Niedersachsen

Cuxland-Helgoland – Logenplätze an der Nordsee

Es ist dasselbe Meer, aber die Küste könnte unterschiedlicher kaum sein – vor Cuxhaven zieht sich Sandstrand hin, das Land Wursten wartet mit Grünstrand am Deich auf – und vollkommen anders sieht es an Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland aus: Rote Felsen ragen aus dem Meer und gleich daneben liegen flache Stranddünen.

Leseprobe aus Dumont Bildatlas: Deutschland – Ferien an der See

Dieser Artikel stammt aus dem Buch Deutschland – Ferien an der See aus dem DuMont Reiseverlag. Dort findet ihr auf 204 Seiten zahlreiche Aktiv-Tipps und von den Autoren/-innen getestete Empfehlungen für jeden Geschmack: Eine Nachtwanderung zum Festland, ein Schnupperkurs im Strandsegeln, ein Ritt durchs Wattenmeer, Inselhopping, Abschalten und Auftanken in Wellnesstempeln an der Ostsee, Nordic Walking in der Holsteinischen Schweiz oder Wandern auf einem Abschnitt des Wanderweges E9.

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Was eint die gesamte deutsche Nordseeküste zwischen der Emsmündung und Sylt? Das Krabbenpulen. Darüber aber, wo es die besten Krabben gibt, lässt sich trefflich streiten. Mit in der Verlosung ist fast immer die Wurster Nordseeküste. Das Pulen war von jeher eine elende Fingerübung. Bekanntlich wird inzwischen ein Großteil der Tierchen in Billiglohnländer kutschiert und fertig gepult zurücktransportiert. Der Versuch, die Nordsee-Garnelen maschinell zu pulen, scheint dagegen eher eine Geschichte des Scheiterns zu sein. Die Crux bei der maschinellen Verarbeitung ist nämlich die unterschiedliche Größe der männlichen und weiblichen kleinen Wattbewohner. Krabbenfischer Alwin Kocken aus Spieka-Neufeld hat 14 Jahre lang getüftelt, bis ihn das Ergebnis 1986 halbwegs zufriedenstellte. Seither wurden in seinem Betrieb mehr als 1000 Tonnen „Granat“ entschält. Sein Vorteil: Die Meerestiere werden nicht durch die Weltgeschichte transportiert, sondern kommen fangfrisch auf den Teller oder zwischen zwei Brötchenhälften.

Der Krabbenfang ernährt die Fischer nur noch mühsam, obwohl es zu jedem Nordseeurlaub gehört, die kleinen Wattgarnelen frisch vom Kutter zu kaufen © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Eine Delikatesse – frisches Krabbenbrötchen mit knackigem Salat © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Martin Kirchner

Krabbenkutter im Wattenmeer. Das Leben an der Küste richtet sich nach den Gezeiten © picture-alliance / DUMONT Bildarchiv | Sabine Lubenow

Der Krabbenfang ernährt die Fischer nur noch mühsam, obwohl es zu jedem Nordseeurlaub gehört, die kleinen Wattgarnelen frisch vom Kutter zu kaufen © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Eine Delikatesse – frisches Krabbenbrötchen mit knackigem Salat © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Martin Kirchner

Krabbenkutter im Wattenmeer. Das Leben an der Küste richtet sich nach den Gezeiten © picture-alliance / DUMONT Bildarchiv | Sabine Lubenow

Der Krabbenfang ernährt die Fischer nur noch mühsam, obwohl es zu jedem Nordseeurlaub gehört, die kleinen Wattgarnelen frisch vom Kutter zu kaufen © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Eine Delikatesse – frisches Krabbenbrötchen mit knackigem Salat © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Martin Kirchner

Krabbenkutter im Wattenmeer. Das Leben an der Küste richtet sich nach den Gezeiten © picture-alliance / DUMONT Bildarchiv | Sabine Lubenow

Hamburgs Außenposten

Trutzig ragt er seit mehr als 700 Jahren in den Himmel, der Leuchtturm der Gezeiteninsel Neuwerk, vor Cuxhaven. 1299 bat Hamburg den Herzog von Sachsen, auf der damals noch unbewohnten Insel einen Wehrturm errichten zu dürfen, um die Elbmündung gegen Piraten zu sichern. Die Sachsen gaben ihr Einverständnis, elf Jahre später war das 39 Meter hohe Bollwerk fertig – und ist damit das älteste Gebäude Hamburgs, denn die Insel gehört politisch zum Hamburger Bezirk Mitte. Neuwerk hat viele treue Freunde, die mit der Nordseeluft auch die besondere Atmosphäre der Insel aufsaugen wollen. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Das geht bei Kaffee und Kuchen oder entspannt an den Deichen. Langweilig wird das nie, denn die Nordsee verändert im Laufe der Gezeiten ständig ihr Gesicht. Wer so viel Müßiggang nicht aushält, der macht sich auf zu einer Inselumrundung, was knapp eine Stunde dauert. Mit Glück kann man Seehunde beobachten. Mit ein wenig Pech – oder vielleicht noch mehr Glück – verpasst man die letzte Fahrgelegenheit zum Festland. Denn nur das kann einen Tagesausflug toppen: auf Neuwerk zu übernachten. Am besten im Leuchtturm, einst den Senatoren Hamburgs vorbehalten.

Insel Neuwerk: früher Leuchtturm, heute "Pension Leuchtturm Neuwerk" © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Insel Neuwerk: Kutschfahrt durch das Wattenmeer © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Insel Neuwerk: früher Leuchtturm, heute "Pension Leuchtturm Neuwerk" © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Insel Neuwerk: Kutschfahrt durch das Wattenmeer © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Alte Liebe, dicke Pötte

Nirgendwo sonst kommt man dicken Pötten und den Traumschiffen so nah wie an der „Alten Liebe“, dem historischen Anleger in Cuxhaven mit seiner hölzernen Aussichtsplattform. Im Jahr 1733 wurde er als Schutz gegen die Nordseefluten errichtet, drei Schiffswracks wurden dazu mit Steinen befüllt, versenkt und mit Pfählen befestigt. Das Bollwerk erhielt später den Namen „Alte Liebe“. Wie der Touristenmagnet zu diesem Namen kam, ist allerdings umstritten. Die am authentischsten klingende Variante lautet: Eines der Schiffe habe „Olivia“ geheißen – auf Plattdeutsch „Ol Liev“, und ins Hochdeutsche zurückübersetzt wurde daraus eben „Alte Liebe“.

Von hier schaut es sich am schönsten auf die Nordsee – der historische Anleger "Alte Liebe" in Cuxhaven © Bjoern Wylezich/Shutterstock.com

Schnapsidee oder Vision

Am Neujahrstag 1721 erwies sich die tosende Nordsee als zu mächtig. Meterhohe Wellen zerteilten Helgoland. Vor einigen Jahren wäre es beinahe zur Wiedervereinigung gekommen, und dann hätte man auf Deutschlands einziger Hochseeinsel sogar Golf spielen können. Ein Green sollte nämlich genauso entstehen wie Luxushotels, wären die Pläne des Investors Arne Weber in die Tat umgesetzt worden. Was 2008 zunächst wie eine Schnapsidee klang, entpuppte sich als kühne Vision, den lahmenden Tourismus auf dem „Fuselfelsen“ anzukurbeln. Sein Plan sah vor, eine rund einen Kilometer lange Spundwand zu errichten, die Meeresenge mit Sand aufzufüllen und so Düne und Hauptinsel wieder zu vereinen. Weber, Kind einer waschechten Helgoländerin, plante kein Disneyland in der Nordsee. Seine Vision sah Umweltschutzmaßnahmen, den Bau von Windrädern, Fotovoltaik-Anlagen und eines Gezeitenkraftwerks vor. Mitte 2010 jedoch schmetterte die Politik die Pläne ab, und auch die Helgoländer stimmten mehrheitlich dagegen. Dennoch hat sich einiges getan auf der Insel: Die neue Erlebnispromenade wurde fertiggestellt, ein Welcome Center empfängt die Gäste, und die neue, komfortable und komplett barrierefreie „MS Helgoland“, seit Herbst 2015 im Dienst, hat im Gegensatz zu den anderen Bäderschiffen einen festen Liegeplatz im Helgoländer Hafen.

Die Hummerbuden, einst Wohn- und Werkstätten der Helgoländer Fischer, wurden in den 1990er-Jahren umgewidmet und beherbergen heute Gastronomie, Kunstgalerien und Souvenirläden © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Von den auf Reede liegenden Bäderschiffen werden die Ausflügler nach wie vor mit den traditionellen Börtebooten an Land gebracht © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Die Hummerbuden, einst Wohn- und Werkstätten der Helgoländer Fischer, wurden in den 1990er-Jahren umgewidmet und beherbergen heute Gastronomie, Kunstgalerien und Souvenirläden © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Von den auf Reede liegenden Bäderschiffen werden die Ausflügler nach wie vor mit den traditionellen Börtebooten an Land gebracht © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Infos & Empfehlungen

Neuwerk

Die landwirtschaftlich genutzte, 3,3 km² große Insel (40 Einw.) im Südwesten der Elbmündung gehört politisch zu Hamburg. Die benachbarten Inseln Scharhörn und Nigehörn sind Refugien zahlreicher Vogelarten, nur Scharhörn darf bei offiziellen Führungen besichtigt werden. Besonders empfehlenswert:
Das Wahrzeichen von Neuwerk ist der Leuchtturm, der bereits um 1300 als Wehrturm im Kampf gegen die Seeräuberei errichtet wurde. Anfangs war eine Turmbesatzung von elf Mann für die Sicherung der Elbmündung zuständig. 1556 wurde ein Deich rund um den Turm gezogen, und seitdem fanden die Insulaner hier immer wieder Zuflucht bei Sturmfluten. Auf den flachen Sandbänken bei Neuwerk strandeten zahlreiche Schiffe, deshalb errichtete man 1644 ein einfaches Gerüst als Seezeichen mit einem Kohlefeuer. 1814 übernahm der Leuchtturm diese Funktion. Seit 1924 steht er unter Denkmalschutz. Das Nationalpark-Haus präsentiert eine interessante Ausstellung zur Inselgeschichte, zum Wattenmeer sowie zum Thema Wattenschutz und bietet Exkursionen an (www.nationalpark-wattenmeer.de).
Ein ganz besonderes Erlebnis sind die Fahrten mit Wattwagen nach Neuwerk. Die Pferdewagen brauchen ca. 75 Min. vom Festland zur Insel. Sie starten in Duhnen oder Sahlenburg.

Mitten im Watt des Cuxlandes weist ein Schild den Weg zur Insel Neuwerk © picture-alliance / DUMONT Bildarchiv | Michael Marczok

Cuxhaven

Die „Stadt am Meer“ (48 000 Einw.) an der Nordspitze von Niedersachsen lockt jedes Jahr Millionen von Touristen an. Die Strände und die Küste sind herrlich, und so vergnügen sich Tages- oder Feriengäste vor allem in den Stadtteilen Duhnen, Döse und Sahlenburg – bei Ebbe im Watt und bei Flut in den Nordseewellen. Viele Cuxhaven-Besucher kommen auch, um ihrem Hobby „Pötte gucken“ zu frönen. Stadtrecht erhielt Cuxhaven zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Highlights:
Cuxhaven versprüht maritimes Flair. Publikumsmagnet ist die Alte Liebe: Anleger, Aussichtsplattform und 1733, als Bollwerk und Wellenbrecher aus drei Schiffswracks errichtet. Ganz in der Nähe hat das knallrote Feuerschiff Elbe 1 festgemacht; von 1948 bis 1988 als schwimmender Leuchtturm auf Position, dient es heute als Museumsschiff und Ausflugsdampfer (Tel. 04721 424 38 20, www.feuerschiff-elbe1.de). Wahrzeichen Cuxhavens ist die hölzerne Kugelbake, die den Übergang von der Elbe in die Nordsee markiert. Sehenswert ist auch Schloss Ritzebüttel, einer der ältesten Profanbauten (14. Jh.) der norddeutschen Backsteingotik (Schlossgarten 8, www.schlossverein-ritzebuettel.de).
Das Wrackmuseum und das Fischereimuseum sind als Windstärke 10 unter einem Dach Vereint (Ohlroggestraße 1, www.windstaerke10.net); das Museum präsentiert zahlreiche Exponate zu den Themen Hochseefischerei und Schiffsuntergänge. Das einzige Ringelnatz-Museum Deutschlands präsentiert Arbeiten des Malers Joachim Ringelnatz, der ansonsten eher als Dichter bekannt ist (Südersteinstraße 44, www.ringelnatzstiftung.de). Von den historischen Hapag-Hallen (1911–1913) aus brachen einst Tausende Auswanderer in die Neue Welt auf; im früheren Empfangsgebäude des Steubenhöft ist die Dauerausstellung „Abschied nach Amerika“ untergebracht (Führungen 10.30 Uhr, Termine auf www.hapaghalle-cuxhaven.de).
Ein Nordseeurlaub ist unvollständig ohne Wattwanderung – es gibt sie auch als Nachtvariante. Mehrere Reedereien bieten Fahrten zu den Seehundbänken, nach Neuwerk und Helgoland sowie Hafenrundfahrten an.
Das Aeronauticum in Nordholz bietet einen Einblick in die Geschichte der deutschen Marinefliegerei (www.aeronauticum.de). Sehenswerte Kirchen im Cuxland sind die „Bauerndome“ St. Jacobi in Lüdingworth (Urspr. 11. Jh.; südöstl.) und St. Nicolai in Altenbruch (Urspr. 13. Jh.; südöstl.). Für Naturliebhaber lohnt sich ein Abstecher in die Altenwalder Küstenheide (südl.).

Grünes Cuxhaven – in der Stadt gibt es einige schöne Grünflächen © Elena Chulanova/Shutterstock.com

Helgoland

„Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Strand. Das sind die Farben von Helgoland.“ Auch die Flagge spiegelt den Inselspruch von Deutschlands einzigem Hochsee-Eiland wider, das etwa 250 Millionen Jahre alt ist und seit der Neujahrsflut 1721 tatsächlich aus zwei Inseln besteht: dem Sandsteinfels mit 61 Meter hoher Steilküste und der 0,7 Quadratkilometer großen Badedüne mit feinstem Sand. Das insgesamt 1,7 km² große Helgoland (1500 Einw.) ist bekannt für sein gesundes Klima. Berühmtester Helgoländer ist der Autor James Krüss (1926 bis 1997), der mit „Timm Thaler“ und „Mein Urgroßvater und ich“ Kinderbuch-Klassiker verfasste. Helgoland ist autofrei. Auf der Düne, der Badeinsel, kann man Seehunde sowie Kegelrobben beobachten. Mit Glück bekommt man auf der Fahrt zur Insel oder bei einer Inselumrundung auch Schweinswale zu Gesicht.
Anreise: Früher war das Ausbooten mit Börtebooten ein fester Bestandteil bei der Anreise mit dem Seebäderschiff. Inzwischen fahren einige Schiffe und die schnellen Katamarane (ab Cuxhaven ca. 75 Min.) den neuen Südhafen direkt an. Jedoch gehört für viele Helgoland-Besucher das Ausbooten unbedingt zum Urlaub auf der Insel dazu, und so wird nach wie vor auch der alte Hafen angesteuert. Dort heißt es dann Umsteigen in die 10 m langen und 3 m breiten Börteboote. Fahrten werden u.a. ab Cuxhaven, Hamburg, Wedel und Büsum angeboten. Schiffe der Reederei Cassen Eils starten tgl. um 10.00 Uhr (www.cassen-eils.de) ab Cuxhaven.
Sehenswert: Wahrzeichen Helgolands ist die Lange Anna, ein knapp 50 m aus dem Meer aufragender Buntsandsteinfelsen. Die bunten Hummerbuden am Binnenhafen haben sich zum touristischen Zentrum der Insel entwickelt.
Im Helgoländer Museum wird die wechselvolle Geschichte der Insel anschaulich gemacht (Kurpromenade, www.museum-helgoland.de). Besuchenswert ist auch der angrenzende Museumshof, in dem sich u. a. die James- Krüss-Hummerbuden befinden.
Badefreuden bietet das Meerwasserbad des Mare Frisicum Spa Helgoland mit Innenpool und Sommerbecken. Eine Inselrundfahrt mit dem Börteboot bringt Insel und Düne näher (Tel. 04725 8 13 70).

Die Lange Anna ist das Wahrzeichen der Hochseeinsel; immer wieder ist der von Brutvögeln besiedelte Brandungsfelsen vom Abbruch bedroht © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

Leseprobe aus dem DuMont Bildatlas „Deutschland – Ferien an der See“

Titelbild: Immer mit dem Wind – Kitesurfer am Strand von Cuxhaven © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Toma Babovic

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