Eine kunterbunte Kunstgasse, das traditionsreiche Schnoorviertel, ein mega-kultiges Quartier, und Highlights rund um den schönen Marktplatz – in Bremen gibt es weit mehr als nur die bekannten tierischen Stadtmusikanten zu entdecken. Hier fünf Sehenswürdigkeiten, die jeder gesehen haben muss.

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Das UNESCO-Welterbe Rathaus und Roland

Es ist das Schmuckstück am Marktplatz, der „guten Stube“ von Bremen: das vor über 600 Jahren errichtete und bis heute fast unveränderte Rathaus. Der gotische Bau wurde zwischen 1405 und 1409 errichtet und die davorgesetzte Renaissance-Fassade mit üppiger Steinmetzkunst 1612 fertiggestellt, mit Reliefs, Fabeltieren und Figuren, so weit das Auge reicht. Nicht minder prächtig ist das Innere. Unbedingt ansehen: die Güldenkammer, die vom Künstler Heinrich Vogeler im reinsten Jugendstil gestaltet wurde. Die Obere Halle ist Bremens Festsaal und dient heute unter anderem als Kulisse für die berühmte Schaffermahlzeit, das älteste Brudermahl der Welt.

Seit 2004 zählt das Rathaus zum UNESCO-Welterbe, genau wie sein Nachbar, der Roland. Diese 10 Meter hohe Skulptur steht mitten auf dem Marktplatz, trägt gewelltes Haar, Kettenhemd und Schwert – so wacht sie seit 1404 über die Freiheit und Rechte der Stadt. Sie stellt den Neffen Karls des Großen dar, den man im Mittelalter als Volksheld feierte, und wurde von den UNESCO-Experten zum schönsten Rolanddenkmal Deutschlands erklärt. Zum Abschluss kann man dann gut den Bremer Ratskeller besuchen – dort werden seit 1405 deutsche Weine ausgeschenkt.

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Die Bremer Stadtmusikanten

Die Geschichte von Esel, Hund, Katze und Hahn auf der Suche nach dem Glück machte Bremen einst berühmt: Seit 1953 erinnert eine Bronzestatue an das Märchen der Bremer Stadtmusikanten © WFB/Jens Hagens

Jeder will sie sehen, diese kauzigen Musikfreaks. Westlich vom Rathaus steht die berühmte Tierpyramide aus Esel, Hund, Katze und Hahn. Sie versinnbildlicht das Märchen von vier Haustieren, die sich aufmachten, ihr Glück zu finden. Das war zu einer Zeit, als eine Flucht in die Stadt als Ausweg aus der Knechtschaft galt. 1819 wurde das Märchen der Bremer Stadtmusikanten erstmals von Jacob und Wilhelm Grimm notiert. Die Geschichte der vier wilden Gesellen machte Bremen berühmt – und das, obwohl die Tiere in der Legende gar nicht bis in die Hansestadt kamen.

In Folge irrten immer wieder Besucher durch die City auf der vergeblichen Suche nach den berühmten Vier. 1951 gab der Bremer Verkehrsverein daher dem Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) den Auftrag, eine Skulptur zu schaffen. Heute zählen die Bremer Stadtmusikanten zur Nummer Eins der Sehenswürdigkeiten und zum ersten Selfie-Stop. Übrigens: Wer die beiden bronzenen Vorderläufe des Esels umfasst, dem bringt das Glück, so heißt es. Wobei man dabei Hygienemaßnahmen nicht außer acht lassen sollte…

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Der Schnoor, Bremens ältestes Viertel

Der Name Schnoor bedeutet auf Plattdeutsch so viel wie Schnur. Kein Wunder, denn hier reihen sich Bürgerhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert wie an der Perlenkette aneinander. Nur gut 300 Meter Luftlinie vom Marktplatz entfernt liegt Bremens ältestes Stadtviertel. In den engen Gassen sorgen kleine Läden, Kunsthandwerker-Ateliers, Cafés und Restaurants für ein charmantes Flair. In der Wüstestätte Nr. 5 etwa findet sich das historische „Hochzeitshaus“ – im Mittelalter benutzten Paare vom Land diese Adresse zur Eheschließung. Mit seinen gerade mal 48 Quadratmetern ist es heute eines der kleinsten Hotels der Welt.

Für Unterhaltung im Schnoor sorgen unter anderem das Packhaustheater, das Theaterschiff Bremen sowie das Geschichtenhaus. Letzteres hat den Beinamen „lebendiges Museum“. Besucher werden hier nämlich während der Besichtigung von Akteuren begleitet, die dabei alte Bremer Persönlichkeiten darstellen. Darunter ist auch Heini Holtenbeen (Holzbein), der von 1835 bis 1909 im Schnoor lebte und nur Platt sprach. Durch einen Unfall hatte er ein steifes Bein, was ihm seinen Spitznamen einbrachte – und er war stadtbekannt, weil er auf dem Marktplatz stets Tabak schnorrte. Nahe der Weser erinnert heute ein Denkmal an dieses Original.

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Die Kunstmeile Böttcherstraße

Bremens expressionistische Kunstgasse wurde vom hiesigen Kaffeekaufmann Ludwig Roselius ins Leben gerufen. Der Mann, der den koffeinfreien Kaffee in Bremen erfand, wünschte sich für seine Stadt ein Ensemble aus Handel, Kunst und Genuss. Zwischen 1922 und ’31 wurde sein Wunsch von den zwei Architekten und dem Bildhauer Bernhard Hoetger umgesetzt. Die Häuser an der 108 Meter kurzen Böttcherstraße waren damals weitgehend marode und sollten eigentlich abgerissen werden. Roselius ließ sie nach und nach instand setzen und verwandelte die Straße so in ein Gesamtkunstwerk aus Architektur und traditionellem Handwerk.

In dem altbremischen Patrizierhaus des 16. Jahrhunderts mit den Hausnummern 6 bis 10 verbirgt sich heute das Ludwig Roselius Museum, das Kunst und Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zum Barock zeigt. Auch das Paula Modersohn-Becker Museum hat hier einen festen Platz, die Malerin (1876–1907) gilt als Wegbereiterin der Moderne und bekam in der Böttcherstraße als erste Frau der Welt eine eigene Dauerausstellung. Ebenfalls schön anzusehen und zu hören ist das Haus des Glockenspiels – zu jeder vollen Stunde erklingen 30 Meißner Porzellanglocken, und parallel dazu rotieren zehn geschnitzte Holztafeln an der Hausfront, die alte Seefahrer zeigen.

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Das alternative Quartier „Viertel“

Hinter dem Weserdeich beginnt Bremens alternatives Quartier, das unter Hanseaten einfach "Viertel" heißt © WFB/Jonas Ginter

Wer es weniger touristisch mag, sollte einmal ins „Viertel“ spazieren. Vom Ostertorsteinweg geht es hinein in dieses alternative Quartier. Schon ein farbenfroh gespraytes Chamäleon an einer Hausfront nahe des Bremer Theaters macht klar: Dieses Viertel ist bunt! Street Art ist dort überall zu finden.

Individuelle Läden, Cafés, vegane Restaurants, Secondhand-Shops, Kulturzentren und Programmkinos gibt es hier ohne Ende. Viele Bars und Kneipen locken abends die Partygänger. Das „Bermuda-Dreieck“ aus den Straßen Fehrfeld, Römerstraße und Humboldtstraße zählt zu den Top-Ausgehmeilen, die Dichte an Kneipen und die Schnapsvariationen sind hier enorm hoch. Bremen-Neulinge müssen unbedingt einen Krabeldiwandenuff im „Eisen“ probieren – so heißt eine Kneipe im Sielwall 9, die seit über 25 Jahren Punk und Rock’n’Roll spielt und genau wie der Schnaps ein echtes Unikum ist.

So kommt ihr mit der Bahn nach Bremen: Anreise planen.

Rathaus und Roland

Die Bremer Stadtmusikanten

Der Schnoor

Die Kunstmeile Böttcherstraße

Das „Viertel“

Titelbild: Die Tierpyramide der Bremer Stadtmusikanten westlich des historischen Rathauses ist das Wahrzeichen der Hansestadt an der Weser © WFB/Michael Bahlo