Amrum, Föhr, Nordstrand, Pellworm oder Sylt – unser Autor Harald Braun mag irgendwie alle Nordfriesischen Inseln. Seine Top-Sehenswürdigkeiten in der gebotenen Kürze:

Inhaltsverzeichnis
1. Amrum
2. Föhr
3. Pellworm
4. Nordstrand
5. Sylt

1

Amrum

Hinlänglich bekannt dürfte inzwischen sein, dass es auf die Größe nicht ankommt. Im Falle des Amrumer Kniepsands allerdings … Der 15 Kilometer lange und 1,5 Kilometer breite Hochsand, der geologisch nicht mal zu Amrum gehört, wird jedenfalls von den Insulanern gerne als größter Strand Europas gefeiert. Ganzjährig als Wander- und Joggingstrecke beliebt, wird der Kniepsand im Sommer zum Wasser-Spielplatz für die ganze Familie. Doch Amrum ist kein One-Trick-Pony: Wer die Energie aufbringt, eine Fahrradtour um die Insel zu machen, was angesichts der überschaubaren Größe Amrums kein Hexenwerk ist, wird merken: Hier gibt’s einiges zu sehen. Das Vogelschutzgebiet Amrum-Odde zum Beispiel, zwei Kilometer lang, 200 Meter breit und umgeben von einer schicken, 40 Meter hohen Dünenlandschaft. Oder das Surfrevier am Norddorfer Strand – die Spezialisten von der Surf- und Segelschule Amrum sorgen dafür, dass dort alle Spaß und gutes Material haben. Alternative Möglichkeit gesucht, sich sportlich zu betätigen? Der 1875 erbaute Amrumer Leuchtturm verfügt über eine Aussichtsplattform, von der aus man bei gutem Wetter bis nach Helgoland schauen kann. Der Preis für diese schöne Aussicht: 295 Stufen … Noch ein wenig älter als der Leuchtturm ist die Alte Mühle in Nebel, 1770 erbaut und heute vor allem bei Hochzeitspaaren beliebt, die sich in dem 1964 eröffneten kleinen Museum trauen lassen. Das offizielle Heimatmuseum Amrums aber ist das „Öömrang Hüs“ , ein um 1750 herum ebenfalls in Nebel erbautes, überaus schickes Friesenhaus. Wer „Die abenteuerliche Geschichte des Amrumer Kapitäns Hark Nickelsen“ kennenlernen möchte, ist hier genau am richtigen Ort. Wobei – das gilt ja irgendwie für ganz Amrum. 

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Föhr

Palmen sind auf den ersten Blick bei Ankunft mit der Fähre zwar keine zu sehen, aber ansonsten versteht man den Spitznamen der Insel: Das nur 82 Quadratkilometer große Föhr wird im Volksmund als Friesische Karibik bezeichnet. Vermutlich sind das milde Golfstrom-Klima und der weiße Sandstrand dafür verantwortlich. Und natürlich die maritime Gesinnung des gemeinen Inselbewohners: „Gummistiefel statt Gucci, das reicht hier am Deich“, textet ein Rapper zu stimmungsvollen Föhr-Impressionen mit dem Titel „Sehnsucht“, die als Video auf der Tourismusseite der Insel gezeigt werden, oder auch: „Kragen hoch, Kopf frei, alles ist gut.“ Tatsächlich ist Föhr eine Insel für Aktivurlauber: Über 200 Kilometer ausgewiesene Fahrradwege können hier erkundet werden, und wer sein Bike auf der Insel leihen möchte, hat genau 19 (!) Möglichkeiten, das zu tun. Und damit man nicht planlos über die Insel schwebt, haben die Föhrer Kollegen schon mal fünf  Themenrouten vorbereitet, die allen unterschiedlichen Bedürfnissen der Besucher gerecht werden sollten: Auf der mit 42 Kilometern längsten „Eilun“-Tour geht’s einmal rund um die Insel, Historiker werden die „Föhrer Zeitzeugen“-Tour schätzen, „Klaar Kimming“ macht in Natur, der „Kunstweg“ – Überraschung – in Kunst und bei der „Schlemmerpartie“ sollte man aufpassen, dass es bei dieser Radtour nicht zu einem Kalorienüberschuss kommt …  Weitere Sehenswürdigkeiten auf Föhr sind sicher die drei Insel-Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert sowie die beiden Museen der Insel, das „Museum „Kunst der Westküste“ sowie das Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museum in Wyk. (Der Mann war Arzt und Naturforscher, in Indien geboren, auf Wyk/Föhr gestorben …) Museen, Kirchen, Radwege – so weit, so gut. Wirklich überraschende Sehenswürdigkeiten aber sind zweifellos der Planetenweg, der auf 11 Kilometern zwischen Wyk und Utersum Wissenswertes über unser Sonnensystem vermittelt, Geo-Caching inklusive. Und natürlich Hinrichsens Familienfarm, wo man vermutlich den besten Bio-Burger Norddeutschlands bekommt, wo das Husumer Protestschwein lebt und wo man, Applaus, Applaus, in der farmeigenen Distillery den Föhrer Inselwhisky braut (und verkostet). Pflichttermin! 

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Pellworm

Von Hamburg nach Pellworm sind es gerade mal zwei Stunden. Warum Pellworm trotzdem ein wenig unter dem Radar fliegt? Ganz einfach: Weil die drittgrößte der Nordfriesischen Inseln eher zur Entspannung aufruft und die dazu passenden Gemüter anzieht; Menschen, die in der Natur zu Hause sind, die das Watt und die stillen Wanderungen im Wattenmeer lieben. Pellworm erobert die Herzen seiner Besucher nicht im Sturm, sondern mit der Ruhe, die ja bekannterweise immer vor dem Sturm kommt … Was Pellworm nicht hat: einen Sandstrand. Badeurlauber werden sich also selten hierher verirren. Dafür aber verfügt Pellworm über einen acht Meter hohen Deich, der einmal um die Insel herum geht – und mit ihm ein schicker Radrundweg, der aktiven Radsportlern in die Karten spielt. An klassischen Sehenswürdigkeiten wäre wohl am ehesten die Alte Kirche St. Salvator zu nennen, ein romanisches Gotteshaus, das im zwölften Jahrhundert erbaut wurde (Führungen zwischen Mai und Oktober jeden Mittwoch um 10 Uhr). Auch der Leuchtturm Pellworms ist ein beliebter Anlaufpunkt für Touristen – dort warten Leuchtturmwärter auf geneigte Besucher, um ihnen die ein oder andere Geschichte über Pellworm zu erzählen. In 37 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform, 140 Stufen sind zu bewältigen. Ein paar Schritte mehr muss man schon investieren, um mit dem Insel-Postboten Knut Knutsen (er heißt wirklich so!) eine Barfuß-Tour im Wattenmeer auf die Hallig Süderoog zu unternehmen. Zweimal in der Woche macht er sich mit der Post auf seinen ungewöhnlichen Weg. 

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Nordstrand

Fragt man einen gebürtigen Nordstrander, ob er sich eher als Insulaner oder doch als Festländer betrachtet, erntet man mit großer Sicherheit bloß einen überraschten Blick. Die Antwort wird eindeutig ausfallen: Als Insulaner natürlich. Daran ändert auch der Damm nichts, der Nordstrand mit dem Festland verbindet und das „grüne Herz des Wattenmeeres“ an Husum andockt. Nordstrand ist für seine gute Luft bekannt und firmiert deshalb auch ganz offiziell als Nordseeheilbad. Und an der frischen Luft ist man auch, wenn man eines der ungewöhnlichsten Freizeitangebote wahrnimmt, die auf Nordstrand angeboten werden: Mit der Kutsche geht es durchs Wattenmeer auf die Hallig Südfall, bewohnt genau von zwei Menschen. Zwei! Wer sich im Urlaub seinen frischen Fisch selbst aus der Nordsee holen möchte, kann das am Holmer Siel oder im Angelteich im Kurzentrum Nordstrand erledigen oder bei der Schützengilde mit dem Luftgewehr schießen. Die – und andere –  Freizeitvergnügungen bieten die kernigen Nordstrander ihren Gästen unter der Rubrik „für echte Kerls“ an … Und für Schietwetter hat man in Nordstrand sogar einen Dr. Lux Escape Room eröffnet, in dem sich Denksportler mit Agenten-DNA erproben können. Letzter Tipp, der wunderbar zu dieser kuriosen Insel passt: Am Hafen von Strucklahnungshörn – einem wichtigen Spot im touristischen Leben von Nordstrand – hat sich genau ein Imbiss niedergelassen. Auf der Suche nach einem reißerischen Namen ist er auf friesische Art fündig geworden: Fischbrötchen steht über dem Laden lakonisch. Dafür muss man Nordstrand einfach feiern.

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Sylt

Seit zwei Jahren gibt es eine feine Möglichkeit, ganz Sylt an einem einzigen Tag kennen zu lernen – allerdings nur für Leute, die sich was trauen: Beim Megamarsch Sylt geht es darum, die Insel binnen 24 Stunden einmal komplett zu umwandern – was so ziemlich genau 100 Kilometer am Stück wären. Wer dieses Wagnis eingeht, wird auf die harte Tour erkennen, wie abwechslungsreich und vielfältig die bekannteste nordfriesische Insel sich seinen Besuchern präsentiert. Vielleicht wird man Menschen auf Pferden im herrlichen Naturschutzgebiet der Braderuper Heide erleben, wird Cabrio-Fahrer im Sylter Nobeldorf Kampen in der Whiskeymeile am Strönwei in ihrem natürlichen Habitat beobachten oder das Naturparadies Rantumer Becken erleben können, den 576 Hektar großen Brackwassersee südöstlich von Westerland und Brut- und Raststätte für Zehntausende von Vögeln. Möglicherweise landet man ja auch in der Kampener Kupferkanne, wo man hinter blühenden Rhododendren einen Blick auf gewaltige Reetdachvillen und das Wattenmeer genießt, den besten Blechkuchen der Insel vor sich auf dem Teller. Oder man schafft es bis ans Südende der Insel nach Hörnum, wo mit dem Budersand nicht nur das schickste und hipste Hotel der Insel lockt, sondern mit Felix Gabel im Kai 3 auch der beste Koch der Insel. Im Hörnumer Becken wartet dann noch Kegelrobbe Sylta darauf, dass Besucher sich erbarmen und ihr ein paar Heringe ins Wasser werfen – sie ist nach dem Ableben ihrer berühmten Kollegin Willi vermutlich die prominenteste Robbe an der Nordsee. All das und viel mehr erlebt man an einem einzigen Tag auf Sylt, dieser ganz besonderen Insel, die seit jeher auch ein Anziehungspunkt für VIPs und deren Fans aus aller Welt ist. Wie sagte Deutschlands elegantester Playboy Gunter Sachs: „Ich fühle mich in Sylt immer wie ein Affe im Zoo – aber mit lieben Besuchern.“ 

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Einsamer Srandabschniit auf Föhr © Adobestock/helmutvogler

Geschrieben von Harald Braun

Der Reise- und Kulturjournalist Harald Braun, gebürtiger Rheinländer, lebt in Schleswig-Holstein auf dem Land, flüchtet im Winter regelmäßig nach Australien, mag den FC St. Pauli, Südtirol und immer häufiger auch ausgewählte Ecken in Deutschland, die er neuerdings entdeckt – wie den Hafenkran „Greif“ vor der Elbphilharmonie, in dem man vorzüglich übernachten kann.

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