Maik Gutmann als einen passionierten Lichtjäger zu bezeichnen, klingt zwar etwas kompliziert, trifft seine Leidenschaft aber genau: Der Fotograf liebt seine Heimat an der Ostsee und spendiert ihr mit seinen Bildern ein zweites, kunstvolles Leben.

Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre, war ein Motto des französischen Filmregisseurs und Fotografen Robert Bresson. Im Grunde tut auch Maik Gutmann nichts Anderes. Der ambitionierte Hobby-Fotograf aus Mecklenburg-Vorpommern hat das Motto seines berühmten Kollegen verinnerlicht: „Immer, wenn ich denke, dass ich meinen Strand nun wirklich gut kenne und jede seiner Perspektiven und Launen eingefangen habe, zeigt er sich mir schon wieder in einer anderen Lichtstimmung.“ Faszinierend – und der Grund dafür, dass Gutmann von dem fein geschwungenen Strand vor der Küste von Graal-Müritz nie genug bekommt. Er ist sein Lieblingsmotiv – vor allem die malerische Seebrücke von Graal-Müritz hat es ihm angetan, gerne in einer ausgefuchsten Langzeitbelichtung: „Dadurch kann ich die Stimmungen der Ostsee bei ganz unterschiedlichem Wetter besonders gut herausarbeiten.“

Inspiration und Seelentrost

Auch der Ostsee-Strand ist für Gutmann Inspiration und Seelentrost in einem, ein goldener Schnitt aus Badevergnügen für die Menschen und einem Ausdruckstanz der Natur. Mach sichtbar, was ohne dich nie wahrgenommen worden wäre – da ist er wieder, dieser Bresson´sche Leitsatz. Wie zurückgelassene Skulpturen schaffen vor langer Zeit entwurzelte Bäume – im Winter malerisch von der Sturmflut umspült – ein beeindruckendes Bild rauer, ursprünglicher Schönheit. Maik Gutmann öffnet in seinen Fotos den Blick auf diese oft nur flüchtigen Kulissen.

Ostsee, Wald und Bäderarchitektur

Das Ostseebad Graal-Müritz bietet neben seinen ausgedehnten Sandstränden viele weitere Motive für Fotografen: die kilometerlangen Küstenwälder beispielsweise, die Rostocker Heide, aber auch die Innenstadt des beliebten Küstenortes selbst. Ungewöhnliche noch dazu, wie etwa die Litfaßsäule in der Nähe des Heimatmuseums, die von Künstlern aus der Region gestaltet wurde. Oder die sogenannten Büdner-Häuser in Graal-Müritz, die an das beschwerliche Leben im früheren Fischerdörfchen erinnern.

Maik Gutmann fotografiert und dokumentiert auch gerne in seiner Heimatstadt Kühlungsborn, was aus der reichen architektonischen Vergangenheit in die heutige Zeit gerettet werden konnte. Das ist vor allem die berühmte Bäderarchitektur, die Kühlungsborn um 1900 herum mit dem Bau von Jugendstil- und klassizistischen Bauten prägte. „Diese Architektur ist einzigartig“, sagt Gutmann und kennt natürlich auch all die Plätze, die sich für Besucher mit dem Wunsch nach besonderen Foto-Motiven lohnen: Die Villa Löwenstein zum Beispiel, 1912 als Villa Martin erbaut und 2012 aufwändig saniert, ist so ein besonderer Ort. Auch das Hotel Esplanade – 1900 als Kurhotel eröffnet – zeugt vom Stil einer Epoche, deren Aura auch heute noch in vielen Ostseebädern Mecklenburg-Vorpommerns zu spüren ist.

Maritimes Leben in Kühlungsborn

Sieht aus wie St. Tropez? Könnte man sagen – nur nicht so überlaufen… Kühlungsborn überzeugt mit maritimer Lebensart und einem Gefühl für das rechte Maß aus Muße und Vergnügen © TMV/Friedrich
Sieht aus wie St. Tropez? Könnte man sagen – nur nicht so überlaufen… Kühlungsborn überzeugt mit maritimer Lebensart und einem Gefühl für das rechte Maß aus Muße und Vergnügen © TMV/Friedrich

Ganz anders, aber nicht weniger reizvoll zeigt sich der Hafen von Kühlungsborn. Im Sommer ist er ein turbulenter Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste aus ganz Deutschland, die hier maritimes Leben einatmen und frischen Fisch direkt vom Kutter genießen wollen. Bei Sonnenschein ist das Hafenleben Kühlungsborns ein Ort der unbeschwerten Wonne; blauer Himmel, schaukelnde Jollen, fröhliches Kinderlachen: Idylle. Aber auch bei dramatischem Wetter dient der Hafen von Kühlungsborn als dankbares Fotomotiv, wenn vor grauen Wolken und wogenden Wellen die Schlauchboote beinahe über die Molen hüpfen, die schicken Yachten unwillig an den Tauen zerren und die alten Fischkutter ächzend klingen wie Chöre in weit entfernten Kirchenschiffen.

Ebenfalls ein vielversprechender Ausflug für schöne Motive ist eine Rundwanderung auf dem Möwenweg, bei der einem die klare Meeresluft an der Küste um die Nase weht, die aber auch ein Stück ins Hinterland von Kühlungsborn führt. An besonders schönen, sonnigen Tagen wandert Maik Gutmann auch mal die sieben Kilometer zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm zu Fuß am Strand entlang und fotografiert all das, was ihm dort – immer wieder und immer wieder neu – auffällt. Seine Motivation auch hier: Die Schönheit seiner Heimat mit der Kamera festzuhalten. Wer weiß schon, was morgen noch da ist? Für eine besondere Bildkomposition und das entsprechende Licht ist Maik Gutmann dann auch gerne bereit, ein paar Minuten Geduld aufzubringen, frei nach dem Dramatiker Arthur Schnitzler: „Bereit sein ist viel, warten zu können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick zu nützen, ist alles.“

Mit dem Molli nach Bad Doberan

Dass er seinen Weg von hier aus nach Bad Doberan – noch einmal sieben Kilometer – mit der Mecklenburgischen Bäderbahn, dem legendären Molli, fortsetzt, ist nur dem Kalkül des passionierten Fotografen geschuldet. Die anderthalb Stunden Zeit, die er in den Marsch zwischen Heiligendamm nach Bad Doberan investieren müsste, spart er sich lieber für seine Lieblingsmotive im Ort auf: Da wäre zum einen der Molli selbst, den er gern am Alexandrinenplatz vor dem Hintergrund von Haus Gottesfrieden aufnimmt – der schmucken Villa des bekannten Architekten Carl Theodor Severin von 1823. Oder der Tempelberg: Der ist mit seinen 45 Metern Höhe nicht unbedingt ein unbezwingbarer Koloss, aber trotzdem reicht der Panorama-Blick von oben bis hin zu den Sandstränden an der Ostseeküste.  Dann aber eilt auch Maik Gutmann zu dem Gebäude, das in Mecklenburg-Vorpommern jeder kennt: Das im 13. Jahrhundert erbaute Doberaner Münster gilt nicht ohne Grund als die Perle der norddeutschen Backsteingotik. Es liegt in dem gut erhaltenen Areal eines ehemaligen Zisterzienserklosters. Dass Maik Gutmann hin und wieder auch in der Villa Weitsicht einkehrt, die in der Nähe auf dem Gelände einer ehemaligen Jugendherberge steht, hat übrigens nichts mit dem herrlichen Blick über der Stadt zu tun, den man im Restaurant genießen kann. Eher schon mit den leckeren Speisen wie dem Salat "Weitsicht", der mit einem wirklich beispiellosen Himbeerdressing garniert ist, oder zart gebratenen Zanderfilets, die hier angeboten werden.

Titelbild: Maik Gutmann bei einer Fotosession am Strand von Graal-Müritz © TMV / Tiemann

In Zusammenarbeit mit Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Die Ostseeküste, die mecklenburgische Seenplatte, historische Hansestädte: Gründe für einen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele.

 

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