Rheinland-Pfalz

Sternenpark Pfälzerwald: Zum Schutz der Dunkelheit

Unsere Erde strahlt immer heller ins Weltall hinaus, ständig wachsender Beleuchtung in Städten und Kommunen sei Dank. Umgekehrt sind von unten am Nachthimmel oft kaum noch Sterne erkennbar, weil es einfach nicht mehr dunkel genug wird. Dieser Lichtverschmutzung will man nun vielerorts begegnen – zum Beispiel mit dem Sternenpark Pfälzerwald, wo auch in Herbst und Winter Führungen und Workshops angeboten werden.

Mächtige Bäume ragen in den Abendhimmel, in duftenden Wäldern wachsen Buchen, Eichen und Ahorn genauso wie Kiefern und anderes Nadelgewächs. Dazwischen mäandern plätschernde Bäche, weite Talwiesen sind Lebensraum seltener Pflanzenarten. Eine artenreiche Tierwelt lebt im Pfälzerwald, das reicht vom Luchs über die Wildbiene bis hin zu Kormoran und Silberreiher, die im Winter vorbeischauen. Wegen seiner großen Artenvielfalt und des besonderen Vorbildcharakters ist Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet von der UNESCO längst als Biosphärenreservat anerkannt, bildet mit dem Naturpark Nordvogesen das einzige grenzüberschreitende Biosphärenreservat Deutschlands.

Aus Satelliten-Perspektive betrachtet ist der Pfälzerwald bei Nacht eine große dunkle Fläche inmitten der hell leuchtenden Städte und Knotenpunkte von Rheinland-Pfalz. Wer auf einer Lichtung zwischen den Bäumen nach oben schaut, kann sich am gewaltigen Sternenzelt erfreuen, die Milchstraße entdecken – so wie das unsere Vorfahren über Jahrhunderte taten, die die Himmelskörper auch zur Navigation nutzten. Heute wird der ungehinderte Blick auf die Sterne zur Ausnahme. Über unseren Städten ist der bedeckte Himmel bis zu 1500 Mal heller als der natürliche Nachthimmel, so dass oft nur noch wenige Sterne erkennbar sind. Ein großer Teil der Weltbevölkerung muss mittlerweile mit solcher Lichtverschmutzung leben. Der Pfälzerwald aber ist bis heute weitgehend frei davon, und das soll auch so bleiben.

Während einer Nachtwanderung entfalten die Naturwunder des Pfälzerwaldes, hier der Teufelstisch von Hinterweidenthal, einen ganz besonderen Reiz © David Hajnal/Shutterstock.com

Der Blick auf die Milchstraße – leider etwas getrübt durch die Lichter der Stadt Bad Dürkheim © David Hajnal/Shutterstock.com

Während einer Nachtwanderung entfalten die Naturwunder des Pfälzerwaldes, hier der Teufelstisch von Hinterweidenthal, einen ganz besonderen Reiz © David Hajnal/Shutterstock.com

Der Blick auf die Milchstraße – leider etwas getrübt durch die Lichter der Stadt Bad Dürkheim © David Hajnal/Shutterstock.com

Neben großflächigen Waldgebieten prägen Bäche, Felsblockhalden sowie verschiedene offene, zum Großteil unbewaldete Landschaften mit Wiesen, Heckenzügen, Feldgehölzen und Streuobstbereichen das Biosphärenreservat Pfälzerwald. Schon jetzt sind die Kernzonen des Großschutzgebietes zur Heimat zahlreicher scheuer Tiere sowie hochspezialisierter Pflanzen- und Pilzarten geworden. Und so habt ihr hier mit etwas Glück die Möglichkeit, Feuersalamander, Bachneunauge, seltene Libellen oder eine der zahlreichen Fledermausarten zu beobachten.

Die Schönheit des Pfälzerwaldes könnt ihr auch aktiv erleben. Ein Netz gut ausgebauter Wanderwege führt an alten Burgen und mächtigen Sandsteinfelsen vorbei. Zwischen der Burgruine Guttenberg an der Grenze zu Frankreich im Süden und dem Donnersberg im Norden könnt ihr an dreizehn Trekkingplätzen euer Nachtlager aufschlagen. Diese lassen sich auch in einer mehrtägigen Wanderung verbinden. Auf über 900 Kilometern Strecke dürft ihr euch im Mountainbikepark Pfälzerwald so richtig austoben. Oder ihr testet an hoch aufragenden Felsmassiven aus Buntsandstein und ehemaligen Steinbrüchen eure Kletterfähigkeiten.

Wenig künstliches Licht und viel Natur: Viele Bereiche des Pfälzerwalds erfüllen die Voraussetzungen für einen Sternenpark – wie der Blick vom Schänzelturm auf dem Steigerkopf beweist © David Hajnal/Shutterstock.com

Der Sternenhimmel über Lemberg © Dr. Christian Mücksch

Wenig künstliches Licht und viel Natur: Viele Bereiche des Pfälzerwalds erfüllen die Voraussetzungen für einen Sternenpark – wie der Blick vom Schänzelturm auf dem Steigerkopf beweist © David Hajnal/Shutterstock.com

Der Sternenhimmel über Lemberg © Dr. Christian Mücksch

Sternenparks sind Regionen mit intakter Nachtlandschaft

Als Sternenpark wird ein Gebiet bezeichnet, das noch nahezu intakte Nachtlandschaften hat und einen sternenreichen Himmel aufweist – der Begriff wurde durch die International Dark Sky Association (IDA) geprägt, die sich seit ihrer Gründung 1988 gegen Lichtverschmutzung einsetzt. Bereiche des Pfälzerwalds erfüllen diese Bedingungen ideal, wie Messungen der Himmelshelligkeit durch die TU Kaiserslautern belegen. In den Landkreisen Bad Dürkheim, Südwestpfalz, Südliche Weinstraße und Kaiserslautern will das Projekt Sternenpark Pfälzerwald nun Menschen für den Schutz der natürlichen Nacht sensibilisieren und zeigen, wie man eine Reduzierung der Lichtverschmutzung mit Energieeinsparungen verbinden und zudem den schönen Blick in den Sternenhimmel erhalten kann.

Die Saline im Kurpark von Bad Dürkheim – eine reduzierte Beleuchtung sorgt nicht nur für einen klareren Blick in den Sternenhimmel, sondern kann auch dabei helfen, Energie zu sparen © Fabian Kremer/Shutterstock.com

Eine Ursache der sogenannten Lichtverschmutzung – die permanente Beleuchtung in unseren Städten, wie hier in Kaiserslautern © Daniel Stewart Lustig/Shutterstock.com

Die Saline im Kurpark von Bad Dürkheim – eine reduzierte Beleuchtung sorgt nicht nur für einen klareren Blick in den Sternenhimmel, sondern kann auch dabei helfen, Energie zu sparen © Fabian Kremer/Shutterstock.com

Eine Ursache der sogenannten Lichtverschmutzung – die permanente Beleuchtung in unseren Städten, wie hier in Kaiserslautern © Daniel Stewart Lustig/Shutterstock.com

Ein ganzes Paket von Maßnahmen soll dabei helfen, darunter Projektflyer und Internetauftritte. Ein wesentlicher Punkt ist das Zertifikat „Gemeinde unter den Sternen”, das eine sternen- und umweltfreundliche Beleuchtung in Kommunen innerhalb des Projektgebiets honoriert und nach Kriterien der IDA vergeben wird. Interessierten Gemeinden wird dabei ein Maßnahmenkatalog mit Nachrüstungs- und Fördermöglichkeiten sowie beispielhaften Kostenkalkulationen für sternen- und umweltfreundliche Beleuchtung erstellt. Auf dass das Kulturgut der Sternenbeobachtung auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt.

Schöne Plätze zur Sternenbeobachtung werden in einer Karte ausgewiesen

Damit nicht genug. „Gastgeber unter den Sternen“ heißt ein Zertifikat für sternenfreundlich gestaltete Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe zur Förderung des Astrotourismus. So sollen geeignete Unterbringungsmöglichkeiten für Sternen-süchtige Besucher geschaffen und auch Gastgeber im Kulinarikbereich fürs Thema Lichtverschmutzung sensibilisiert werden. Das kann durch die Ausgabe von Taschenlampen mit rotem Licht, durch Sternenkarten oder Ferngläser geschehen, aber auch durch angepasste Checkoutzeiten oder die Information der Besucher über astronomische Veranstaltungen in der Sternenpark-Region.

Eine spezielle Karte soll zudem besonders gute Plätze im Pfälzerwald zur Beobachtung der leuchtenden Himmelskörper ausweisen. Kriterien wie besonders geringe Lichtverschmutzung, wenig Sichtbehinderung durch Bäume oder Bauwerke sowie gute Erreichbarkeit mit dem Auto oder durch einen bequemen Fußweg sollen die Orte für Himmelsforscher attraktiv machen, auch eine einfache Infrastruktur wie die Nähe von Imbiss- und Toilettenmöglichkeiten zählt dazu. Auf Hinweisschildern werden die Besucher zum Projekt und zur Sternenbeobachtung informiert.

In den frühen Morgenstunden zeigt sich der Pfälzerwald von seiner schönsten Seite © Felix Kroll/Shutterstock.com

Damit sich das Wissen rund ums Thema möglichst weit verbreitet, werden die Landschaftsführer/innen und Guides des Biosphärenreservats einbezogen. Und auch die junge Generation soll durch Schulwettbewerbe für den schützenswerten Nutzen und Reiz der Dunkelheit im Pfälzerwald interessiert werden. Unterstützer wie die Astronomische Vereinigung Vorderpfalz, die Studentische Arbeitsgemeinschaft Astronomie der Universität Kaiserslautern e.V., der Naturwissenschaftliche Verein zu Zweibrücken, die Sternwarte Zweibrücken und die Pälzer Schdernegugger verleihen dem Projekt Sternenpark Flügel. Auf dass auch unsere Enkelkinder die Milchstraße später noch mit bloßem Auge erkennen können.

Titelbild: Der Sternenhimmel über Schmalenberg © Dr. Christian Mücksch

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