Auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist für Läufer alles im Flow. Denn schönere Joggingstrecken als hier findet man nicht so schnell. Steilküste oder Strand, Waldwege oder Bodden – was darf es sein?

Heute ist eine kleine Abendrunde angesagt. Am Darßer Weststrand. Der gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und verspricht reinsten, ungestörten Naturgenuss. Am Parkplatz Drei Eichen streift Anne Schönrock schwarze Kompressionsstrümpfe über die Unterschenkel und schlüpft in ihre meerblauen Laufschuhe. Dann läuft sie los. Langsam und konzentriert. Die Arme schwingen im Takt, Annes Atem geht regelmäßig, während sie Schritt für Schritt auf den sandigen, federnden Waldboden setzt. Ein Stück läuft sie durch würzig duftenden Küstenwald, dann sind die Dünen erreicht und Anne joggt am Strand weiter, zwischen angespültem Seetang und krummgepeitschen Kiefern hindurch, die sich bizarren Skulpturen gleich aus dem Sand winden. Es riecht nach Salz und nach Harz, nach Meer und Land zugleich, und Anne atmet tief durch, während allmählich das feine Rot der Anstrengung ihre Wangen überzieht. „Ich liebe diese Weite, diesen Salzgeruch, diese Luft“, stößt sie hervor. „Davon kann ich einfach nicht genug bekommen!“

Können wir nachvollziehen. Fischland-Darß-Zingst ist einfach das perfekte Laufrevier. Anne Schönrock, 41 Jahre alt und Zahnarzthelferin aus Ribnitz-Damgarten, hat uns hier ihre Lieblingsstrecken gezeigt. Denn Anne läuft mindestens zwei bis drei Mal in der Woche. Manchmal frühmorgens um halb sieben, manchmal erst nachmittags, wenn sie in der Praxis fertig ist. Ihre Distanzen? Mal fünf, mal zehn, manchmal auch fünfzehn Kilometer am Stück. Doch wo anderswo Jogger gezwungen sind, durch Hochhausschluchten oder an viel befahrenen Ausfallstraßen entlang zu laufen, kann sich Anne auf Fischland-Darß-Zingst zwischen den schönsten Naturstrecken überhaupt entscheiden.

Zwischen Salzwiesen und glitzerndem Meer

Die Hausstrecke der sportlichen Frau mit dem klaren Gesicht führt von Ribnitz an den Strand von Dierhagen, wo sie sogar schon mal Rehe im Sand erlebt hat. Hier springt sie zum Abschluss eines Trainings auch gerne mal ins Wasser. Das übrigens auch schon im März. „Überhaupt laufe ich in der Nebensaison am liebsten. Da sind weniger Menschen unterwegs. Und im Winter ziehe ich am Strand die Schuhe aus und laufe barfuß durch die eiskalte Brandung!“ Gerne trainiert Anne aber auch an der eindrucksvollen Steilküste zwischen Ahrenshoop und Wustrow. Direkt am Felskliff führt ihr Weg entlang – saftig grüne Wiesenlandschaft auf der einen Seite, grenzenlose, glitzernde Ostsee auf der anderen. Und das Brandungsrauschen vermengt sich harmonisch mit dem Zwitschern der Uferschwalben, die ähnlich unbeschwert durch die Lüfte schwingen wie Anne über den Küstenweg joggt.

Alle von Annes Lieblingsstrecken führen in irgendeiner Form am Wasser entlang. Nicht immer ist es die offene Ostsee wie am Weststrand oder an der Ahrenshooper Steilküste. Auch am Bodden entlang verlaufen viele schöne Wege. Bodden sind flache Lagunen und typisch für die Landschaft zwischen Darß und Zingst. Besonders gern läuft Anne auf den schnurgeraden Wegen am Saaler Bodden entlang, wo eine sanfte Brise das Wasser kräuselt und im Herbst die Kraniche über die Salzwiesen ziehen. Die seichten Gewässer sind aber auch Lebensraum und Rastgebiet für viele andere Vogelarten. Noch einmal ganz andere Gewässer verbergen sich im Naturschutzgebiet "Ribnitzer Großes Moor", das Anne ebenfalls gerne in ihre Laufrunden einbaut. Der Weg dort schlängelt sich durch eine stille Wald- und Sumpflandschaft an geheimnisvollen Weihern vorbei, wo Libellen über grünschillerndem Wasser stehen und Frösche quaken. Eine völlig andere Welt – und doch ist auch hier das Meer immer nur wenige Laufminuten entfernt.

Lauf-Events mit Spaßfaktor

Durch das „Ribnitzer Großes Moor“ führt auch der Ostsee-Staffelmarathon, an dem Anne schon teilgenommen hat. „Staffelmarathons eignen sich schon für Anfänger, weil man nur eine relativ kurze Strecke laufen muss“, erklärt die Sportlerin, die auch bei anderen Wettkämpfen in der Region mitmacht, wie zum Beispiel dem Dünenläufer in Graal-Müritz. „Die Atmosphäre bei diesen Lauf-Events ist einfach toll, die Menschen sind herzlich, es macht richtig Spaß!“, begeistert sich Anne, die froh ist, mit dem Laufen die perfekte Sportart für sich gefunden zu haben. „Gut, der erste Kilometer kostet Überwindung. Aber dann gerate ich den Flow! Ich kann abschalten dabei, den Kopf frei bekommen. Und ich komme jedes Mal bester Dinge wieder nach Hause“. Kein Wunder, bei solchen Laufstrecken!

Titelbild: Zwischen Salzwiese und Ostsee: die Laufstrecke entlang der Steilküste bei Ahrenshoop ©TMV/Gänsicke

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