Klare Seen, Buchenwälder, seltene Tiere wie Fischadler und Eisvogel: In der wilden Natur der Mecklenburgischen Seenplatte kommen Körper und Geist schnell zur Ruhe – perfekt für ein Pilger-Wochenende.

Neustrelitz

Eine Pilgerwanderung ist nur etwas für Menschen mit viel Zeit? Stimmt nicht. Gerade Kurzentschlossenen und allen, die diese spirituelle Art des Wanderns einmal für ein paar Tage ausprobieren möchten, empfiehlt sich der Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte. Start ist in Friedland, Ziel ist Mirow. Dazwischen liegen 120 abwechslungsreiche Kilometer durch Wälder, über Wiesen, vorbei an Seen und alten Sakralbauten, die wahlweise über eine östliche oder westliche Route gelaufen werden können.

Einige Etappen eignen sich – wegen ihrer guten Erreichbarkeit auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – besonders fürs Wochenendpilgern, wie zum Beispiel die Zweitages-Tour (36 Kilometer) von der einstigen Residenzstadt Neustrelitz nach Mirow, die idyllisch an der Müritz-Havel-Wasserstraße gelegen ist.

Samstag: Kraftorte zum Innehalten

Nach einer unkomplizierten Anreise (ab dem Hauptbahnhof Berlin etwa eine Stunde mit dem Regionalexpress oder über die schnelle IC-Verbindung aus Dresden), weist euch das Pilger-Emblem, die gelbe Muschel mit Welle auf blauem Hintergrund, den Weg ab Neustrelitz. Dort lohnt ein Bummel durch die Straßen der denkmalgeschützten Innenstadt mit dem Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz. Dann geht’s vorbei am Hafen, einer kleinen Kirche und dem Zierker See. Es folgen weitere große und kleine Gewässer. Die ganze Schönheit der Mecklenburgischen Kleinseenplatte entfaltet hier ihren Reiz. Nach rund 22 Kilometern erreicht ihr das Tagesziel Wesenberg mit der gleichnamigen Burganlage, dem historischen Marktplatz und der St. Marienkirche, vor deren Eingang eine über 620 Jahre alte, knorrige Linde steht – ein Kraftort abseits von Großstadt und Alltag. Und ein wunderbares Fleckchen, um jetzt die Füße hochzulegen. Tipp: Neben Pensionen und Hotels bieten auch Pfarrhäuser und Einwohner entlang des Pilgerwegs Quartiere an.

Sonntag: Natur und Stille tun der Seele gut

Am nächsten Tag könnt ihr den Gedanken freien Lauf lassen beim Gang durch die meditativen Kiefernwälder von Wesenberg nach Mirow. Endpunkt ist die Schlossinsel mit ihrem Ensemble aus Schloss, 3-Königinnen-Palais und Johanniterkirche. Dort bekommt ihr übrigens auch euren Pilgerstempel. Zurück geht’s mit der Kleinseenbahn nach Neustrelitz, von dort verkehren stündlich Züge nach Berlin.

Alternative erwünscht?

Eine weitere zweitägige Wanderung (33 Kilometer) beginnt in Neubrandenburg und verläuft entlang des dicht bewaldeten Tollensesee-Ufers. Dort gibt es mehrere natürliche Badestellen. Gut zwei Gehstunden später erreicht ihr das hübsche Fachwerkdorf Alt Rehse mit Kirche, Gutshaus und Park. Nach einem Übernachtungsstopp in Prillwitz am Flachwassersee Lieps pilgert ihr ins 3,5 Kilometer entfernte Hohenzieritz. Das Schloss, einstiger Sommersitz der Strelitzer Herzöge (Gedenkstätte von Königin Luise), beeindruckt mit Norddeutschlands ältestem Landschaftspark. Der weitere Weg verläuft hauptsächlich durch Wald. Überall gibt es hübsche Plätze zum Verweilen und Innehalten. Einfach mal loslassen und eins mit der Natur werden, denn dann haben auch solche kurzen Auszeiten Langzeitwirkung!

Titelbild: Auf 240 Kilometern durchstreift der Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte die Region © Christin Druehl

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