von der Reeperbahn geprägt – zehn Dinge, die man in Hamburg gemacht haben sollte! 

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Ein Besuch der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie: Nicht mal 5 Jahre alt und trotzdem schon eines der beliebtesten Wahrzeichen der Stadt © Mediaserver Hamburg /Cooper Copter GmbH

„Die Elbphilharmonie ist das schönste Schiff, das nie in See stechen wird“, sagte Elphi-Intendant Christoph Lieben-Seutter über das wohl spektakulärste Gebäude, das in den letzten 50 Jahren in Hamburg gebaut wurde. Ziemlich teuer natürlich und auch viel später fertig als geplant, aber anders als der Berliner Flughafen hat das fertige Konzerthaus in der Hamburger Hafencity mit seiner soliden Backsteinbasis und dem gläsernen Tempel on top die Welt gleich in ihren Bann gezogen –  und Hamburg ein neues Wahrzeichen verschafft. Seit ihrer Eröffnung im November 2016 sind die Konzerte in der Elphi beinahe immer ausverkauft und das programmunabhängig – nur weil jeder mal da gewesen sein und mit eigenen Augen sehen will, was am Ende des Tages 866 Millionen Euro gekostet hat. Der Anblick der Elphi, vor allem in der Abenddämmerung, ist tatsächlich atemberaubend. Unser Tipp: Wer das einen ganzen Tag und eine Nacht haben will, sollte unbedingt einmal im Hafenkran am Sandtorkai übernachten – in diesem smart eingerichteten Oldtimer-Kran namens „Greif“ schaut man vom Doppelbett direkt auf Hamburgs neue Perle. Ungewöhnlich originell! 

Mehr Infos zur Elphi gibt es hier.

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Ein Tag am Hamburger Hafen

„Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt“, sang Lotto King Karl lange Zeit live vor jedem Heimspiel des Hamburger Sportvereins, was jetzt zwar nicht unbedingt zum Erfolg des geplagten Zweitligisten beitrug, trotzdem vollinhaltlich in Ordnung geht. Zu den Orten, an denen die frische, windbewegte und raue Schönheit der Hansestadt auf die denkbar spektakulärste Weise zu sehen ist, gehört sicher der Hamburger Hafen. Wir empfehlen auf jeden Fall einen Besuch der Landungsbrücken, dem Hamburger Tor zur Welt. (Nur nicht unbedingt beim Hafengeburtstag, da drücken sich jährlich im Mai etwa eine Million Besucher am Hafen herum.) Stattdessen zu ruhigeren Zeiten unsere Empfehlung: Macht einen Spaziergang durch den Alten Elbtunnel – er geht bei den Landungsbrücken los und ist ein nostalgisches Erlebnis. Wenn ihr früh aufstehen (oder lange feiern) könnt, empfiehlt sich sonntags ein Besuch des Fischmarktes – eine Mischung aus Party und folkloristischer Verkaufsveranstaltung (achtet auf Aale-Dieter!), die in der Fischauktionshalle an der Großen Elbstraße ihr Zentrum findet. 

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Ein Abend auf der Reeperbahn

Die Große Freiheit ist eine der bekanntesten Seitenstraßen der Reeperbahn © Mediaserver Hamburg/ Konstantin Beck

Ohne Hans Albers kommen wir am Kiez nicht vorbei: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, sang der Schutzpatron der fröhlichen Zecherei auf St. Pauli einst und beschwor darin die besondere Atmosphäre aus Seefahrer-Sentiment und lasziver Unterhaltung für Erwachsene, die seit jeher auf der Reeperbahn zu spüren ist. In diesen Tagen hat sich das einst verrufene Viertel längst zu einem weitaus braveren, aber immer noch funkelnden Vergnügungsviertel gemausert, in dem Musicalhalle neben Sexshop, Spezialitäten-Restaurants neben wilden Kaschemmen friedliche Ko-Existenzen eingegangen sind. Höhepunkt für so manchen Reeperbahn-Besucher ist auch heute noch ein kleiner „Nur gucken, nicht anfassen“-Trip durch die Herbertstraße, in der Sexarbeiterinnen aus aller Welt ihre Reize im Schaufenster ausstellen. Aber Vorsicht: Dieses Vergnügen ist nur Herren vorbehalten, Frauen werden auf der Herbertstraße nicht gern gesehen. Beliebt sind hier auch die vielen unterschiedlichen Führungen, die einen Blick hinter die Kulissen der sogenannten sündigen Meile der Reeperbahn gewähren. Wir empfehlen die Kieztouren von St. Paulis bekanntester Drag Queen Olivia Jones. 

Mehr Infos zur Reeperbahn gibt es hier.

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Eine Runde um die Alster

Wenn man in Hamburg über „die Alster“ spricht, meint man nicht unbedingt dasselbe – es gibt in der Innenstadt ja gleich zwei künstliche, nah beieinander liegende Seen, die beide auf den Namen Alster hören. Macht aber nichts, denn sowohl die Binnenalster am zentralen Jungfernstieg wie auch die ungleich größere Außenalster, die hinter der Kennedybrücke beginnt, gehören zu den absoluten Lieblingsplätzen in der Stadt. Wird am Jungfernstieg oder am Ballindamm an der Binnenalster eher geshoppt – hier sind einige der edelsten Marken beheimatet – dreht sich an der Außenalster alles um Leibesübung und Sightseeing. Man flaniert entweder auf dem 7,4 Kilometer langen Rundkurs um die Alster herum und bewundert die klassischen Hamburger Villen oder joggt die schicke Strecke zusammen mit ein paar hundert anderen Läufern ab, die zur gleichen Zeit auf diese Idee gekommen sind. Auf der Außenalster ist es zudem möglich, auf einer „Alster Jolle“ zu segeln – im Sommer ein bezauberndes Bild mitten in der Stadt. Ebenfalls eine legendäre Institution am Alsterufer: Bodos Bootssteg am Harvestehuder Weg – wer das hanseatisch-knurrige Personal goutiert, erhält hier am schönsten Ort überhaupt entweder ein Boot, einen Liegestuhl oder einen prima Kaffee. 

Mehr Infos zu Hamburgs Alster gibt es hier.

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Einmal feiern im Schanzen- oder Karoviertel

Die Beckstraße ist eine der hübschesten Verbindungsstraßen zwischen dem Karo- und dem Schanzenviertel © Adobestock/Blaubach Fotografie

Neben der eher toughen Feiermeile rund um Reeperbahn und Hans-Albers-Platz auf St. Pauli dürfte das Gebiet um die „Schanzen-Piazza“ im Schulterblatt der beliebteste Spot für das traditionell aktive Hamburger Flanier- und Partypublikum sein. Rund um das autonome Zentrum Rote Flora – seit 1989 besetzt und umstritten – haben sich Trendcafés wie das Transmontana, Kneipen wie das Urgestein Saal II, Craft-Braugasthäuser wie das Alte Mädchen oder Restaurants wie die lässige Hatari Pfälzer Stube etabliert, wobei es bei der riesigen Anzahl an guten Läden und Boutiquen im Schanzen- und Karoviertel schon fast wieder unfair ist, einige von ihnen hervorzuheben. Was allerdings bei der gerade völlig neu hergerichteten Bullerei von Haudegen-Koch Tim Mälzer trotzdem sein muss – diese Mischung aus Edelrestaurant und Fabrikrummel ist tatsächlich noch mal etwas ganz Besonderes.

Mehr Infos zum Schanzenviertel gibt es hier.  

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Einmal chillen am Elbstrand

Zu den Fragen, die sich vermutlich nicht endgültig klären lassen, gehört diese: Hat Hamburg nun einen richtigen Badestrand oder nicht? Wenn es nach den vielen Gästen geht, die sich bei schönem Wetter am Sandstrand Övelgönne sonnen – am besten noch in Sichtweite des legendären Kultimbiss Strandperle – ist die Antwort eindeutig. Na klar: Övelgönne und der breite Sandstrand am Falkensteiner Ufer vor Blankenese hielten schließlich auf den ersten Blick jedem Beach-Contest stand. Das Problem: Direkt erlaubt ist das Baden in der Elbe nicht – gefährliche Strömungen durch den Dickschiffverkehr und nicht ganz so sauberes Wasser halten die meisten Chillaxer an der Elbe davon ab, auch bei heißem Wetter in die kühlen Fluten zu steigen. Als Ausflugstipp sind die Sandstrände mitten im Stadtgebiet aber beliebt und unbedingt empfehlenswert. Und wer baden will – in den Randbezirken Hamburgs gibt es viele Möglichkeiten dazu. 

Mehr Infos zu Hamburgs Badeseen findet ihr hier.

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Einmal Bahnfahren in der Speicherstadt

Neben Elbphilharmonie und Musicals gehört dieses Wunderwerk der Miniatur-Technik zu den größten Anziehungspunkten Hamburgs: das Miniatur Wunderland in der Speicherstadt, die größte Modelleisenbahn der Welt. Seit dem Jahr 2000 wurde sie von den Brüdern Gerrit und Frederik Braun auf 1500 Quadratmetern nach unterschiedlichen Themen aufgebaut, schon bis 2016 empfing man dort 15 Millionen Besucher – und der Ausbau der Miniatur-Welt schreitet weiter voran. Und wer schon mal in der Speicherstadt ist: Die wuchtigen Backsteingebäude an den Elbfleeten zwischen Baumwall und Oberhafen bilden den weltgrößten historischen Lagerhauskomplex und gehören seit 2015 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ein im wahrsten Sinne des Wortes schräger Gastro-Tipp rundet den Besuch ab: In der windschiefen, aber sehr charmanten Oberhafenkantine unter einer Eisenbahnbrücke am Rande der Speicherstadt gibt’s traditionelle Hamburger Hauskost aus regionaler Produktion. 

Mehr Infos zur Speicherstadt gibt es hier.

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Entspannen in den Hamburger Parks

Möglicherweise ist das Planetarium ja da schönste Gebäude im gesamten Stadtpark, das beliebteste Sternentheater Deutschlands ist es auf jeden Fall: „Himmelsmaschine“ und „Kosmos-Simulatoren“ locken jährlich hunderttausende Besucher in den imposanten ehemaligen Winterhuder Wasserturm. Nicht die einzige Attraktion des Hamburger Stadtparks, der 1914 eröffnet und auf knapp 150 Hektar zur beliebtesten Grünfläche im Hamburger Norden wurde. Neben zahlreichen Skulpturen, einem Pilgerweg und einem Baumlehrpfad ist vor allem die Freilichtbühne im Stadtpark im Sommer ein Anziehungspunkt für Besucher und Liebhaber von Rock & Pop-Konzerten: Das „grüne Wohnzimmer der Stadt“ gehört zu den schönsten Freilichttheatern Deutschlands. Ein weiterer beliebter Outdoor-Fixpunkt Hamburgs ist der rund 50 Hektar große Park mitten in der Innenstadt: Planten un Blomen heißt die mit kleinen Seen, zahlreichen Blumenwiesen und Themengärten geschmückte Anlage gleich neben Fernsehturm und Messezentrum. 

Hier gibt es mehr Infos über den Stadtpark.

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Ein Blick vom Aussichtsturm des Michels

Vom 132 Meter hohen Turm des Michels hat man eine tolle Aussicht über Hamburg. Am Abend ist es dort oben besonders schön © AdobeStock/foto-select

Sozusagen das Old-School-Wahrzeichen von Hamburg, nachdem die Elbphilharmonie die neuen Zeiten eingeläutet hat: Der „Michel“, wie er in Hamburg liebevoll genannt wird, ist die Hauptkirche St. Michael zwischen Hafen und Innenstadt. Seine Bekanntheit verdankt der Michel in erster Linie dem 132 Meter hohen Turm der Kirche, in dem man auf 82 Meter Höhe nach einem nicht unbeschwerlichen Aufstieg über 452 Stufen eine Aussichtsplattform erreicht, die den wohl schönsten Blick über Hamburg bietet. Für Freunde des wohlgefälligen Komforts: Es gibt auch einen Aufzug. Wer Hamburg bei Nacht auf wunderbare Art leuchten sehen will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder ihr nehmt an einer der beliebten Nacht-Michel-Führungen teil oder ihr bewegt euch genau einen Kilometer weiter Richtung Reeperbahn und findet euch im Empire Riverside Hotel ein. Dort ist die 20 Up Skyline Bar im 20. Stock des Gebäudes – und hier gehen bodentiefe Glasfenster und funkelnde Cocktails eine wirklich reizvolle Verbindung ein … .

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Kunst & Kultur erleben

Das Museum für Kunst und Gewerbe liegt nur wenige Schritte vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt © MKG HAMBURG/Marcelo Hernandez

Zentraler geht’s kaum: Die Hamburger Kunsthalle zeigt auf 13.000 Quadratmetern bedeutende Kunstsammlungen aus der Zeit ab dem 13. Jahrhundert bis in die Jetztzeit. Und das in einem Gebäudekomplex in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs, der durch seine Lage fast zwangsläufig zu einem Hotspot der Hamburger Kulturlandschaft wurde. Neuerdings befindet sich auch der ehrwürdige Rowohlt Verlag im Hamburger Bieberhaus mit Blick auf, erneut: den Hauptbahnhof, aber auch auf das unter Tom Stromberg lange umstrittene, aber stets gut besuchte Hamburger Schauspielhaus. Nicht mal einen Kilometer entfernt liegt dann auch schon das renommierte Museum für Kunst und Gewerbe. Auch gastronomisch ist St. Georg – der Stadtteil, an dem all diese Kulturstätten sich um den Hauptbahnhof versammelt haben – ein ergiebiges Jagdgebiet. Exemplarisch für die Vielzahl an guten Restaurants und Bars empfehlen wir euch das Café Gnosa und dort die Birnentart sowie das fein-verspielte Restaurant Cox, beide in der Langen Reihe. 

Titelbild: Den besten Blick auf das Hamburger Rathaus habt ihr von der Binnenalster aus © www.juliaschwendner.com

Geschrieben von Harald Braun

Der Reise- und Kulturjournalist Harald Braun, gebürtiger Rheinländer, lebt in Schleswig-Holstein auf dem Land, flüchtet im Winter regelmäßig nach Australien, mag den FC St. Pauli, Südtirol und immer häufiger auch ausgewählte Ecken in Deutschland, die er neuerdings entdeckt – wie den Hafenkran „Greif“ vor der Elbphilharmonie, in dem man vorzüglich übernachten kann.