5 Orte der Romantik in Vorpommern

Vorpommern gilt als Wirkstätte und Inspirationsquelle verschiedener deutscher Frühromantiker. Caspar David Friedrich, Friedrich August von Klinkowström und Philipp Otto Runge wurden hier geboren – und kamen immer wieder in die Heimat zurück. Das Licht, die Landschaft und die Kultur haben sie gefesselt und nicht mehr losgelassen. Warum? Das könnt ihr bei einer Radtour entlang der Küste des Greifwalder Boddens selbst erfahren. Einige Stationen auf der 54 Kilometer langen  Route der Norddeutschen Romantik stellen wir hier vor. Und los geht’s am:

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Museumshafen Greifswald

Am Abend taucht der Greifswalder Hafen in ein ganz besonderes Licht, das schon Caspar David Friedrich zu Lebzeiten faszinierte. © Wally Pruss

Wer sich mit der Frühromantik in Deutschland befasst, wird immer wieder über den einen Namen stolpern: Caspar David Friedrich, der bekannteste deutsche Maler dieser Kunstepoche. Sein Lebenswerk ist maßgeblich von der Umgebung, in der er aufwuchs, geprägt: von Vorpommern und der Stadt Greifswald. Hier erblickte der junge Friedrich das Licht der Welt. Und das Licht ist es, was ihn zu Lebzeiten so an seiner Heimat faszinierte. 

Noch heute lässt sich das Gefühl der Romantik, das Friedrich nach Deutschland brachte, in seiner Heimatstadt nachempfinden. Dem Caspar-David-Friedrich-Bildweg folgend, wandeln Interessierte auf seinen Spuren durch die Stadt und die nähere Umgebung. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir Station sechs der Route, dem Museumshafen, wo die Romantik der Seefahrerei noch sehr spürbar ist. Caspar David Friedrich war von den Schiffen, die hier sanft im Wasser schaukelten, fasziniert. Und noch heute zeigt sich der Greifswalder Hafen von seiner romantischen Seite: Mehr als 50 Traditionsschiffe liegen im heutigen Museumshafen – Rekord in Deutschland. Wenn sich der Tag langsam dem Ende neigt, wird es besonders lauschig an diesem Ort. Viele Menschen versammeln sich, um den Tag bei einem Plausch und bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

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Klosterruine Eldena

Schwingt euch aufs Rad, nun geht es hinaus an den Greifswalder Bodden, fünf Kilometer gen Osten, dann erreicht ihr die malerische Klosterruine Eldena: ein beliebtes Motiv von Caspar David Friedrich und Station eins der Route der Norddeutschen Romantik. Obwohl das ehemalige Zisterzienserkloster in seiner Geschichte viel miterleben und große Teile seiner Bauten einbüßen musste, bleibt eins doch immer erhalten: die Romantik des Ortes, die schon Caspar David Friedrich magisch angezogen hat. Die Klosterruine war sein Lieblingsmotiv, er zeichnete sie aus allen Himmelsrichtungen. Besonders imposant – noch heute – ist die etwa 16 Meter hohe Westfassade, eingebettet in eine Parkanlage mit altem Baumbestand. Einen Moment innehalten und bewundern und ihr werdet den Zeitgeist der damaligen Zeit spüren. 

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Schloss und Naturstrand Ludwigsburg

Es fällt schwer, die Klosterruine hinter sich zu lassen – doch rund zehn Kilometer später erwartet euch schon das nächste Highlight auf eurer Reise in die Romantik: Schloss Ludwigsburg. Und mit dem Schloss lernt ihr auch einen weiteren norddeutschen Vertreter der Epoche kennen, Friedrich August von Klinkowström, der im Jahr 1778  an diesem Ort geboren wurde. Gemeinsam mit Caspar David Friedrich erlernte er die Malerei, wobei sich Klinkowström auf christliche Motive spezialisierte. Ihm ist die romantische Geschichte des Schlosses Ludwigsburg zu verdanken. 

Sehr inspirierend müssen zudem die Besuche am nahegelegenen Naturstrand Ludwigsburg gewesen sein. Unweit des Anwesens zeigt sich Vorpommern von seiner wildromantischen Seite. Kiefern rauschen am Rande des Strandes im frischen Wind, das flache Wasser der Dänischen Wiek ist perfekt für eine kurze Erfrischungspause, der Blick über den Bodden rüber nach Greifswald lädt zum Träumen ein. 

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Seebad Lubmin

Auf geht’s zur nächsten Station auf der Route der Norddeutschen Romantik, die wir euch vorstellen wollen. Nachdem ihr 12 Kilometer in die Pedale getreten habt, erreicht ihr das Seebad Lubmin. Heute ein beliebtes Ziel bei Badeurlaubern, einst nicht mehr als ein kleines Dorf mit einem beschaulichen Ortskern. Dennoch tauchte Lubmin, wenn auch nicht namentlich, in einer der ersten Ansichten von Caspar David Friedrich auf. 

1801 reiste er erstmalig nach Rügen und war offensichtlich von den Ausblicken dort angetan. Sein Werk „Blick von der Südküste Rügens“ zeigt seine Aussicht auf den heimatlichen Greifswalder Bodden. Bemerkenswert sind seine topografischen Angaben: Im jungen Alter von 26 glänzte er durch sein geografisches Wissen und zeichnete sowohl Wolgast, Wusterhusen als auch die kleine Insel Ruden ein – obwohl er einiges davon von seinem Standpunkt aus nicht mal sehen konnte. Lubmin nannte er nicht namentlich. Dennoch ist das heutige Seebad ein Sinnbild für seine Verbundenheit mit dem Greifswalder Bodden. 

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Rungehaus Wolgast

Vor der letzten Station der Route der Norddeutschen Romantik  habt ihr noch eine kleine Strecke vor euch: Etwa 26 Kilometer vom Seebad entfernt befindet sich der Ort Wolgast. Dort lernt ihr den dritten wichtigen Vertreter der deutschen Romantik kennen: Philipp Otto Runge. In dem Haus, in dem er 1777 zur Welt kam, befindet sich heute das Rungehaus, ein Museum, das sich dem Werk und Leben des Romantikers widmet. 

Wie Klinkowström auch, freundete sich Runge mit Caspar David Friedrich an. Sein Talent zeigte sich vor allem in seinen Porträts. Leidenschaftlich zeichnete Philipp Otto Runge sich selbst, seine Verwandten oder enge Freunde. Zudem illustrierte er Geschichten, gestaltete Spielkarten, schrieb Märchen und entwickelte die erste dreidimensionale Farbenlehre. Seine vielfältigen Talente lassen sich im Rungehaus erleben – ein gelungener Abschluss eurer Reise in die Welt der norddeutschen Romantiker. 

Ihr wollt noch mehr zur Route der Norddeutschen Romantik und ihren Stationen erfahren? Hier findet ihr einen digitalen Reiseführer, der euch per Audiotour mit auf die Reise in die norddeutsche Romantik nimmt. 

Titelbild: Die Westfassade der Klosterruine Eldena war ein Lieblingsmotiv von Caspar David Friedrich © TMV-Krauss