Zwei Grad in der Luft, drei im Wasser. Wer an einem Wintersonntag am Strand von Warnemünde spazieren geht, hat zwei Optionen: Mütze tief ins Gesicht ziehen, Handschuhe an – oder alles fallen lassen und ins eisige Wasser steigen. Klingt verrückt? Vielleicht. Aber es gibt gute Gründe, warum sich ein Sprung in die Ostsee lohnt.

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Ab in den Wollbikini

Der Wind heult über den Strand, während das Thermometer in einen Bottich mit frischem Ostseewasser taucht. Drei Grad. Plus. Spaziergänger bleiben stehen, schauen neugierig – und leicht irritiert. Silke winkt ab: „Was denn? Richtig kalt ist es erst, wenn Eis auf dem Wasser schwimmt.“ Dann dreht sie das Schloss eines kleinen Blechverschlags unterhalb des Rettungsturms. „Wir waren mal in der Warnow baden, als der Fluss zugefroren war. Das war kalt. Aber drei Grad? Das ist doch angenehm.“

Wovon Silke spricht, wird sofort klar, als sie mit Mutter Lindi, ihren Töchtern Saskia und Wencke sowie Enkelin Ashley die kleine Hütte – im Sommer ein Rettungsschwimmerturm – kurzerhand in eine Umkleide verwandelt. Jeans und Winterjacken weichen Wollbikinis, Bademänteln und knalligen Mützen. „Die bunten Mützen haben wir damals selbst gehäkelt, damit wir im Wasser gut zu sehen sind. Inzwischen trägt sie die ganze Familie“, erzählt Lindi lachend. Und Familie bedeutet in diesem Fall: vier Generationen, von elf bis 80 Jahren, die hier regelmäßig gemeinsam baden gehen.

Jeder darf mitmachen

„Eigentlich war es Zufall“, erinnert sich Silke. „Wir haben hier in Warnemünde ein paar Eisbader gesehen und dachten: Das ist ja cool, das probieren wir irgendwann.“ Als sie erfuhren, dass es mit den Rostocker Seehunden sogar einen Verein gibt, war der Entschluss schnell gefasst.

„Die haben uns den Einstieg richtig leicht gemacht“, sagt sie. „Schon beim ersten Mal wurden wir herzlich empfangen – mit einem heißen Trunk. Das war einfach schön.“ Das Erlebnis sprach sich schnell in der Familie herum – und plötzlich hatte der Verein fünf neue Mitglieder mit neongelben Mützen.

„Jeder ist herzlich willkommen, es mal auszuprobieren. Ob Mitglied oder spontaner Spaziergänger“, sagt Silke Bandilla.
„Wir haben viele Urlauber, die sich schnell mal entscheiden, mitzumachen. Das sind dann die besonders Mutigen“, ergänzt sie.

Der Wind weht kräftig weiter, Sand treibt über den Strand, als Ashley – nur im wolligen Bade-Outfit – nach draußen tritt. Ein Bademantel schützt die Elfjährige noch vor den Minusgraden. „Wir nennen sie Flitzi“, schmunzelt Silke. „Sie ist immer zuerst im Wasser – und genauso schnell wieder draußen.“

Während Silke, Saskia und Lindi noch plaudern, steht Ashley schon an der Wasserlinie – ein wenig fröstelnd, aber entschlossen.
Eisbaden mit den Rostocker Seehunden ist zwischen September und April immer sonntags um 10 Uhr möglich. Treff: Am Rettungsturm unterhalb des Hotel Neptun in Rostock-Warnemünde

Drei Minuten reichen

„Und los geht’s!“ Lindi gibt das Startsignal. Ohne großes Ritual, dafür mit lautem Lachen und Geschrei, rennen vier Generationen in die spiegelglatte Ostsee. Spaziergänger ziehen Mützen tiefer, wickeln sich fester in ihre Schals, während Silke, Saskia und Co. untertauchen.

Nach drei Minuten ist Schluss. „Man sollte immer nur so lange im Wasser bleiben, wie die Temperatur auf dem Thermometer angezeigt wird“, erklärt Silke einem neugierigen Zuschauer, während sie sich in Handtuch und Bademantel hüllt. „Dann macht’s Spaß – und man friert sich nicht fest.“

Das sagt der Arzt zum ersten Mal Eisbaden

Dr. Hummel, ehemaliger Chefarzt einer Rehaklinik in Heiligendamm ist selbst leidenschaftlicher Eisbader und Begleiter der Rostocker Seehunde. Für Anfänger rät er folgendes: „Wer sich fit fühlt und gesundheitlich stabil ist, kann den Sprung in die kalten Fluten wagen. Ideal ist es, wenn man vorher mit Wechselduschen und Saunagängen begonnen hat, um den Körper vorzubereiten. Kaltes Wasser wirkt wie ein starkes Medikament – also erst niedrig dosieren, Wirkung abwarten.“

Titelbild: Nur nicht zögern: Die Frauen wagen die ersten Schritte ins kalte Wasser © TMV/Gross

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