Gastgeber, die euch gerne ihre Heimat zeigen. Produzenten, die mit Sorgfalt und Liebe regionale Lebensmittel herstellen – welche ihr vor Ort probieren könnt. Und eine Umgebung voller Wiesen und Wälder, die Kindern die Möglichkeit gibt, unbeschwert draußen zu spielen. Und Erwachsenen, endlich mal wieder durchzuatmen. Dorfurlaub im Schwarzwald fühlt sich etwa so an wie Sommerferien früher. Zum Beispiel in Loßburg.

Stück für Stück holt der kleine Benedikt die rohen Eier aus dem mobilen Hühnerstall und übergibt sie ganz vorsichtig an Carla Staiger, die im Schwarzwald-Örtchen Loßburg-Schömberg gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten den großen alten Hofbauernhof bewirtschaftet. Benedikt macht mit seinen Eltern und der kleinen Schwester Lina Sommerferien in Loßburg. Die beiden Kinder laufen fröhlich zwischen den Hühnern auf der sonnigen Wiese umher. Davor haben sie die Schwäbisch- Hällischen Landschweine mit Heu gefüttert – Exemplare einer alten Nutztierrasse. Sind Kettcar im Hof gefahren. Und haben mit ihren Eltern im Hofladen eingekauft. Schade, dass nicht Freitag ist. Da hätte, zumindest zu normalen Zeiten, auch noch das Hofcafé offen, wo’s neben Kaffee auch selbstgebackenen Kuchen gibt.

21 ganz besondere Schwarzwald-Dörfer

Loßburg hat sich mit 20 anderen Gemeinden der Region zum „Dorfurlaub Schwarzwald“ zusammengeschlossen. Das Konzept: Die Gastgeber empfangen Urlauberinnen und Urlauber wie Freunde und zeigen ihnen, was die eigene Heimat besonders macht. Dazu gehören freundliche Übernachtungsbetriebe, kleine Manufakturen und Produzentinnen, kurzum Dörfer, in denen die Welt noch in Ordnung ist. Wer möchte, kann zum Beispiel auch ein Picknick mit regionalen Spezialitäten bei seinem Dorfurlaub-Gastgeber vorbestellen. Oder ein „Vesperdäschle“ mit Produkten bei der Loßburg Information kaufen. 

Wasserspaß im Zauberland am Kinzigsee

Benedikt und Lina genießen die unbeschwerte Urlaubszeit im Schwarzwald ganz augenscheinlich – und die Eltern auch. Die fechten gerade bei der Wassererlebnisrunde im Zauberland am Kinzigsee lachend einen Kampf an der Station mit den großen Wasserspritzpistolen aus, während die kleinen kreischend davonspringen. Eindeutig zu nass … Der Naturerlebnispfad rund ums Wasser wurde am Kinzigursprung errichtet und bietet neben einem Wasserspielplatz mehrere Mitmach-Stationen – und auch einfach einen Bach, in dem man spielen kann.

Rundumsicht vom Vogteiturm

Szenenwechsel. Dieses Mal haben die Erwachsenen das Programm bestimmt – einen Aufstieg auf den Vogteiturm. Der ist aus Stahl, man kann also durch die Treppenstufen bis nach unten schauen. Aber noch schöner sind die Panoramablicke, die man von oben über die Landschaft und die Höhenzüge des Schwarzwalds genießt. Die Eltern treiben jetzt ein bisschen zur Eile an, sie möchten noch in Connis Käsemanufaktur auf dem Schwenkenhof Biokäse fürs Abendessen einkaufen. „Ihr könnt dort die Kühe auf der Weide beobachten“, erklären die Eltern den Kleinen. „Und vielleicht gibt es ja sogar kleine Kälbchen.“ Das Argument wirkt Wunder. Benedikt und Lina klettern den Vogteiturm wieder flink hinunter. Auf zum Schwenkenhof!

Käse mit Fichtennadeln

Dort ist gerade etwas Hektik, eine Mutterkuh kalbt tatsächlich, und sie braucht Hilfe. Aber Cornelia Reich nimmt sich trotzdem Zeit für die Familie. Und während die beiden Kinder auf dem Boden friedlich Puzzle legen (es steht extra ein Korb mit Kinderspielzeug für kleine Besucherinnen bereit), probieren die Eltern in Connys Käsemanufaktur die Spezialitäten. Reich erklärt, das sie gerne experimentiert, Käse mit Kräutern und anderen regionalen Zutaten verfeinert. Sie reicht den beiden einen würzigen Käse mit einer leichten Fichtennote über die Theke – passend zum Schwarzwald. Junge Nadelspitzen sorgen für ein würzig-herbes Aroma. Benedikt und Lina haben das Puzzle fertig und besichtigen mit dem Papa draußen den kleinen Selbstbedienungskühlschrank mit Milch und Joghurt, während die Mutter noch bezahlt. 

„Und was machen wir morgen?“, will Lina abends wissen, als ihr in dem Bett mit der karierten Bettwäsche schon fast die Augen zufallen. „Überraschung“, antwortet die Mutter und drückt der Kleinen noch einen Kuss auf die Wange.

Mit Ziegen spazieren

Na, das ist dann wirklich etwas unerwartet am kommenden Morgen: „Komm, Frida, komm und bring die anderen gleich alle mit“, lockt Esther Föttinger vom Kultierhof ihre Zöglinge, und die rennen nach kurzem Zögern der Frida und auch der Esther hinterher. Kleine Ortsbegehung mit einer wild gewordenen Ziegenbande. Esther Föttinger erzählt, dass die Familie den Hof  vor ein paar Jahren gekauft hat. „Ziegen sind so emphatische Tiere“, erzählt sie, „ich weiß nicht so ganz genau, warum, aber ich wollte eigentlich schon immer welche haben.“ Hier in Betzweiler-Wälde bei Loßburg werden die Ziegen nicht geschlachtet, ja nicht einmal gemolken. Ab und zu mit Besuchern wandern gehen, ist ihre einzige Aufgabe. Benedikt läuft grinsend zwischen den Ziegen umher – er kann es gar nicht fassen: mit Ziegen spazieren gehen! Erstaunlicherweise bleibt die tierische Truppe irgendwie zusammen, geht eine recht flotte Viertelstunde mit den Gästen durch die Gassen – und dann wieder zurück in den Stall. Keiner büxt aus. Aber ein bisschen aufregend findet Esther Föttinnger solche Ausflüge schon immer.

Mühlenwelt am Heimbach

Es sind besondere Menschen, die in Loßburg dafür sorgen, dass alte Traditionen weiterleben dürfen. In der  Mühlenwelt am Heimbach zum Beispiel. Karl-Heinz Mäder, dessen Familie hier früher Mühlen besaß, zeigt der Familie, wie so eine alte Säge in Gang kommt. Seine kleine, sympathische Mühlenwelt am Heimbach möchte das Handwerk der Sägerei lebendig halten. In seinem Restaurant „Obere Mühle“ werden regionale, einfache und sehr leckere Spezialitäten serviert. Und einen kleinen Wanderweg gibt es auch. Karl-Heinz Mäder dreht an den Knöpfen der Säge, probiert, flucht, probiert wieder und lacht am Ende doch. Das alte Monster setzt sich in Bewegung, ächzt und knarzt und macht einen ohrenbetäubenden Krach. Die Sägeblätter rattern, der kolossale Fichtenstamm wird in Balken geteilt. Früher seien die Leute in die Kneipe gegangen, erzählt Karl-Heinz Mäder, während die Sägen in Betrieb waren – weil die Prozedur halt ziemlich dauern konnte. „Aber ich bleibe lieber dabei, das Viertele gibt’s später bei mir im Restaurant.“

Die Ziegen vom Kultierhof machen einen Dorfspaziergang © Oliver Raatz

In Zusammenarbeit mit Tourismus Marketing Baden-Württemberg

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