Es gibt Tage im Alten Land, da steigt man aus dem Auto und hat den Eindruck, man sei in ein flächendeckendes, impressionistisches Gemälde in Weiß und Rosa hineingefahren: links, rechts, vorne, hinten – überall stehen blühende Apfelbäume. In der Region zwischen Hamburg und der Nordsee wachsen Elstar, Braeburn, Cox und sämtliche anderen bekannten Klassiker, aber auch Sorten wie Piros, Appache, Collina und Astramel, von denen man möglicherweise noch nie gehört hat. Äpfel können sie jedenfalls im Alten Land, an Dreiviertel aller Bäume hängen sie, jeder dritte in Deutschland gegessene Apfel stammt von hier. Angebaut werden aber auch Kirschen, Birnen, Pfirsiche und Aprikosen. Alle zusammen machen die Gegend zu Europas größtem zusammenhängenden Obstanbaugebiet.   

Das Alte Land

Angefangen hat alles vor 700 Jahren: Damals bauten die Mönche des mittelalterlichen Sankt-Georg-Klosters in Stade die ersten Obstbäume an (vielleicht passierte das auch schon früher, 1317 jedenfalls wird es erstmals urkundlich erwähnt). Weil das offenbar wunderbar funktionierte, begannen bald auch die Bauern in der Region, Obstbäume zu setzen, und seitdem sind Jahr für Jahr und Jahrhundert für Jahrhundert mehr hinzugekommen. Mittlerweile stehen sie auf einer Fläche von 10.000 Hektar. Wenn sie blühen, gibt es im Norden Deutschlands keinen schöneren Anblick.

Eine logistische Meisterleistung

Überhaupt ist das Alte Land eines, das manchmal wie verzaubert daher kommt mit seinen sattgrünen Wiesen entlang des Elbdeichs, den Fachwerkhäusern mit ihren Reetdächern und den alten Windmühlen. Das Summen in der Luft? Sind wahrscheinlich Bienen. Tausende Völker werden jedes Jahr angekarrt, um die Bäume zu bestäuben. Auch sonst ist der Obstanbau eine logistische Meisterleistung. Allein 400 Sorten Kirschen wollen gehegt und gepflegt werden, darunter etliche, die nur hier wachsen. Sie heißen Kleine Blanke, Müggenbeine oder Onkel Jakob Seine. Einige Arten sind über 200 Jahre alt.

Wilde Kreationen

Und dann wiederum kann das Alte Land ganz jung sein. Innovative Bäcker und Köche in den Cafés und Restaurants lassen sich die wildesten und leckersten Kreationen und Zubereitungsarten einfallen. Und auf den Obsthöfen und in den Hofläden kann man sich die Originale kiloweise einpacken lassen. Zum Mitnehmen, damit man auch zu Hause noch etwas vom Alten Land hat.

Titelbild: Im Frühling ist das Alte Land ein Blütenmeer mit vielen zarten Tupfern © AdobeStock/powell83